Frage des Treuhänders ungelöst
Mobilcom-Rettung bleibt Hängepartie

Die Rettung des angeschlagenen Mobilfunkanbieters Mobilcom hat sich am Donnerstag weiter in die Länge gezogen. Mobilcom teilte aber mit, am Donnerstag keine Insolvenz anmelden zu müssen, da die liquiden Mittel noch ausreichten.

Reuters HAMBURG. Nachdem zunächst ein Scheitern der Gespräche zwischen Hauptaktionär Gerhard Schmid und der Bundesregierung nicht ausgeschlossen worden war, hieß es später aus dem Umfeld von Schmid, beide Seiten bemühten sich weiter um einen Kompromiss. Die Bundesregierung wollte sich zunächst nicht zum Verhandlungsstand äußern.

Die Übertragung der Anteile von Schmid auf einen Treuhänder ist ein wichtiger Bestandteil eines weitgehend ausgehandelten Rettungspakets, mit dem Mobilcom vor der drohenden Insolvenz bewahrt werden und zugleich eine Grundlage zur Sanierung geschaffen werden soll. Schmid wies einen Bericht der "Financial Times Deutschland" zurück, wonach er rund ein Drittel seiner Aktien an seine Frau übertragen haben soll, um sich dadurch weitere Einflussmöglichkeiten auf Mobilcom zu sichern.

Schmid bekräftigte, er halte weiter an dem von ihm als Verwalter seiner Anteile vorgeschlagenen früheren Vorstandschef der Telefongesellschaft Debitel , Joachim Dreyer, fest. Zugleich warf er der Bundesregierung vor, sie versuche den Rechtsanwalt Reinhard von Dalwigk als Treuhänder durchzusetzen und damit die Kontrolle über Mobilcom zu erlangen. Bei allen anderen Punkten des Treuhändervertrages sei inzwischen Einigkeit erzielt worden.

Schmid begründete sein Festhalten an Dreyer erneut mit dessen unternehmerischer Erfahrung. Dreyer sei in der Lage die anstehenden Weichenstellungen für das Überleben des Unternehmens zu beurteilen, erklärte Schmid. Jeder solle sich einmal selbst fragen, ob er sein Vermögen einer vom Staat diktierten und ihm völlig unbekannten Persönlichkeit übertragen würde, erklärte er.

Nachdem ein an den Vortagen diskutiertes ein Modell mit zwei gleichberechtigten Treuhändern offenbar nicht weiter verfolgt wird, wurde am Donnerstag nach Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen die Möglichkeit erörtert, dem Treuhänder eine Art "Aufpasser" mit geringeren Befugnissen zur Seite zu stellen.

Die noch mit 28,5 Prozent an Mobilcom beteiligte France Telecom macht eine weitgehend Entschuldung von Mobilcom davon abhängig, dass Schmid keinen Einfluss mehr auf das Büdelsdorfer Unternehmen hat. Ohne die Übertragung der Aktien kann auch das im September vereinbarte Rettungspaket im Milliardenumfang nicht umgesetzt werden.

Mobilcom teilte mit, man sei am Donnerstag noch nicht gezwungen, Insolvenz anzumelden. Die liquiden Mittel reichten vorerst aus, um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten. "Der rote Insolvenzordner bleibt heute noch im Regal stehen", sagte Firmensprecher Matthias Quaritsch. Wie lange diese Mittel ausreichen, wollte Quaritsch allerdings nicht sagen. Er kündigte an, sich am Freitag zum Liquiditätsstand und der sich daraus ergebenden Insolvenzgefahr äußern zu wollen.

Die Mobilcom-Aktie, die in den vergangenen Tagen heftige Kursausschläge verzeichnete hatte, notierte am frühen Abend bei fünf Euro drei Prozent im Minus.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%