Frachtverkehr auf der Schiene soll per Satelliten-Navigation und Mobilfunk gesteuert werden
Die Deutsche Bahn macht ihre Güterwaggons flott

Noch transportiert die Deutsche Bahn ihre Güter mit veralteter Technik. Ein neues Konzept der Technischen Universität Berlin soll dem Frachtverkehr auf der Schiene künftig aber neuen Schwung geben. Im Mittelpunkt stehen ein neues Drehgestell für die Waggons sowie Satelliten-Navigation und Mobilfunk.

MÜNCHEN. Die Deutsche Bahn AG will ihren Frachtverkehr modernisieren. Die Technische Universität (TU) Berlin entwickelt dazu zusammen mit Industriefirmen ein neues Drehgestell für die Waggons. Das vom Forschungsministerium geförderte Projekt namens "Leila" soll bis Jahresende erste Prototypen hervorbringen.

Drehgestelle sind beweglich gelagerte Fahrwerke, deren Stahlkonstruktion Achsen, Räder, Federung und Bremsen trägt. Sie ermöglichen eine variable Zahl von Achsen und Rädern an einem Waggon - und damit auch ein größeres Gesamtgewicht, etwa bei langen Kesselwagen. Die neuen Drehgestelle sollen erheblich leichter und leiser laufen als bisher eingesetzte Modelle.

Ein Ziel der Leila-Arbeitsgruppe ist, das Gewicht je Drehgestell um etwa 20 Prozent auf vier Tonnen zu senken - und so die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen. Gemeinsam mit der TU Berlin arbeiten unter anderem die Josef Meyer Waggon AG aus dem schweizerischen Rheinfelden und die Remscheider SAB Wabco GmbH an Verbesserungen beim Design und der Aufhängung der Achsen. Auch dank geplanter Radscheibenbremsen sollen Güterzüge künftig um 70 Prozent leiser fahren, erläutert TU-Projektleiter Andreas Schirmer.

Auch bei der Wartung will die Deutsche Bahn sparen. Güterwaggons sollen Diagnosesysteme erhalten, die bei Zügen der neuesten ICE-Generation sowie bei Lkw bereits die Regel sind. Sensoren überwachen den Verschleiß, die Temperatur und den Druck in den Radlagern, um überflüssige Reparaturen zu vermeiden. Derzeit werden die Lager der Waggons in gewissen Abständen grundsätzlich gewechselt.

Zusätzlich werden die Waggons mit dem Navigations-System GPS und der Mobilfunktechnik GSM bestückt. So lässt sich bald die exakte Position jedes Waggons im weit verzweigten Schienennetz Europas erfassen. Mit der Kommunikationstechnik sollen die Waggons künftig auch bedarfsabhängig Wartung anfordern können. "Für die Betreiber von Waggons wird Flottenmanagement immer wichtiger, um Schienentransport bei ihren Kunden besser vermarkten zu können", sagt Rainer Miller, Geschäftsführer des Interdisziplinären Forschungsverbundes Bahntechnik (IFV) in Berlin. Der Bedarf nach Transportanbietern steigt: Verkehrprognosen zufolge soll bis zum Jahr 2015 die Frachtleistung um 65 Prozent steigen. Vor allem private Betreiber von Güterwaggons warten laut Miller auf ein besseres Logistikkonzept für die Schiene. Nach Auskunft der Vereinigung der privaten Güterwageninteressenten (VPI) in Hamburg laufen allein bei der DB-Cargo rund 64 000 Waggons, die privaten Unternehmen gehören. Etwa die Hälfte der europaweit 900 000 Güterwaggons ist mit Drehgestellen ausgerüstet.

Ein Dynamo und eine Batterie werden jedes Drehgestell mit Strom versorgen. "Das ist keine kleine Herausforderung", sagt Ulrich Kroß, Entwicklungsleiter an der TU-Berlin. Denn Güterwagen stehen oft wochenlang still - und sind extremer Hitze oder Kälte ausgesetzt. Isolierte Batterien, mit eigener Software-Steuerung sollen auch längere Standzeiten problemlos überbrücken. Die Forscher arbeiten mit dem Unterhachinger Unternehmen iQ Research & Development daran, dass die Batterien ihren Ladestand und Alterungsgrad per Mobilfunk-Signal an eine Servicestation übermitteln.

Quelle: Handelsblatt

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