Fox wirft Konkurrent MSNBC Landesverrat vor: CNN kann die Gunst der Stunde nicht nutzen

Fox wirft Konkurrent MSNBC Landesverrat vor
CNN kann die Gunst der Stunde nicht nutzen

Der Nachrichtensender kann den Erfolg von 1991 nicht wiederholen. Er hinkt dem patriotischen Sender Fox News hinterher.

tor NEW YORK. Connie Chung ist eines der ersten TV-Opfer des Irak- Kriegs. Das seichte Unterhaltungsmagazin der 56-jährigen Fernsehmoderatorin wurde vom US-Nachrichtensender CNN nach Ausbruch der Kampfhandlungen kurzerhand abgesetzt. Gewogen und für zu leicht befunden, lautete das Urteil des neuen CNN-Chefs Jim Walton. Er ist angetreten, um aus CNN wieder die Nummer Eins auf dem hart umkämpften Markt der US-Nachrichtensender zu machen. Sein Rezept: knallharte News. Der Irak-Krieg kommt da gerade recht.

Die Bilanz der ersten Kriegswoche war jedoch enttäuschend. Die Tochter von AOL Time Warner hinkte mit 3,74 Mill. Zuschauern pro Tag dem Branchenführer Fox News hinterher. Fox gehört zum Medienimperium des Australiers Rupert Murdoch und brachte es auf 4,16 Mill. Zuschauer. "Das ist eine große Überraschung", sagte Erik Sorenson, Chef des drittstärksten Nachrichtenkanals MSNBC. Bei CNN selbst lässt man sich die Enttäuschung nicht anmerken: "Wir konzentrieren uns auf zuverlässige Informationen und nicht auf Quoten", sagt Sprecherin Christa Robinson. Sie weist auf die weltweite Ausstrahlung des Senders hin. Rund 160 Mill. Menschen weltweit schalten regelmäßig den Nachrichtenkanal ein.

Intern dürfte die Stimmung jedoch gedrückt sein. Wollte CNN mit dem Irak-Krieg doch an den Erfolg anknüpfen, der ihn im ersten Golfkrieg 1991 weltberühmt gemacht hatte. Damals berichtete CNN-Reporter Peter Arnett vom Hoteldach in Bagdad über die ersten Bombeneinschläge.

Um diesen Erfolg zu wiederholen, hat sich der Sender mächtig ins Zeug gelegt. Rund 30 Mill. $ hat CNN für die Kriegs-Berichterstattung beiseite gelegt. Mehr als 200 Reporter, Techniker und Produzenten sind in der Krisenregion unterwegs. Seit Ausbruch des Krieges sind die Zuschauerzahlen um mehr als 400 % gestiegen. Aber eben nicht genug um Fox wieder einzuholen, dessen Zusschauerzahlen auch stark gestiegen sind.

Der Murdoch-Kanal hat CNN seit seiner Gründung Mitte der 90er Jahre langsam aber stetig den Rang abgelaufen. Im vergangenen Jahr lag er in der Zuschauergunst bereits vor der Konkurrenz aus Atlanta. Nach Meinung von Analysten ist Fox drauf und dran, CNN auch bei den Werbeeinnahmen zu überholen. Das Erfolgsrezept von Fox-Chef Roger Ailes ist einfach: harte Nachrichten, garniert mit einem kräftigen Schuss konservativer Meinungsmache und unverblümtem Patriotismus. Diese Mischung kommt gerade in Kriegszeiten gut an. Fox betone mehr das Positive und versuche, die Moral und nationale Identität zu heben, sagte Medien-Professor Robert Thomson von der Syracuse University in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP. Dem Konkurrenten MSNBC zum Beispiel wirft Fox Landesverrat vor, weil der damalige MSNBC-Reporter Peter Arnett im iraktischen Fernsehen ein kritisches Interview gegeben hat. CNN dagegen setzt mehr auf eine möglichst objektive Berichterstattung Allerdings sprechen auch CNN-Moderatoren häufig von "wir" und "unseren Truppen".

Für Medienanalyst Harold Vogel geht die Auseinandersetzung zwischen Fox und CNN über den aktuellen Konflikt hinaus. "CNN war jahrelang allein im Ring und muss sich jetzt daran gewöhnen, dass neue Konkurrenten da sind", sagt er.

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