Fossilfund stellt bisherige Theorie in Frage
"Menschlicher Stammbaum ist falsch"

Der Fund eines 1,8 Millionen Jahre alten Oberkiefers in Tansania räumt auf unter den Vorfahren des Menschen. Er zeigt nach Auffassung von Anthropologen, dass eigentlich nur eine Hominiden-Art den menschlichen Stammbaum begründet, der Homo habilis.

HB/dpa WASHINGTON. Dieser früheste Vertreter der Gattung Mensch ging bereits auf Jagd und zerlegte größere Beutetiere geschickt mit seinen Steinwerkzeugen, berichten die Forscher im Freitag erscheinenden Wissenschaftsjournal "Science".

Robert Blumenschine von der Rutgers Universität in New Brunswick (US-Bundesstaat New Jersey) und Kollegen waren bereits 1995 in der Olduvai-Schlucht von Tansania auf den Hominiden-Oberkiefer gestoßen. Er sei einer der besterhaltenen und dank seiner Zähnen auch einer der reichsten Fossilienfunde aus jener Zeit, schreiben die Forscher. Mit den anatomischen Eigenarten dieses Oberkiefers gelang es jetzt, die Brücke zwischen dem Homo habilis und dem Homo rudolfensis zu schlagen. Danach ist der bisher als H. rudolfensis bekannte Hominid gar nicht Vertreter einer anderen Art, sondern gehört zum H. habilis und sollte umgetauft werden, schließt das Team um Blumenschine.

"Dies ist ein wichtiger Vorfahre", erläutert der Anthropologe. "Er kommt aus der entscheidenden Periode der Vorgeschichte, in der wir die ersten Steinwerkzeuge sehen, und in der Hominiden erstmals größere Tiere als Nahrung nutzen". Genau zu jener Zeit habe auch das Gehirn der menschlichen Ahnen ganz deutlich an Größe zugelegt. Blumenschine und Kollegen an mehreren Universitäten in Tansania, Südafrika und den USA fanden die Steinwerkzeuge sowie Knochen eines zerlegten Säugetiers in unmittelbarer Umgebung des Hominidenfossils.

Die Olduvai-Schlucht ist durch das Anthropologenpaar Louis und Mary Leakey bekannt, das dort bereits in den frühen 60er Jahren Aufsehen erregende Fossilien ausgegraben hatte. Blumenschine und Kollegen wurden gut drei Jahrzehnte später am weniger erforschten Westhang der Schlucht fündig. "Mit unserem neuen Wissen über die Umweltbedingungen jener Zeit beginnen wir jetzt zu verstehen, welche Faktoren dem frühen Menschen halfen, neue Eigenschaften wie das größere Hirn zu entwickeln und den Grundstock für das zu bilden, was wir heute sind", sagt der Forscher.

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