France Télécom
Orange droht zu verblassen

France Télécom ist tief gesunken. Wie tief, lässt sich an den sehr ungewöhnlichen Schritten ablesen, die der französische Konzern für seine Sanierung erwägt. Opfer wird wohl die Mobilfunktochter Orange - einst als der verrückteste Mobilfunker Englands gefeiert.

HB DÜSSELDORF. Die Mutter überlegt offenbar, ihre Tochter von der Börse zu nehmen, also den Streubesitz aufzukaufen und das Unternehmen wieder stärker in den Konzern einzubinden - in der Hoffnung, damit den eigenen Börsenwert aufzupolieren. Denn die Tochter ist an der Börse mit mehr als 30 Mrd. Euro wesentlich mehr wert als France Télécom mit einer Börsenkapitalisierung von 20 Mrd. Euro. Da liegt es natürlich gar nicht so fern, sich die Tochter ganz einzuverleiben.

Damit droht die ohnehin schon komplizierte Beziehung zwischen dem ursprünglich britischen Mobilfunker und den Franzosen schwieriger zu werden. Noch 2001, vor dem Orange-Börsengang, sagte der damalige France-Télécom-Chef Michel Bon mit hehren Worten: "Wir wollen Orange nicht verändern, sondern unterstützen und aufbauen." Schon damals glaubte man ihm nicht. Und was sein Nachfolger Thierry Breton jetzt erwägt, führt Bons alte Aussage völlig ins Absurde. Denn von Unterstützung und Aufbau der Tochter kann da keine Rede mehr sein, umgekehrt wird ein Schuh draus: Die Tochter soll dem maroden Mutterkonzern auf die Beine helfen. Wie genau das aussehen soll, wird Breton heute erklären. Aber so viel steht fest: Orange wird bei der anstehenden Sanierung eine wichtige Rolle spielen. Schließlich ist es einer der größten künftigen Wachstumsbringer des halbstaatlichen Telekomkonzerns.

Der kämpft zurzeit mit einem Schuldenberg von 70 Mrd. Euro - eine Erblast des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Bon. Er hatte eine Wachstumsstrategie auf Biegen und Brechen betrieben und war damit gescheitert. Er wollte sein Unternehmen zu einem der großen Spieler der Branche machen und hat dabei die Verbindlichkeiten vervierfacht.

Um die akuten Schwierigkeiten aus der Welt zu schaffen, braucht France Télécom dringend Geld: Eine Kapitalerhöhung muss her. Doch da diese erst im nächsten Jahr verwirklicht werden kann, bekommt der Konzern zunächst einen Vorschuss - eine Finanzspritze vom Staat in Höhe von 9 Mrd. Euro.

Eine Kapitalerhöhung ist für die Anteilseigner von France Télécom bereits ein schmerzlicher Schritt. Daher ist es äußerst fraglich, ob diese noch einen Rückkauf der Orange-Anteile mitmachen würden. Denn die Vorteile des Deals sind eher zweifelhaft, schließlich konsolidiert die Mutter Orange bereits zu 100 Prozent. Zudem würde der Kauf der Anteile, die jetzt noch im Streubesitz sind, wohl 5 Mrd. Euro kosten. Da läge es doch viel näher, weitere Orange-Anteile zu verkaufen und mit dem Geld Schulden abzubauen.

Ohnehin muss es France Télécom doch eher darum gehen, den Wert der Mobilfunktochter zu steigern und einen hohen freien Cash-Flow zu erwirtschaften - über Personalabbau und Investitionskürzungen. Angesichts der Verzögerungen bei der neuen Mobilfunktechnik UMTS lassen sich die Investitionen durchaus strecken. Personalabbau könnte Orange wohl auch verkraften. Viel weiter kann die Mutter aber nicht gehen und ihre Tochter nicht unendlich melken, um nicht die Zukunft von Orange zu gefährden. Das einst so kreative Unternehmen hat, seitdem es den Franzosen gehört, ohnehin schon genug an Glanz verloren.

Quelle: Handelsblatt

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