France Telecom dementiert Einigung
Verwirrung um Mobilcom

Im Streit um eine Schuldenübernahme des finanziell angeschlagenen Mobilfunkanbieters Mobilcom durch seinen Großaktionär France Telecom bleiben die Fronten offenbar weiter verhärtet.

Reuters FRANKFURT. Der französische Staatskonzern wies am Freitag Medienberichte über eine Einigung mit der von der Insolvenz bedrohten Büdelsdorfer Firma zurück. "Die Position von France Telecom hat sich nicht geändert", teilten die Franzosen in Paris mit. Der französische Konzern bleibe dabei, 5,8 Milliarden Euro an Mobilcom-Schulden zu übernehmen. Anders lautende Medienberichte seien falsch.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte zuvor aus Unternehmenskreisen erfahren, die beiden Gesellschaften hätten ihren seit Monaten schwelenden Streit beigelegt. Die im Nemax-50 notierte Mobilcom-Aktie legte zu Handelsbeginn um fast 100 Prozent auf 5,79 Euro zu. Im Tagesverlauf gab die Aktie jedoch wieder merklich auf 3,76 Euro nach.

Den Kreisen zufolge soll France Telecom knapp 5,9 Milliarden Euro Bank - und Lieferantenverbindlichkeiten von Mobilcom übernehmen sowie auf die Rückzahlung eines Gesellschafterdarlehens von einer Milliarde Euro verzichten. Darüber hinaus zahle der französische Konzern eine halbe Milliarde Euro für Kosten, die Mobilcom für einen Ausstieg aus dem UMTS-Geschäft entstünden. "Der Deal ist vereinbart, aber noch nicht unterschrieben", hieß es in den Kreisen.

Mobilcom und der französische Staatskonzern streiten seit Monaten über vertraglich vereinbarte Zahlungen zum Aufbau des UMTS-Geschäfts sowie über die Übernahme der Milliarden-Schulden durch den Erwerb der UMTS-Lizenz. France Telecom ist mit 28,5 Prozent an Mobilcom beteiligt.

France Telecom will keinen neuen Vorschlag unterbreitet haben

"Wir halten weiter an unserem Vorschlag fest, Banken- und Zulieferverbindlichkeiten von 4,7 Milliarden Euro beziehungsweise 1,1 Milliarden Euro im Austausch für eine Wandelanleihe in France Telecom-Aktien, die nicht als Schulden anzusehen sind, zu übernehmen", teilte France Telecom mit. Ein anderer Vorschlag sei nicht unterbreitet worden. Ende Juli hatte sich France Telecom mit dem Bankenkonsortium von Mobilcom darauf verständigt, fällige Verbindlichkeiten von 4,7 Milliarden Euro aus dem Kauf der UMTS-Lizenz durch eine Wandelanleihe zu refinanzieren. Für eine endgültige Einigung müssten jedoch eine Reihe von Bedingungen erfüllt sein, hatte es damals geheißen.

Erst zu Wochenbeginn hatte ein aus 17 Banken bestehendes Konsortium Mobilcom zum dritten Mal den UMTS-Kredit gestundet und eine Fristverlängerung bis zum 31. Oktober gewährt. Unterdessen hieß es in verhandlungsnahen Kreisen am Freitag weiter, France Telecom könne im Rahmen eines Vergleichs Mobilcom möglicherweise doch einen weitergehenden Barbetrag zahlen. In den Kreisen wurde damit auf Rückstellungen verwiesen, die France Telecom zuletzt in Höhe von 7,3 Milliarden Euro zur Beilegung des Streits mit Mobilcom gebildet hatte. Neben der Zahlung der Banken- und Zulieferverbindlichkeiten sei rund eine Milliarde Euro für eventuelle Rechtstreitigkeiten im Falle einer Insolvenz von Mobilcom vorgesehen. Übrig blieben demnach rund 500 Millionen Euro.

Analysten warnen vor überzogener Euphorie

Eine Sprecherin von Mobilcom-Gründer und Großaktionär Gerhard Schmid kündigte an, dass Schmid bei einem Rückzug von Großaktionär France Telecom möglicherweise seine Anteile an der Gesellschaft behalten wolle. Analysten warnten indes vor überzogener Euphorie. "Sicher ist hier noch gar nichts. Ich glaube, es ist immer noch sehr unwahrscheinlich, dass France Telecom quasi rund sieben Milliarden Euro verschenkt", sagte Klaus Baumann, Analyst bei SES Research.

France Telecom ist mit rund 70 Milliarden Euro verschuldet und hatte Mitte September seine Zahlungen an Mobilcom eingestellt. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hatte daraufhin mit einer Soforthilfe die Zahlungsunfähigkeit von Mobilcom vorübergehend abgewendet. Unternehmenskreisen zufolge würde sich der Finanzbedarf bei einer endgültigen Einigung mit France Telecom und den Banken bis Ende 2003 aber nur noch auf 162 Millionen Euro belaufen.

Mobilcom-Vorstandschef Thorsten Grenz hat im Zusammenhang mit der Sanierung bereits den Abbau von knapp 2000 der gut 5000 Stellen angekündigt. Am Freitag teilte das Unternehmen mit, bis Ende Oktober sei der Abschluss von Verhandlungen zu erwarten, bei denen es um die Fortführung des Servive-Provider- sowie Festnetzgeschäfts gehe.

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