Frachter liegt immer noch vor australischem Gebiet
Kein Ende um Flüchtlingsdrama in Sicht

Im Streit um die über 400 auf einem Frachter vor der australischen Küste festsitzenden Bootsflüchtlinge zeichnet sich noch immer keine Lösung ab.

dpa SYDNEY/OSLO. Wie australische Medien am Donnerstag berichteten, weigert sich der Kapitän des norwegischen Frachters "Tampa" trotz des Einsatzes australischer Soldaten nach wie vor, sein Schiff aus den Hoheitsgewässern zu steuern. Mit dem Militäreinsatz am Mittwoch wollte die australische Regierung den Frachter zum Verlassen der Gewässer vor der Weihnachtsinsel zwingen.

Am Donnerstag wiederholte die australische Regierung, dass die vorwiegend aus Afghanistan stammenden Flüchtlinge keinesfalls in Australien aufgenommen würden. Der Streit hat zu Spannungen zwischen den Regierungen Australien und Norwegens geführt. Der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg warf seinem australischen Amtskollegen John Howard Verantwortungslosigkeit vor. Er habe eine völlig falsche Antwort auf ein schwerwiegendes humanitäres Problem gegeben. Nach Angaben der Besatzung auf dem norwegischen Frachter sind mehrere Flüchtlinge schwer erkrant.

Auch Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen riefen die australische Regierung auf, dem seit fünf Tagen andauernden Drama vor der Weihnachtsinsel ein Ende zu setzten und die Flüchtlinge aufzunehmen. "Natürlich kann Australien seine gesetzlichen Verpflichtungen noch unbegrenzt abwägen, aber viele dieser Menschen sind krank und Australien hat die Möglichkeit, ihnen jetzt zu helfen", sagte Rachael Reilly von der größten US- Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" am Mittwoch in New York. Es handele sich um eine Frage des Anstands.

Australiens Ministerpräsident Howard und sein Außenminister Alexander Downer bemühen sich derweil, die indonesische Regierung zur Aufnahme der Flüchtlinge zu bewegen. Allerdings wird dies von Jakarta bislang abgelehnt. Howard kündigte an, sich deshalb direkt mit der neuen indonesischen Präsidentin Megawati Sukarnoputri in Verbindung zu setzen. Außerdem würden Downer und der für die Einwanderung zuständige Minister Philip Ruddock nächste Woche zu Verhandlungen nach Indonesien reisen.

Der Kapitän der "Tampa" hatte die 438 Flüchtlinge aus Seenot gerettet und zunächst nach Indonesien zurückbringen wollen. Auf Druck der Flüchtlinge, die in Australien Asyl beantragen wollten, hatte er dann Kurs auf die zu Australien gehörende Weihnachtsinsel genommen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%