Franchising soll Weg zu einer europäischen Marke ebnen
Holly's Waschtheke: Mehr als ein Waschsalon

Waschen, rocken, trocknen und gleichzeitig einen Burger essen - dafür stehen die Berliner Waschsalons "Holly?s Waschtheke". Jetzt soll das "Waschen ohne Langeweile" mit Franchise-Filialen deutsche Städte erobern.

Was treibt Menschen in Waschsalons, obwohl sie seit Jahren eine eigene Maschine haben? "Waschen wird hier zur Nebensache. Die Atmosphäre ist gut, man trifft sich, trinkt was und hat Spaß. Ist am Ende auch noch die Wäsche sauber, umso besser", sagt Dieter Damasch. Der 49-Jährige ist Stammkunde in Holly?s Washhouse. Seit zwei Jahren schon. Seither hat seine Privileg-Waschmaschine nicht viel zu tun.

Die Kundschaft mag das: Muffins, Kaffee, Bagels, Hamburger, Hot Dogs, Cocktails, kurz, eine komplette Diner-Karte zu Schleuderpreisen. Dazu rumpelt Buddy Holly aus der Original Wurlitzer Jukebox, Billardkugeln klacken und ein Flipperautomat zuckt.

Als Grundrauschen schleudern "Liz", "Judy", "Jacky" - die Waschmaschinen. Dazu brummt der Trockner "Elvis" - keine Frage, womit "Love me tender"-Fans trocknen. Von so viel Flair und Service (Hol- und Bringdienst, Öffnungszeiten von 7 bis 23 Uhr an 365 Tagen) konnte Holger Buchholz in seiner waschmaschinenlosen Zeit nur träumen.

Wäsche waschen war dem 33-Jährigen ein Graus: "Zwei Stunden in trister, schmuddeliger, servicefeindlicher Umgebung." Da kam ihm die Idee des anderen Waschsalons. Ein paar Nächte später stand das Konzept. Der Banker war zunächst etwas irritiert - der gelernte Kunstschlosser und Hochbautechniker Buchholz hatte bereits eine Firma und wollte die Kette nebenbei aufziehen. Sein Fehler: Er beantragte aus Unwissenheit keine Fördermittel; die Hausbank verzichtete vollends auf Beratung. Schließlich gab es an Buchholz Bonität nichts auszusetzen.

Mit Salon Nr. 5 fing alles an

Der erste Salon eröffnet im September 1997 in der Kollwitzstraße 93, Prenzlauer Berg. Er trägt den Namen: "Holly?s Wasch-Theke Nr. 5". Komisch, aber logisch: "Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, innerhalb von fünf Jahren fünf Filialen aufzumachen. Rückwärtszählen hat mich dieses Ziel nicht aus den Augen verlieren lassen." Es hat geklappt. Nr. 1 hat kürzlich eröffnet.

Ende 1999 steigt der Rechtsanwalt Erik von Falkenhayn (37) ein: aus dem Einmann-Unternehmen wird eine GbR. Falkenhayn, mittlerweile mit eigener Kanzlei, wollte nach Jahren des Beratens selbst unternehmerisch tätig sein. Nun sind sie beide Geschäftsführer und sagen unisono: "Wir betreiben unser Hauptgeschäft zu 100 Prozent und kümmern uns um die Salons nach Feierabend und am Wochenende." Buchholz Hauptbeschäftigung ist eine Firma für Spezial-Baugerüste: 18 Mitarbeiter, 2,5 Millionen Mark Umsatz. Er sagt: "Wenn sich zwei Männer Mitte 30 nur mit fünf Waschtheken abgeben würden, wäre das ein bisschen dürftig."

Dabei wird aus den Diner-Waschsalons gerade ein Franchise-Unternehmen. In fünf Jahren sollen deutschlandweit mindestens 35 Filialen aufgemacht haben und das Gesamtgeschäft in gut drei Jahren den Break-Even erreichen. Später einmal soll "Holly?s. The original Washhouse" zu einer europaweiten Marke werden.

Wenn der Waschgang zum Erlebnis wird

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn das Duo liegt im Trend, Handel, Dienstleistungen und Unterhaltung zu kombinieren: "Der Einkauf wird mehr und mehr zum Erlebniseinkauf. Die Waren sind austauschbar, also muss das Verkaufskonzept originell sein", hat Jochen Brückmann von der Industrie- und Handelskammer Berlin beobachtet. Nützliches und Angenehmes müssen sich verbinden.

Der Umsatz der Holly-Salons liegt zwischen 250 000 und 450 000 Mark, wobei die Einnahmen zur Hälfte aus der Gastronomie stammen. Aber auch die Auslastung der Maschinen liegt mit 40 bis 50 Prozent deutlich über dem Durchschnitt (20 bis 25%). Dank Spielecke zählen zu den Kunden auch Kinder, dank Theke auch Rentner. Der Holly-Normalkunde ist Student, Single, zwischen 20 und 40 Jahre alt.

"Der Service ist erstklassig. Der Barmann hilft mir auch mal beim Wäschetragen, wenn ich mit vollem Korb komme", lobt Studentin Barbara Hinz. Der "Barmann" hat in der Tat viel zu tun, denn er schmeißt allein den ganzen Laden - das spart Personalkosten. Die fünf Berliner Salons werden von 35 Mitarbeitern betrieben, wovon es neben einer Betriebsleiterin noch fünf Filialleiter gibt, die fest angestellt sind. Der Rest läuft auf 630 Mark-Basis.

Starke Partner erleichtern das Geschäft

Kosten spart auch die Partnerschaft mit Miele und Coca Cola. Das Konzept der Erlebnisgastronomie liegt voll auf der Linie des Limonadenherstellers. Die Einkaufsrabatte werden an die Franchisenehmer direkt weitergegeben. Die müssen keine spezielle Berufsausbildung haben, dafür aber 200 000 Euro aufbringen. Darin enthalten sind bereits die einmalige Einstiegsgebühr von 10 000 Euro und 30 000 Euro Anlaufkosten.

Die direkten Franchisegebühren liegen bei 2,5 bis 4 Prozent des Nettoumsatzes. "Wir stellen dafür den schlüsselfertigen Salon zur Verfügung und unterstützen bei der Investitionsplanung. Dazu gehört auch eine Standortanalyse sowie Werbematerial", sagt Buchholz. Dafür hat er einen festen Franchise-Manager angestellt. Der erste Vertrag wird wohl noch in diesem Jahr unterzeichnet. Nur drei weitere sollen laut Businessplan 2002 folgen. Von Falkenhayn: "Wir rechnen lieber konservativ." Und das, obwohl sie von der Resonanz auf der Frankfurter Franchise-Messe überrollt worden sind.

Das verleitet auch Ulrich Opherk, Geschäftsführer des Deutschen Franchiseverbandes, an die wunderbare Welt von Holly?s Waschsalons zu glauben: "Das Konzept war der Hit auf der Messe. Es ist mutig und zeigt, dass es Gründern meist nicht an Geld mangelt, sondern an guten Ideen. Holly hat dafür ein Signal gesetzt."

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