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Fragen bis zur Schmerzgrenze

Eine alte Journalisten-Regel besagt: Es gibt keine dummen Fragen. Doch manchmal kann es einem schon peinlich sein, was bei Pressekonferenzen so gefragt wird.

Eine alte Journalisten-Regel besagt: Es gibt keine dummen Fragen. Doch manchmal kann es einem schon peinlich sein, was bei Pressekonferenzen so gefragt wird. Die Schmerzgrenze des Erträglichen wird dann schlimmstenfalls noch zusätzlich durch die Antworten des befragten Managements getestet.

So geschehen bei der Pressekonferenz des französischen Luxus-Giganten LVMH anlässlich der Wiedereröffnung seiner Louis-Vuitton-Boutique auf dem Champs Elysées. Zwei Jahre wurde an dem Bau gebastelt, bis er der verwöhnten Kundschaft mit großem Pomp wieder zugänglich gemacht worden ist.

Sicher: LVMH geht es blendend, man könnte auch sagen, der Laden stinkt vor Geld. Die Kunden reißen dem Konzern die edlen Handtaschen, Koffer, Uhren und das restliche Gedöns förmlich aus den Händen. Das alles kann aber kein Grund sein, das börsennotierte Unternehmen LVMH aus der Realität zu entlassen.

Die weit angereisten Mode- und Life-Style-Kollegen jedoch konnten ihrer Bewunderung für LVMH-Chef Bernard Arnaud auf der Pressekonferenz kaum im Zaume halten. Eine japanische Kollegin fragte voller Demut, ob Monsieur Arnaud denn nicht angesichts des enormen Erfolges von Louis Vuitton in Asien ein Wort an seine asiatische Kundschaft richten wolle. Da musste selbst der sonst prinzipiell eher missmutig dreinblickende reichste Mann Frankreichs kurz grinsen und antwortete: "Wir lieben sie!"

Nächste Frage: "Monsieur Arnaud, was sind eigentlich die Erfolgsfaktoren von Louis Vuitton", fragte eine weitere Journalistin aus dem Modebereich. Wieder eine Steilvorlage für Eigenwerbung, die Arnaud denn auch souverän verwandelte. Man wartete förmlich auf die Frage: "Monsieur Arnaud, warum sehen sie eigentlich so gut aus".

Die kam nicht, dafür wagten sich zum Schluss die erfahrenen Nachrichten-Kollegen der Agenturen Reuters und AFP aus der Deckung. Die waren angesichts der allgemeinen "Ist das alles toll hier" -Stimmung sichtbar eingeschüchtert. Die Reuters-Kollegin, die nach dem Einfluss des neuen Shops für den Umsatz von LVMH fragte, entschuldigte sich gar für ihre "typische Reuters-Frage".

Die AFP-Kollegin erwartete anschließend selbst nicht mehr ernsthaft eine Antwort auf ihre Frage, was denn der zweijährige Umbau mit Stararchitekt etc. gekostet hat. Heiterkeit beim Management, Gekickser bei der Life-Style-Meute.

So eine Frage gehörte nun wirklich nicht hierher. Wirtschaftsjournalisten auch nicht.


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