France Télécom: 100-Tage-Programm für Mobilcom
Mobilcom: Option Exit

Wie France Télécom nach dem erhofften Abgang von Gerhard Schmid und der Machtübernahme in Büdelsdorf bei Mobilcom aufräumen will.
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PARIS. Michel Bons Geduld ist zu Ende. So schnell wie möglich, teilte der France-Télécom-Chef dem Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid mit, müsse er den Chefsessel in Büdelsdorf räumen. Es kann nicht sein, dass Schmid - so ein Bon-Vertrauter - "immer nur Nein, Nein, Nein sagt. Wenn das so weitergeht, ziehen wir unsere letzte Option - den Konkurs."

Der Franzose zündet die nächste Eskalationsstufe in der nun schon seit vier Monaten andauernden Fehde. Am Dienstagabend kündigte France Télécom das im März 2000 abgeschlossene Rahmenabkommen, das die strategische UMTS-Partnerschaft zwischen Mobilcom, Gerhard Schmid und France Télécom besiegelte. Mobilcom ist damit die wichtigste Geschäftsgrundlage entzogen. Ab 17.40 Uhr stürzte die Mobilcom-Aktie innerhalb einer halben Stunde von knapp über zehn Euro auf 7,29 Euro - bis sie um 18.10 Uhr vom Börsenhandel ausgesetzt wurde. Gleichzeitig legte der Kurs von France Télécom um fast zehn Prozent zu.

Schmids letzte Stunde hat geschlagen. Bereits am Freitag will der Aufsichtsrat beraten, wie es mit der Personalie Schmid weitergehen soll. Ein vom Aufsichtsrat neu eingesetzter, paritätisch besetzter Vermittlungsausschuss, so die derzeitige Planung, soll zuvor eine Mehrheitsempfehlung für die Ablösung Schmids an den Aufsichtsrat abgeben. Spätestens dann, so hoffen die Franzosen, muss Schmid zurücktreten oder es wird im zweiten Anlauf die erforderliche Zweidrittelmehrheit zur Abberufung Schmids zu Stande kommen.

Die Franzosen erwarten ein klares Signal von Schmid. Immerhin haben sie als weitere Trumpfkarte in der Hand, dass ein Großteil der laufenden Zahlungen für Mobilcom aus Paris kommt. "Wir haben gestern noch Geld überwiesen," erzählte Anfang der Woche noch France-Télécom-Finanzchef Jean-Louis Vinciguerra, "aber das muss nicht so bleiben." Ohne die Unterstützung der France Télécom würde das Eintreten des Bankrotts noch beschleunigt.

Dennoch: Lieber als der Konkurs wäre den Franzosen allerdings die Übernahme der Gesellschaft zu ihren Bedingungen. "Schmid muss raus und der Aufsichtsrat fest in unserer Hand sein", betont ein France-Télécom-Manager, "sonst können die uns doch immer wieder an der Hase herumführen."

Aktionen wie die Kündigung des Rahmenabkommens oder die Drohung, den Geldhahn zuzudrehen, sollen Schmid in die Knie zwingen. Noch tiefer soll in den kommenden Tagen der Kurs der Mobilcom-Aktie fallen, damit France Télécom mit befreundeten Banken die bis dato so erfolgreiche Telefongesellschaft zum Schnäppchenpreis übernehmen kann. Der unter einem Schuldenberg von 60 Milliarden Euro ächzende Telekom-Gigant Frankreichs will auf keinem Fall auch noch die Mobilcom-Kredite schultern.

Sollte Schmid tatsächlich weichen, existiert bereits ein 100-Tage-Programm, das France Télécoms Mobilfunk-Tochter Orange für den immer noch interessanten deutschen Mobilfunkmarkt erstellt hat. So plant Orange-Chef Jean-Francois Pontal eine schnelle Fusion zwischen Mobilcom und der eigentlichen Deutschland-Tochter der Franzosen, Hutchison Telecom in Münster, sowie die sofortige Verschmelzung der beiden Mobilfunk-Aktivitäten unter der Marke Orange.

Gleichzeitig steht Mobilcom ein drastisches Sparprogramm ins Haus. So geht Orange von einem massiven Abbau von mindestens 2000 Arbeitsplätzen in Deutschland aus. Statt der heute 6100 Mitarbeiter (Mobilcom und Hutchison Telecom) sollen maximal 4000 Beschäftige für Orange in Deutschland arbeiten. Einzelne Standorte sollen ganz geschlossen, andere gar nicht erst eröffnet werden. Vorrangiges Ziel: Das Unternehmen soll so schlank gemacht werden, das es bei den bevorstehenden Fusionen unter den UMTS-Betreibern sinnvoll eingebracht werden kann.

Die Zeit drängt. Schmids erstes Angebot, sein Aktienpaket (39,7 Prozent der Mobilcom-Anteile) und das seiner Frau Sybille Schmid-Sindram (10,2 Prozent) für 22 Euro pro Aktie oder insgesamt 700 Millionen Euro abzugeben, ist längst Makulatur. Noch in der vergangenen Woche, ließen France-Télécom-Insider durchblicken, wäre eine Einigung bei 15 Euro möglich gewesen. Seit Dienstagabend ist fraglich, ob die Mobilcom-Aktie sogar noch bei zehn Euro zu hoch bewertet ist. Jeder Euro weniger bedeutet für France Télécom immerhin eine Ersparnis von 32 Millionen Euro.

Schmid auf der anderen Seite ist auf den Verkauf seines Aktienpakets angewiesen. Erst mit dem erhofften dreistelligen Millionenerlös kann Schmid - wie auf der Hauptversammlung versprochen - das von Gutachtern beanstandete Aktienoptiongeschäft mit der Firma seiner Frau (Millenium GmbH) rückabwickeln und 68 Millionen Euro an Mobilcom zurücküberweisen.

Bis Ende Juli muss auch der UMTS-Bankenkredit in Höhe von 4,7 Milliarden Euro umgeschuldet werden. Kommt es zu keiner Einigung oder Fristverlängerung mit den vier Banken - ABN Amro, Deutsche Bank, Merrill Lynch und Société Générale Investment Banking, dann - erläuterte Mobilcom-Finanzvorstand Thorsten Grenz bereits auf der Hauptversammlung - "greifen die Vorschriften der Insolvenzordnung".

In den kommenden Wochen entscheidet sich auch, ob die fünf Millionen Mobilfunkkunden, der eigentliche Wert von Mobilcom, dem Unternehmen die Treue halten. Handyverträge von über 2,1 Millionen Kunden laufen noch in diesem Jahr aus - die meisten davon nach den Sommerferien. Nach der Schlammschlacht der letzten Wochen liebäugeln viele jetzt schon mit einem Wechsel zur Konkurrenz.

Einer, der die Mobilcom-Zukunft aus eigener Anschauung abschätzen kann, hat sein Aktienpaket rechtzeitig versilbert. Carsten Meyer, Exfinanzvorstand und heute Mitglied des Aufsichtsrats, stieß seine 21000 Mobilcom-Aktien bereits Mitte Mai für rund 16,50 Euro ab.

Ein guter Preis - wie sich jetzt zeigt.

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