France Télécom musste Preisspanne für Mobilfunk-Tochter senken
Verspätet und verbilligt geht Orange an die Börse

Mit einem deutlich verringerten Einführungspreis bringt France Télécom am Dienstag die Aktie ihrer Mobilfunktochter Orange an die Börse.

afp PARIS. Unter dem Druck der Großinvestoren war der französische Mutterkonzern gezwungen, die Spanne für den Einführungspreis um gut 17 Prozent auf 9,50 bis elf Euro (18,58 bis 21,51 Mark) zu senken. Der endgültige Preis sollte am Dienstagmorgen bekannt gegeben werden; auf dem Graumarkt wurde die Orange-Aktie im Vorfeld mit bis zu 10,37 Euro (20,28 Mark) bewertet. Der Börsengang des zweitgrößten europäischen Mobilfunkanbieters gilt als Test für die Aufnahmefähigkeit der Aktienmärkte und weitere Mobilfunk-Emissionen in diesem Jahr.

Durch die Senkung des Einführungspreises sei der Appetit der Investoren spürbar angeregt worden, berichtete die Wirtschaftszeitung "Les Echos" am Montag unter Berufung auf Konzernmitarbeiter. Deutlich mehr als eine Million Privatanleger hätten Aktien geordert. Damit dürfte das von France-Télécom-Chef Michel Bon gesetzte Ziel erreicht werden. Bei den institutionellen Anlegern wurde die Aktie laut "Les Echos" zweieinhalbfach überzeichnet. Nun seien auch die Investoren in den USA aufgewacht, und es werde insgesamt mit einer drei- bis fünffachen Überzeichnung gerechnet. Mit der neuen Preisspanne setzte France Télécom den Unternehmenswert von Orange erneut um zehn bis zwölf Milliarden Euro niedriger an und muss sich nun womöglich mit einem Gesamtwert von weniger als 50 Milliarden Euro (97,8 Milliarden Mark) begnügen. Vor einem Jahr war Orange noch drei Mal so hoch bewertet worden.

Insgesamt werden 633 Millionen Orange-Aktien ausgegeben, was 13 Prozent des Kapitals der Mobilfunktochter entspricht; es besteht die Option, bis zu 15 Prozent in den Handel zu bringen. Bei einem Mittelwert von 10,25 Euro (20,05 Mark) würde der Börsengang 6,5 Milliarden Euro in die Kassen von France Télécom spülen. Der französische Konzern stand bei der Wahl des Termins für den Börsengang unter Zugzwang. Er muss seine Schulden beim britischen Mobilfunkkonzern Vodafone begleichen und bis zum 31. März eigene Aktien im Wert von sieben Milliarden Euro (13,7 Milliarden Mark) von Vodafone zurückzukaufen. Zudem muss France Télécom die Verschuldung drücken, die Ende 2000 ein Rekordniveau von 60 Milliarden Euro erreicht hatte.

Die Franzosen hatten Orange im Mai 2000 von Vodafone für 33,15 Milliarden Euro (knapp 65 Milliarden Mark) gekauft und sich davon den Durchbruch auf dem europäischen Mobilfunkmarkt versprochen. Orange ist mit Großbritannien, Frankreich, Deutschland (MobilCom) und Italien (Wind) auf allen großen Märkten vertreten. Die Schwierigkeiten beim Börsengang sind auch ein Gradmesser für die übrigen Mobilfunkbetreiber. Nächster Kandidat für einen Börsengang ist voraussichtlich die Tochterfirma von British Telecom, BT Wireless. Auch die niederländische KPN und die Deutsche Telekom wollen ihre Mobilfunktöchter an die Börse bringen, haben dafür jedoch noch keine Termine angedeutet.

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