France Télécom meldet Umsatzwachstum
Mobilcom verzeichnet Ergebniseinbruch und will bis zum UMTS-Lizenzerhalt bieten

Beim Telekommunikationsanbieter Mobilcom klafft im ersten Halbjahr die Entwicklung von Gewinn und Umsatz deutlich auseinander. Partner France Télécom verdankt sein Wachstum der Mobilfunksparte.

adx/rtr/vwd BÜDELSDORF/PARIS. Die Mobilcom AG, Büdelsdorf, hat im ersten Halbjahr wegen hoher Aufwendungen für Marketing und Vertrieb einen Ergebniseinbruch erlitten. Der Gewinn vor Steuern sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 63 % auf 29,4 Mill. DM. Nach Unternehmensangaben hat das Unternehmen im 1. Halbjahr insgesamt 1,47 Millionen neuer Kunden gewonnen. Für die Gewinnung eines Neukunden seien im Schnitt 212 DM aufgewendet worden, teilte Mobilcom mit.

Mobilcom-Chef Gerhard Schmid will bei der Versteigerung der begehrten UMTS-Lizenzen so lange bieten, bis sein Unternehmen den Zuschlag erhält. "Die Finanzkraft dafür haben wir", sagte Schmid am Donnerstag in einer Telefonkonferenz. Weil ein großer Kundenstamm für den Gewinn bringenden Betrieb eines UMTS-Netzes unerlässlich sei, werde Mobilcom auch weiterhin massiv in die Neukunden-Werbung investieren - auch zu Lasten des Gewinns. "Die großen Gewinnexplosionen bleiben in diesem und im nächsten Jahr also aus."

"Weil wir viele Kunden haben, können wir auch hoch bieten", sagte Schmid. Mobilcom habe derzeit 4,8 Millionen Kunden, von denen 1,47 Millionen allein im ersten Halbjahr 2000 neu gewonnen worden seien. Zur Höhe der Gebote sagte Schmid: "Da sind keine unvernünftigen Zocker am Werk, sondern coole Rechner." Nach seiner Einschätzung könnte die UMTS-Auktion Mitte der Woche zu Ende gehen. Alles deute auf fünf Netzbetreiber hin, und Mobilcom könne sich auch mit zwei Frequenzblöcken ein wettbewerbsfähiges UMTS Angebot vorstellen, sagte Schmid.



UMTS-Netz soll 2002 starten

Der Start eines UMTS-Netzes werde für das erste Halbjahr 2002, die Gewinnschwelle für 2005 angepeilt, bekräftigte Schmid. Für den Aufbau der UMTS-Infrastruktur habe Mobilcom mit Anlauf-Investitionen von zehn bis zwölf Milliarden Mark in zehn Jahren kalkuliert. Kandidaten für die Lieferung des Systems seien weiterhin Nokia, Nortel und Ericsson. Über eine Auswahl müsse in den nächsten vier bis fünf Wochen entschieden werden, sagte Schmid am Donnerstag.

Auch im weiteren Jahresverlauf und im Jahr 2001 will Mobilcom Schmid zufolge in den Ausbau des Kundenstamms investieren und dabei auf Gewinn verzichten. Die Akquisition von Neukunden hatte bereits das Halbjahresergebnis 2000 belastet, das Mobilcom am Donnerstag vorlegte.

Ohne die Investitionen zur Erweiterung des Marktanteils - für Werbung und Händlerprovisionen gab Mobilcom 339 Mill. DM aus - wäre das Ergebnis um 82 Mill. DM höher ausgefallen, hieß es.
Der Konzernüberschuss erreichte 29,6 Mill. DM. Der Umsatz verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf rund 2,06 Mrd. DM.

Die Zahl der Mobilfunkkunden erhöhte sich seit Jahresbeginn um 46 % auf 2,72 Millionen. Bezogen auf die Neukunden habe Mobilcom seinen Marktanteil 6,6 % zu Jahresbeginn auf 9,7 % gesteigert und wachse damit deutlich stärker als der Gesamtmarkt, teilte das Unternehmen mit. Die Zahl der Vertragskunden im Festnetz habe sich gegenüber dem ersten Quartal um 72 000 auf 760 000 erhöht.

Im Internet konnte die Zahl der aktiven Nutzer im Vergleich zum Vorquartal von 1,035 auf 1,275 Millionen gesteigert werden. Die Zahl der Verbindungs- beziehungsweise Online-Minuten erreichte 6,49 Milliarden. Der Tagesschnitt habe bei jeweils über 15 Millionen Minuten gelegen.

France Télécom wächst dank der Mobilfunksparte

Das französische Telekommunikationsunternehmen France Télécom, das an Mobilcom beteiligt ist, meldete unterdesssen bessere Zahlen, als von Analysten erwartet. Wie der Telekommunikationskonzern am Donnerstag in Paris mitteilte, legte der Konzernumsatz um 18 Prozent auf 15,324 (Vorjahr 12,980) Mrd. Euro zu. Analysten hatten 15,20 Mrd. Euro erwartet.

Den größten Anteil am Umsatzanstieg hatte der Mobilfunkbereich mit plus 40 Prozent auf 2,51 (1,79) Mrd. Euro. Der Umsatz aus internationalen Aktivitäten stieg auf 3,11 (1,36) Mrd Euro. Dagegen verringerte sich der Umsatz aus dem Festnetzgeschäft im Berichtszeitraum um 3,8 Prozent auf 6,68 (6,95) Mrd. Euro, was einem Anteil am Gesamtumsatz von 43,6 (53,5) Prozent entsprach. Analysten waren hier im Mittel von einem Rückgang um 5,0 Prozent ausgegangen.

Ferner teilte France Telecom mit, dass sich die Zahl der Kunden der Internetttochter Wanadoo zum 30. Juni 2000 mit 1,385 (0,7) Millionen praktisch verdoppelt hat.

Nach der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen senkte die WestLB Panmure ihre Mobilcom-Gewinnschätzung für das Gesamtjahr um 15 Prozent. Sein Institut gehe für 2000 jetzt von einem Gewinn von 0,74 Euro je Aktie aus, sagte Telekom-Analyst Holger Grawe. Insgesamt halte er aber wegen der Aussichten auf ein UMTS-Netz an der Empfehlung "Kaufen" fest. Die Mobilcom-Aktie verzeichnete kurz nach Handelsbeginn am Frankfurter Neuen Markt einen Kursabschlag von knapp fünf Prozent. Am Nachmittag notierten die Papiere aber nur noch um 0,16 Prozent leichter bei 125,50 Euro.

Wie die Börsen auf die Zahlen reagieren:

Mobilcom - Intraday-Chart

France Télécom - Intraday-Chart

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