France Télécom am Zug
Mobilcom nimmt Sanierung in Angriff

Aufatmen bei Mobilcom: Nach der Unterschrift von Firmengründer Gerhard Schmid unter einen Treuhändervertrag ist der Gang zum Insolvenzrichter vorerst abgewendet, für rund 3 000 Arbeitsplätze gibt es wieder eine Zukunft.

HB/dpa BÜDELSDORF. Die Banken stundeten am Freitag auslaufenden Kredite in Höhe von 4,7 Mrd. Euro. Nun soll mit Hochdruck das Sanierungskonzept umgesetzt werden, das den Abbau von durchgerechnet 1 850 Vollzeitstellen der insgesamt rund 5 000 Arbeitsplätze vorsieht. Das Sanierungspaket solle in den kommenden Tagen verabschiedet werden, teilte die Mobilcom AG (Büdelsdorf) mit.

Mobilcom-Großaktionär France Télécom hatte zugesichert, das Unternehmen von rund 7 Mrd. Euro Schulden zu befreien. Dazu hatte Firmengründer Gerhard Schmid den Weg freigemacht. Nach wochenlangen zermürbenden Verhandlungen mit der Bundesregierung setzte er am Donnerstag seine Unterschrift unter einen Treuhändervertrag und zog sich damit - wie von France Télécom im monatelangen erbitterten Streit gefordert - aus den Mobilcom - Angelegenheiten zurück.

Für Verunsicherung sorgte am Freitag jedoch die zögerliche Haltung von France Télécom. Die Franzosen wollten sich zunächst nicht zu dem Treuhändervertrag äußern. Sowohl Schmid als auch Vermittler Dieter H. Vogel gehen aber davon aus, dass France Télécom zu den Zusagen steht. Schmids Aktienpaket und die Anteile der Firma seiner Frau verwaltet jetzt der ehemalige RTL-Chef Helmut Thoma, der auch im Mobilcom - Aufsichtsrat sitzt. Der Medienmanager will erst zu seiner neuen Aufgabe Stellung nehmen, wenn die Unterschrift von France Télécom vorliegt. Ähnlich hält es die schleswig-holsteinische Landesregierung.

Am Firmensitz im schleswig-holsteinischen Büdelsdorf und in der Gemeinde selbst machte sich Erleichterung breit, weil die fast schon sichere Insolvenz abgewendet wurde. "Wir hoffen, dass der Großteil der Arbeitsplätze bei uns in Büdelsdorf erhalten wird", sagte Bürgermeister Jürgen Hein. Auch in der Belegschaft entspannte sich die zuletzt gegen Schmid aggressiv aufgeheizte Stimmung wieder. Allerdings befürchteten Mitarbeiter schon das baldige Eintreffen von Kündigungsschreiben.

Mit diesem positiven Abschluss der Verhandlungen seien alle Voraussetzungen zur erfolgreichen Sanierung des Unternehmens geschaffen, hieß es auch bei Mobilcom selbst. Noch am Freitag sollten die Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan zum Abschluss kommen.

Die Mobilcom-Aktie, die zum Handelsauftakt am Freitag zunächst rund zehn Prozent zulegte, fiel bis zum Abend wieder unter den Schlusskurs des Vortages auf unter sechs Euro zurück. Verglichen mit dem Stand vor einem Jahr hat die Aktie rund 80 % an Wert verloren.

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