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France-Télécom: "Lösung für Mobilcom in Sicht"

Für den Mobilfunkanbieter Mobilcom AG ist offenbar doch Land in Sicht. Der Finanzvorstand von Großaktionär France Télécom, Jean-Louis Vinciguerra, sieht eine Lösung, die es dem insolvenzbedrohten Büdelsdorfer Unternehmen erlaubt, schuldenfrei in einer rationalisierten Form weiterzuarbeiten, wie er am Dienstag in Paris sagte. Kurz vor Ablauf der Frist zur Begleichung von 4,7 Milliarden Euro Mobilcom-Schulden am Donnerstag betonte Vinciguerra bei einer Telefonkonferenz zugleich, sein Unternehmen, das 28,5 Prozent Mobilcom-Anteile hält, sei nicht an den Rettungsbemühungen beteiligt. Mobilcom führe die Gespräche mit den Gläubigerbanken allein, sagte er. Damit hänge "alles von der deutschen Seite ab".

ddp.vwd PARIS/KIEL. Es müsse zunächst eine "deutsche Lösung" geben, um die drohende Insolvenz von Mobilcom abzuwenden, betonte der Manager. Er deutete an, dass France Télécom erst dann bereit sei, den Verpflichtungen gegenüber MobilCom nachzukommen. Am Donnerstag ist für das Büdelsdorfer Unternehmen ein Betrag von 4,7 Milliarden Euro fällig. Nach Medienberichten gilt es als wahrscheinlich, dass die Banken ihm erneut einen Zahlungaufschub einräumen. Für Mittwoch ist bisherigen Berichten zufolge eine Sitzung des Mobilcom-Aufsichtsrates geplant.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Rohwer (SPD) sieht die Verhandlungen zur Schuldenentlastung des Telekommunikationsanbieters "auf einem guten Weg". Sein Land werde im Rahmen der vereinbarten Kontingente an einer weiteren Liquiditätshilfe mitwirken, "die auf der Grundlage eines tragfähigen Konzeptes eine Brücke für Mobilcom hin zu einem zukunftsfähigen Unternehmen baut", sagte Rohwer in Kiel. Der Minister sieht die Öffentliche Hand in der Pflicht, Mobilcom bei einem Ausweg aus den UMTS-Schulden zur Seite zu stehen. Mit Blick auf die UMTS-Lizenzeinnahmen von über 8,4 Milliarden Euro sei der Bund zu Recht in die Verantwortung gegangen, sagte er.

Nach Informationen aus Mobilcom-Kreisen soll France Télécom bereit sein, Verbindlichkeiten des norddeutschen Mobilfunkanbieters von 7,5 Milliarden Euro zu übernehmen und damit den Weg für einen Neuanfang frei zu machen. Der Pariser Konzern will laut "Handelsblatt" (Dienstagausgabe) aber nur Bankschulden von 4,7 Milliarden Euro sowie Lieferantenkredite von mehr als einer Milliarde Euro übernehmen und in Wandelanleihen umwandeln. Die Bundesregierung hatte Mitte September unter bestimmten Voraussetzungen Kredite von 400 Millionen Euro zur Rettung von Mobilcom in Aussicht gestellt. Dazu gehört ein Beitrag Schleswig-Holsteins von 80 Millionen Euro, der von der Landesbank Kiel und einem von ihr geführten Konsortium aufgebracht werden soll. Die Regierung in Kiel erklärte sich bereit, diese Summe bis zu einem Viertel zu verbürgen.

Mobilcom war in akute Finanznot geraten, nachdem sich France Télécom im September aus der Kooperation zum Aufbau eines UMTS-Netzes in Deutschland zurückgezogen und die Zahlungen an MobilCom eingestellt hatte. Nur durch eine Soforthilfe der Kreditanstalt für Wiederaufbau über 50 Millionen Euro konnte Mobilcom bislang die Insolvenz abwenden. Weitere Hilfen sollen erst nach einer endgültigen Einigung mit France Télécom über die Refinanzierung eines Milliardenkredites fließen.

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