Fortsetzung des Reformprogramms
Türkischer Zentralbankchef mahnt Finanzmärkte zur Ruhe

Der türkische Zentralbankchef Gazi Ercel hat mit Blick auf den Streit in der türkischen Staatsführung die Finanzmärkte des Landes dazu aufgefordert, Ruhe zu bewahren. Es stehe außer Frage, dass die Türkei das mit dem Internationalen Währungsfond (IWF) vereinbarte Wirtschaftsreformprogramm fortführen werden, sagte Ercel am Dienstag.

Reuters ISTANBUL. IWF-Vizedirektor Stanley Fischer, der am Montag zu einem Treffen mit der Regierung in die Türkei gereist war, zeigte sich zur Fortsetzung des Reformprogramms zuversichtlich. Die Tagesgeldsätze am türkischen Geldmarkt schossen unterdessen in die Höhe. Vize-Finanzminister Selcuk Demirelp hatte jedoch zuvor erklärt, die türkische Lira werde nicht abgewertet.



Auslöser der Finanzmarkt-Turbulenzen war ein Streit zwischen dem türkischen Ministerpräsidenten Bulent Ecevit und dem türkischen Präsidenten Necdet Sezer. Ecevit hatte am Montag vorzeitig ein Treffen des einflussreichen Nationalen Sicherheitsrats verlassen und vor Reportern in Ankara gesagt, er sei vom Präsidenten beleidigt worden. Ecevit sprach von einer "schweren Krise" im Verhältnis zum Präsidenten.



Der Streit in der türkischen Staatsführung hatte am Montag die türkischen Aktien- und Bondmärkte einbrechen lassen. Der Haupt-Aktienindex der Börse in Ankara rutschte in der Spitze um 16 Prozent ab und lag gegen Handelsschluss noch 14 Prozent im Minus. Die Kurse der richtungweisenden Anleihen gaben ebenfalls deutlich nach. Die Rendite des richtungweisenden zehnjährigen Bonds kletterte auf ein Zwei-Jahreshoch. Die Banken flüchteten aus der türkischen Lira und kauften von der Zentralbank Devisen in einem Rekordvolumen von fast fünf Milliarden Dollar.



Finanzmärkte wieder etwas beruhigt

Am Dienstag schienen sich die Finanzmärkte zum Teil wieder etwas beruhigt zu haben. Der wichtigste Aktienindex an der Börse in Istanbul lag am Nachmittag nur noch 0,25 Prozent im Minus bei 8 671 Punkten. Auch die Flucht aus der türkischen Lira wurde gebremst. Türkische Banken kauften nach eigenen Angaben Lira im Wert von 2,2 Milliarden Dollar von der türkischen Zentralbank zurück und kehrten den Abfluss vom Vortag damit teilweise wieder um. Ausschlaggebend hierfür war Händlern zufolge das starke Anziehen der Sätze am türkischen Geldmarkt. Hier kletterten die Tagesgeldsätze in der Spitze auf 1 000 Prozent, nachdem sie am Montag im späten Handel bei 315,88 Prozent gelegen hatten. Zuletzt gaben die Preise jedoch wieder etwas nach. Eine Abwertung der Lira, die fest an einen Währungskorb aus Dollar und Euro gebunden ist, steht nach Angaben des Finanzministerium nicht zur Debatte.



Zentralbankpräsident Ercel rief am Dienstag die Finanzmärkte auf, Ruhe zu bewahren. "Wir haben eine Menge Arbeit in dieses Programm gesteckt und werden jetzt nicht wegen ein paar Tagen Fluktuation (an den Finanzmärkten) aufgeben", sagte Ercel. Auch die Märkte würden dazu beitragen, die Stabilität des Finanzsystems zu erhalten. "Ich glaube, dass die Märkte Anstrengungen unternehmen werden, damit das (IWF -) Programm fortgesetzt wird. Ich möchte, dass an den Märkten jetzt und in Zukunft Ruhe einkehrt", sagte er.



IWF-Vizedirektor Fischer gab sich am Dienstag nach einem Treffen mit Ministerpräsident Ecevit zuversichtlich, dass das Wirtschaftsreformprogramm weiter fortgesetzt wird. "Die Regierung ist entschlossen, dass Programm zu stärken und seinen Erfolg zu sichern. Wir haben mit der Regierung weitere Unterstützungsmaßnahmen diskutiert, die auch strukturelle Maßnahmen beinhalten", sagte er.



Der IWF hatte der Türkei im vergangenen Jahr Kredite in Milliardenhöhe zugesagt, die jedoch an Wirtschaftsreformen, Inflationseindämmung und Haushaltsdisziplin des Landes geknüpft sind. Die Kredite belaufen sich insgesamt auf ein Volumen von rund elf Milliarden Dollar und werden in Tranchen ausgezahlt.

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