Fortuyn wird im Familiengrab beigesetzt
Tausende bei Trauerfeier für Fortuyn

Tausende Niederländer haben am Freitag die Straßen Rotterdams mit Rosenblättern bestreut, als der Sarg des Rechtspopulisten Pim Fortuyn durch die Straßen der Stadt gefahren wurde.

Reuters ROTTERDAM. Auf dem Weg durch die Straßen grüßten die Trauernden den in weiß und silbern gehaltenen Sarg mit gedämpftem Applaus, der sich nur am Eingangstor der Kathedrale steigerte, als die Sargträger das Gotteshaus betraten. Die Prozession ging von der St. Laurentiuskirche im Zentrum der Hafenstadt aus und kehrte dorthin zurück. Fortuyns Familie hatte darum gebeten, dass der 54-jährige Politiker an den Tagen vor der Trauerfeier öffentlich aufgebahrt wird, wie zuletzt 1962 die niederländische Königin Wilhelmina. Tausende erwiesen Fortuyn bereits am Donnerstag in der Kathedrale die letzte Ehre.

Der Bischof von Rotterdam zelebrierte dann in dem Gotteshaus die Totenmesse für den katholischen Homosexuellen, der zu den bevorstehenden Parlamentswahlen mit einer eigenen Liste angetreten war. Der amtierende Ministerpräsidenten Wim Kok und ein hochrangiger Vertreter von Königin Beatrix nahmen auch daran teil.

In Amsterdam war für Freitag ein Schweigemarsch angekündigt. Das Attentat hatte die Niederlande zutiefst erschüttert. Die Parteien setzten den Wahlkampf für die Parlamentswahlen am Mittwoch vorläufig aus. Als Attentäter nahm die Polizei einen 32-jährigen Tierschützer fest. Fortuyn war häufig mit dem französischen Rechtsradikalen Jean-Marie Le Pen oder dem österreichischen Populisten Jörg Haider verglichen worden, hat sich aber immer von beiden distanziert.

Fortuyns Anhänger loben ihn als "wirkliche Stimme des Volkes" im Gegensatz zu den etablierten politischen Parteien, denen es mehr um Machterhalt als um das Wohl des Volkes gehe. Der glatzköpfige Fortuyn forderte, die Grenzen der Niederlande für Einwanderer zu schließen und nannte den Islam eine rückständige Religion. Viele Niederländer sagen, in seiner offensiven Art habe er innenpolitische Diskussionen angestoßen, die überfällig gewesen seien.

Vor dem Anschlag hatte die Liste Pim Fortuyn (LPM) in Umfragen überraschend bei 17 Prozent der Stimmen gelegen und konnte sich damit einen Einfluss auf die Bildung der nächsten Regierung ausrechnen. Fortuyn hatte die Liste im März gegründet, nachdem ihn die Bürgerbewegung "Lebenswerte Niederlande" wegen seiner Äußerungen zu Islam und Einwanderern ausgeschlossen hatte.

Fortuyn wird am Freitag zunächst in einem Familiengrab in der Nähe von Amsterdam beigesetzt. Später soll der Sarg in einen kleinen Ort in Norditalien überführt werden, wo Fortuyn ein Ferienhaus besaß und gerne begraben sein wollte.

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