Fracht-Tochter fliegt mit teuren Expressdiensten aus der Krise
Lufthansa Cargo zurück auf Wachstumskurs

Während die Passagierzahlen bei der Deutschen Lufthansa nach wie vor im Minus liegen, zeigt das Frachtgeschäft der Tochter Lufthansa Cargo stabile Aufwärtstendenzen: Die Frachtzahlen liegen bereits den dritten Monat in Folge leicht im Plus. An einen baldigen Konjunkturaufschwung glaubt der Weltmarktführer allerdings nicht.

HB FAIRBANKS. Die Deutsche Lufthansa verspürt im Cargogeschäft leichten Aufwind. Seit gut drei Monaten liegen die wichtigsten Kennzahlen wieder im grünen Bereich. Vor allem die leicht ansteigende Nachfrage nach Luftfracht-Dienstleistungen stimmt die Verantwortlichen verhalten optimistisch. "Der Aufschwung kommt langsam, aber er kommt. Wir werden in 2002 über Vorjahr abschließen und zudem besser als im Plan vorgesehen", sagte Cargo-Vorstandschef Jean-Peter Jansen. Angesichts deutlicher Kapazitätsanpassungen lägen die Auslastung der Flugzeuge sowie die Durchschnittserlöse bereits seit Februar des laufenden Jahres über den entsprechenden Vorjahreswerten. Exakte Zahlen zum ersten Halbjahr gibt die Konzernmutter Deutsche Lufthansa AG morgen in Frankfurt bekannt.

Auch die europäische Konkurrenz des Cargo-Marktführers verzeichnet seit Monaten eine leicht anziehende Nachfrage für Luftfracht: Air France meldete zwischen April und Juni 2002 ein kleines Plus von 1,6 %. Im Juli habe der Anstieg gegenüber dem Vorjahr schon bei 5,7 % gelegen. "Die Luftfracht ist aus dem Ärgsten raus", glaubt denn auch ein Sprecher von Air France Cargo. Die Ereignisse des 11. September spielten im Frachtbereich inzwischen keine Rolle mehr. Entscheidend sei jetzt, wie die Konjunktur in den verschiedenen Regionen anspringe. Lufthansa Cargo sieht vor allem in Asien bereits einen stabilen Aufwärtstrend: "Dort zieht der Markt bereits sehr gut an", sagte Jansen.

Auf die positiven Botschaften reagiert das Unternehmen mit vorsichtigen Kapazitätsausweitungen: Zwei Boeing-Frachter des Typs 747-200 F, die im vergangenen Jahr außer Dienst gestellt und in der Jet-Wüste von Arizona geparkt wurden, sollen bald wieder für Lufthansa Cargo fliegen. Für September ist bereits geplant, eine der beiden Frachtmaschinen einzusetzen. Insgesamt betreibt Lufthansa Cargo eine Frachtflotte von 14 MD-11-Maschinen und acht Boeing-Jumbos.

Ertragssteigerung von Logistik- und Expressdiensten erhofft

Deutliche Ertragssteigerungen erhofft sich die weltgrößte Frachtlinie in Zukunft vor allem von Logistik- und Expressdiensten. Sie machen derzeit 35 % des Cargo-Umsatzes aus. Geht es nach Vorstandschef Jansen, soll der Anteil bis 2006 auf 50 % steigen. Der reine Transport von Flughafen zu Flughafen gilt mit Wachstumsraten um die 2 % nicht als sonderlich attraktiv, zumal auch die Margen bei Preisen von 1,50 Euro pro Kilogramm vergleichsweise dünn sind. Weitaus attraktiver ist es für die Cargo-Carrier, ihre Frachtflüge mit Zusatzdiensten wie Verpackung, Versicherung, Tür-zu-Tür-Service und anderen Extras zu versehen.

Für eine anspruchsvolle Logistikkette mit garantierter Auslieferungszeit verlangt Lufthansa Cargo dann nicht selten 100 Euro pro Kilogramm - Tendenz steigend. Allerdings wird der Wettbewerb auch in diesen Geschäftsfeldern härter. "Bei Expressdienstleistungen verzeichnen wir enorme Zuwächse. Dort spielt die Musik", heißt es etwa bei Air France. Und auch die größte US-Fluggesellschaft American Airlines bietet seit Anfang August einen neuen Expressdienst auf dem deutschen Markt an. Wachstumsraten von 10 % hält Lufthansa-Cargo-Chef Jansen in diesem Bereich dennoch für möglich: "Im Zeitalter wachsender globaler Arbeitsteilung verlangen die Kunden eine immer breitere Palette maßgeschneiderter Transportprodukte."

Das allerdings hat inzwischen auch die Konkurrenz entdeckt. Jansen hat damit leben gelernt: "Wir setzen in der Branche die Industriestandards, und die anderen kopieren sie - wenn sie gut sind."

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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