Fortsetzung der Verhandlungen
Afghanistan-Konferenz berät Details einer Regierung

Die Teilnehmer der Bonner Afghanistan-Konferenz haben ihre Gespräche am Mittwoch mit Beratungen über Einzelheiten der geplanten politischen Lösung für das Land fortgesetzt. Ein Delegierter sagte Reuters, zunächst seien Gespräche zwischen der Nordallianz und der so genannten "Zypern"-Gruppe aus Exil-Afghanen geplant. Eine zentrale Frage der Gespräche sei, ob die Nordallianz bereit ist, ihre militärisch errungene Macht mit anderen Gruppen zu teilen.

Reuters BONN. Eine wichtige Frage sei auch die Rolle des exilierten Ex-Königs Mohammed Sahir Schah, den dessen Delegierte sowie Vertreter der anderen Staaten an der Spitze der geplanten Übergangsregierung sehen wollen, was andere Gruppen dagegen skeptisch sehen. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) warnte unterdessen vor Spekulationen über eine Ausweitung des Kriegs auf andere Länder.

Die von den Vereinten Nationen (UNO) veranstaltete Konferenz war am Dienstag von Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) und dem UNO-Sonderbeauftragten Lakhdar Brahimi eröffnet worden. Sie soll eine Übergangsregierung für Afghanistan bilden und klären, wie in dem Land Sicherheit hergestellt werden kann, etwa durch eine multinationale Friedenstruppe. An dem Treffen nehmen außer der Nordallianz und den "Rom-Gruppe" genannten Delegierten des im italienischen Exil lebenden Ex-Königs zwei Delegationen aus Exil-Afghanen teil. Die "Zypern"-Gruppe hat enge Verbindungen zu Iran. Die "Peschawar"-Gruppe genannte Delegation besteht aus paschtunischen Stammesführern aus Südafghanistan und ist nach einem früheren pakistanischen Tagungsort benannt. Ein Delegierter sagte zum Auftakt des zweiten Konferenztags, vor allem die Meinungsunterschiede zwischen der Nordallianz und der "Rom-Gruppe" seien noch nicht ausgeräumt. Diese stellen mit elf (Nordallianz) und acht Vertretern ("Rom-Gruppe") die beiden größten Gruppen der insgesamt 25 Delegierten. Ein Sprecher der Nordallianz sagte zum Stand der Gespräche: "Es gibt noch keine Meinungsverschiedenheiten, aber sie (die Delegierten) sind noch nicht zu den Detailfragen gekommen." Nach seinen Angaben werden die Delegationen am Mittwoch untereinander beraten.

Am Dienstag hatten Sprecher aller vier Delegationen ihren Willen zu einer gemeinsamen politischen Lösung betont, zu der sie Brahimi und Fischer nachdrücklich aufgefordert hatten. Mit besonderer Aufmerksamkeit wurden entsprechende Aussagen des Delegationsleiters der Nordallianz, Juni Kanuni, bei der Eröffnung registriert. Nachdem die Nordallianz mit US-Hilfe weite Teile des Landes erobert hat, wird befürchtet, dass sie alleine eine Regierung bilden könnte.

Offene Frage: Rolle des Königs

Nach Angaben eines Delegierten zeigte sich die Nordallianz in den Gesprächen nach der öffentlichen Auftaktzeremonie weniger kompromissbereit. Unklar ist auch, ob sich die Delegierten auf eine Rolle für den früheren König einigen können. Der 87-Jährige soll nach dem Willen vor allem westlicher Staaten, die die Konferenz begleiten, das politisch und ethnisch vielfach aufgesplitterte Land in der Übergangszeit einen. Gegen seine Rückkehr und eine solche Rolle gibt es jedoch Skepsis unter einigen Teilnehmern der Konferenz.

Der italienische Sonderbeauftragte Enrico De Maio sagte am Rande der Konferenz, es gebe Übereinstimmungen über die künftige Rolle des Ex-Königs, aber nicht in allen Einzelheiten. "Es gibt ein Nachbarland, das nicht sehr glücklich darüber ist", fügte er mit Blick auf Iran hinzu. Die Iraner hätten keine grundsätzlichen Vorbehalte gegen den Ex-König. Allerdings hätten sie wohl Probleme, einen "Schah" zu unterstützen, nachdem sie selbst ihren Schah vor mehr als 20 Jahren gestürzt haben. Er glaube nicht, dass der Ex-König nach Afghanistan zurückkehren und das Land tatsächlich regieren wird. Er sei aber ein Symbol für die Einheit des Landes.

Bundeskanzler Schröder sagte im Bundestag, man müsse sehr zurückhaltend sein in der Diskussion um neue Ziele im Zuge des Afghanistan-Krieges etwa in Nahen Osten. "Da könnte uns mehr um die Ohren fliegen, als jeder von uns zu tragen in der Lage ist." Schröder bezog sich dabei auf Äußerungen des Staatsministers im Auswärtigen Amt, Christoph Zöpel (SPD), ohne diesen beim Namen zu nennen. Deutschland werde alles tun, damit die Anti-Terror-Koalition aufrechterhalten werde, sagte Schröder.

Zöpel hatte vergangene Woche in einem Interview gesagt, er sei zuversichtlich, dass die SPD-Bundestagsfraktion einem Anti-Terror-Einsatz in Somalia zustimmen würde.

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