Fortsetzung der Offensive angekündigt
Scharon schlägt Nahost-Gipfel vor

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hat am Montag einen israelisch-arabischen Nahost-Gipfel vorgeschlagen. Zugleich ließ er trotz des wachsenden internationalen Drucks die Offensive in den palästinensischen Gebieten fortsetzen. Mit kaum verschleierten Worten rief er das palästinensische Volk auf, Präsident Jassir Arafat zu stürzen. US-Außenminister Colin Powell traf zum Auftakt seiner Vermittlungsmission in Marokko ein.

wiwo/ap JERUSALEM. Schwere Kämpfe tobten in Nablus und dem Flüchtlingslager Dschenin. Im Gebäudekomplex um die Geburtskirche in Bethlehem brach ein Feuer aus. Die israelischen Belagerer ließen palästinensische Feuerwehrleute erst nach einer Leibesvisitation zum Brand in einer zur katholischen Katharinenkirche gehörenden Empfangshalle vor. Ein palästinensischer Polizist, der Flammen löschen wollte, wurde nach palästinensischen Angaben erschossen. Zuvor hatten nach israelischer Darstellung von palästinensischen Schützen angegriffene israelische Grenzpolizisten Rauchbomben geworfen, um sich zurückzuziehen. Sie seien verletzt worden.

Papst Johannes Paul II. bezeichnete die Lage in Bethlehem als "unvorstellbar und unannehmbar". Der Franziskanerorden wies Scharons Darstellung zurück, seine Mönche in der Geburtskirche seien von militanten Palästinensern als Geiseln genommen worden. Der höchste Repräsentant der Franziskaner im Heiligen Land, Giovanni Batistelli, wies die israelische Darstellung zurück, aus der Geburtskirche sei geschossen worden. "Niemand hat aus dem Kirchenkomplex heraus geschossen. Es war ein Angriff israelischer Streitkräfte."

Scharon sagte in seiner Rede vor dem israelischen Parlament, er sei zu einem Treffen mit gemäßigten arabischen Regierungschefs ohne Vorbedingungen bereit, um über ein Friedensabkommen zu sprechen. Die jüngste Friedensinitiative der Arabischen Liga, die auf einen Vorschlag des saudi-arabischen Kronprinzen Abdullah zurückging, weise "positive Elemente" auf, sagte Scharon. Die Initiative bietet Israel Frieden im Gegenzug für den Rückzug aus allen besetzten Gebieten.

Scharon setzte sich in der Parlamentsrede erneut über die Aufforderung der USA und des Weltsicherheitsrats zu einem sofortigen Truppenabzug aus den palästinensischen Gebieten hinweg. Die Offensive im Westjordanland sei zeitlich begrenzt, gehe aber weiter, bis die palästinensischen Milizen vernichtet seien, sagte Scharon. "Die Armee wird weiter so zügig wie möglich operieren, bis die Mission erfüllt ist, bis sie Arafats Terror-Infrastruktur demontiert hat und bis die Mörder, die sich an verschiedenen Plätzen verstecken, festgenommen worden sind", sagte Scharon.

Treffen Powell/Arafat ungewiss

Während der "Operation Schutzschild" wurden nach Scharons Worten bislang über 1 500 gesuchte Palästinenser festgenommen. Nach Ende der Operation werde sich die Armee in eine Pufferzone zurückziehen. Sich direkt an das palästinensische Volk wendend rief Scharon dieses kaum verhüllt zum Sturz Arafats auf. "Wir wollen mit Ihnen Seite an Seite leben, mit Würde und Ehre. Sie müssen (aber) Ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen. Sie müssen die Kräfte zurückweisen, die die Katastrophe über Sie gebracht haben", sagte er.

Powell begann unterdessen mit einem Besuch in Marokko seine Vermittlungsmission im Nahen Osten. Gespräche waren geplant mit König Mohammed VI. und dem saudiarabischen Kronprinzen Abdullah, in Ägypten mit Präsident Husni Mubarak und in Jordanien mit König Abdullah II. In Israel ist ein Treffen mit Scharon vorgesehen. Den palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat werde er treffen, "wenn es die Umstände zulassen", erklärte Powell vor seiner Abreise.

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