Fortschritte ja, Entwarnung nein
Die Zeit wird knapp für Athen 2004

Das IOC begrüßte bei einer Inspektion die jüngsten Fortschritte, doch Missstimmung wurde sichtbar, als man den griechischen Kultusminister Venizelos nicht aufs Podium der Pressekonferenz einlud.

dpa ATHEN. Denis Oswald gab sich am Freitag als Oberprüfer des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zum Abschluss seiner zweiten Athen-Inspektion innerhalb von zwei Monaten höflich, aber auch hart. "Zufrieden" und "positiv überrascht" äusserte sich der Schweizer Vorsitzende der IOC - Koordinierungskommission zu den Fortschritten bei der Vorbereitung auf die Spiele 2004. Doch unmissverständlich sprach er auch von einem "Rennen mit der Zeit. Das, was noch gemacht werden muss, ist gewaltig".

Dem schloss sich sofort die Chefin des Athener Organisationskomitees (ATHOC), Gianna Angelopoulos-Daskalaki, an. "Der letzte Moment ist jetzt. Uns bleiben nur noch genau 963 Tage bis zum Beginn der Spiele", sagte die Chefin des ATHOC. Sie machte keinen Hehl daraus, wer verantwortlich für die Verspätungen ist. "Wenn die Regierung uns die Anlagen rechtzeitig übergibt, dann werden wir mit unseren 150 000 Mitarbeitern und freiwilligen Helfern sehr gute Spiele austragen", sagte die "Eiserne Lady" des ATHOC.

Oswald stellte fest, dass ATHOC die Verträge für den Bau zahlreicher Sportanlagen nun unterzeichnet hat. Dies deute auf einen baldigen Beginn der Bauarbeiten hin. "Bei der Besichtigung des Olympischen Dorfes haben wir diesmal Häuser aus der Erde wachsen gesehen. Das ist sehr positiv", sagte der Schweizer. Mängel beklagte Oswald dagegen im Bereich Infrastruktur. "Der Bau der Eisenbahnverbindung zwischen dem Flughafen und Athen ist von entscheidender Bedeutung." Der griechische Ministerpräsident Kostas Simitis habe ihm versprochen, die Arbeiten zu beschleunigen. Die Autofahrten nach Athen dauern in der Hauptverkehrszeit bisher fast zwei Stunden. Mit dem Zug würde der Reisende in 35 Minuten im Zentrum sein. Bislang ist keine einzige Schiene gelegt worden.

Die Unterbringung der Journalisten sei auf den Weg gebracht. Dagegen fehlen noch rund 3000 Zimmer für die so genannte Olympische Familie, berichtete Oswald weiter. Dieses Problem könnte mit dem Bau neuer Hotels behoben werden. "Der Bau dieser Hotels aber muss bald beginnen", sagte Oswald. Noch keine Lösungen liege für die Besucher der Spiele vor. Dies werde das IOC bei der nächsten Inspektion im Februar 2002 beschäftigen. Einige Verbesserungen von Straßenverbindungen haben noch nicht begonnen. Die Übernachtungen an Bord von Kreuzfahrtschiffen seien solange problematisch, solange die Verbindung zur U-Bahn in Piräus unzureichend ist. Die für Ende 2003 und Anfang 2004 geplanten Termine für Testwettbewerbe müssen nach Ansicht Oswalds entzerrt werden.

Interne Athener Differenzen machten Oswald und Angelopoulos- Daskalaki so klar: "Wir wollen bei Pressekonferenzen nicht debattieren, sondern berichten, was Sache ist." Aus diesem Grund lehnte Oswald die Präsenz eines Ministers der griechischen Regierung bei den Pressekonferenzen ab. Das IOC sei der Veranstalter. Das IOC entscheide, wer bei der Pressekonferenz teilnimmt. Zuvor hatte der griechische Kultusminister Evangelos Venizelos den Wunsch geäussert, bei den IOC-Pressekonferenzen in Athen neben der ATHOC-Chefin zu sitzen. Dies hatte die Athener Presse als einen Versuch des Ministers interpretiert, die ATHOC-Chefin "bei Seite zu drängen".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%