Fotograf der Großen, Schönen und Reichen
Starfotograf Richard Avedon wird 80

Über die Verdienste Richard Avedons sind sich Ausstellungsmacher und seine Kollegen weitgehend einig: Er hat die Modefotografie zur Kunst erhoben. Vor den Kameras Avedons, der an diesem Donnerstag (15. Mai) 80 Jahre wird, posieren die Großen, die Schönen und die Reichen.

HB/dpa HAMBURG. Seine Bilder zeigen perfekte Models in perfekten Kleidern, aber auch eine traurige Marilyn Monroe, Andy Warhols Schusswunden, den Pianisten Vladimir Horowitz oder den spöttisch lächelnden Truman Capote. Viele dieser Porträts sind zu tausendfach gedruckten Ikonen geworden. Längst gilt es unter den Berühmten als Auszeichnung, vor Avedons Objektiven gestanden zu haben. Zu seinen Markenzeichen gehörte der weiße, leere Hintergrund seiner großformatigen Bilder. Nichts darauf lenkt vom Motiv ab.

Seit Jahrzehnten ist der Fotograf ebenso prominent wie seine Motive. Er wurde früh Mitglied der New Yorker Kulturszene und ein Freund Andy Warhols, den er auch dann ablichtete, nachdem eine verrückte Verehrerin ihn lebensgefährlich verletzt hatte. Mit 17 verließ Avedon die High School und ging zur US-Marine. Er bewarb sich dort aus "einer Laune" heraus und weil sein Vater ihm kurz zuvor eine Rolleiflex-Kamera geschenkt hatte, bei der fotografischen Abteilung. Zwei Jahre lang fertigte er Passbilder.

Von 1945 bis 1965 wurde Avedon durch die Förderung von Alexey Brodovitch, dem künstlerischen Direktor des berühmten Magazins "Harper's Bazaar" zu einem der berühmtesten Modefotografen der Welt. Als Erster arbeitete er mit den Models, von denen er schauspielerische Leistungen forderte, nicht im Studio, sondern auf der Straße: dort inszenierte er "zufällige Momente".

Trotz seiner zahlreichen lukrativen Aufträge für Mode und Werbung hat Avedon stets auch künstlerisch gearbeitet. Viele Bilder zeigen in Schwarz-weiß rußverschmierte Bergarbeiter, zerzauste Landstreicher und abgearbeitete Tagelöhner. Vor dem weißem Hintergrund präsentiert Avedon Vertreter der amerikanischen Arbeiterklasse, wie er sie auf Ölfeldern, Schlachthöfen oder in Büros traf. Die Abzüge sind schonungslos und detailgetreu. Sie enthüllen jede Pore und jede Falte. Der Mensch ist darauf unmittelbar zu erkennen. Berühmt wurden auch exklusive Bilder von Jackie Kennedy im Weißen Haus oder die Fotos seines todkranken Vaters.

Der Betrachter soll sich in jene Situation versetzt fühlen, in der die Fotos entstanden, sagt Avedon. Zuletzt in Deutschland erschienen ist von ihm der Leporello-Band "Porträts". Der blutbeschmierte Klapperschlangen-Häuter Boyd Fortin ist darin ebenso zu sehen wie Roy Lichtenstein. "So manchem Betrachter mögen Avedons Porträts mit dem typischen weißen Hintergrund, ihrer durchdringenden Klarheit und dem erbarmungslosen Licht schwierig oder streng erscheinen", heißt es im Vorwort von Philippe de Montebello, dem Direktor des New Yorker Metropolitan Museum of Art. Aber diese Weigerung zu schmeicheln oder zu beschönigen zeichne Avedon als "rigorosen Naturalisten" aus.

Richard Avedon wurde am 15. Mai 1923 in New York City geboren. Sein Vater war als jüdisch-russischer Einwanderer in die USA gekommen und in einem New Yorker Waisenhaus aufgewachsen. Mit seiner zweiten Frau Evelyn Franklin hat der Fotograf einen Sohn John.

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