Frangi erwartet Anstoß zu neuen Friedensverhandlungen
Palästinenser setzen große Hoffnung auf Fischer

Die israelische Armee hat am Mittwoch in den frühen Morgenstunden einen Einmarsch in die autonome palästinensische Stadt Bet Dschalla gestoppt. Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser bestritt jedoch, dass dies auf Druck der USA geschehen sei.

HB JERUSALEM/HEBRON. Er habe die Operation zunächst aufgeschoben, weil sich Palästinenserpräsident Jassir Arafat Geheimdienstinformationen zufolge um ein Ende des palästinensischen Beschusses von Gilo am Standrand Jerusalems von Bet Dschalla aus bemühe, sagte Ben-Elieser.

Medienberichten zufolge war es der israelische Außenminister Schimon Peres, der den nächtlichen Angriff auf militante Palästinenser in Bet Dschalla gestoppt hatte, um Bemühungen um einen neuen Dialog mit der Autonomiebehörde nicht zu stören. Dies wurde jedoch von Verteidigungsminister Ben-Elieser dementiert. "Niemand hat mich unter Druck gesetzt, nicht die Amerikaner und nicht der Außenminister." Zahlreiche Einheiten blieben im Verlauf des Tages am Rande der israelisch kontrollierten Gebiete in der Nähe von Bethlehem. Der Rundfunk zitierte israelisches Militär mit der Information, die Aktion sei nur um 24 Stunden verschoben worden, die Truppen seien weiterhin in höchster Alarmbereitschaft.

In Hebron "liquidierten" Soldaten einer verdeckten Einheit am Mittwoch erneut ein ranghohes Mitglied der Fatah-Bewegung Jassir Arafats. Sie töteten den 25-jährigen Imad Abu Sneineh nach Augenzeugenberichten vor seinem Haus mit zahlreichen Schüssen in Kopf und Bauch. Nach israelischen Angaben soll Abu Sneineh an einer Reihe bewaffneter Angriffe im Bereich Hebron beteiligt gewesen sein.

"Liquidierung" eines Fatah-Aktivisten

Die "Liquidierung" des Fatah-Aktivisten ist Teil einer israelischen Kampagne gegen militante Palästinenser, die nach israelischen Informationen an Anschlägen auf Israelis beteiligt waren. Nach palästinensischen Angaben hat die Armee seit Beginn der gewaltsamen Auseinandersetzungen beider Seiten vor knapp elf Monaten mehr als 50 mutmaßliche Aktivisten getötet. International ist diese Politik, die Israel als "Selbstverteidigung" rechtfertigt, scharf kritisiert worden.

Unterdessen äußerte der Vertreter der Palästinenser in Deutschland, Abdallah Frangi, die Hoffnung, dass Außenminister Joschka Fischer Israel bei seiner Nahostreise zum Ende seiner Militäraktionen und zu neuen Verhandlungen bewegen kann. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters sagte Frangi am Mittwoch: "Wir hoffen, dass er in der Lage ist, Scharon zu überzeugen, dass die Politik der Stärke und die Militärangriffe zu nichts führen, sondern Israel im Gegenteil isolieren." Weiter sagte Frangi, der als Vertrauter von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat gilt, er hoffe, "dass Fischer die Kraft hat, Scharon zu überzeugen, zu Verhandlungen mit Arafat zurückzukehren".

Einwöchige Reise

Fischer will am Montag zu einer einwöchigen Reise in den Nahen Osten aufbrechen, die ihn nach bisheriger Planung nach Syrien, Libanon, Israel, in die Palästinenser-Gebiete, nach Jordanien, Ägypten und Saudi-Arabien führen soll. Bei einer früheren Reise hatte Fischer nach einem palästinensischen Anschlag Anfang Juni vermittelnd zwischen Palästinensern und Israelis gewirkt. Er hatte sich dabei nach eigenen Angaben mit den zuständigen Politikern der Europäischen Union (EU) und der USA abgestimmt und betont, Deutschland habe keine eigenständige Vermittlerrolle in der Region.

Frangi sagte, Fischer könne auch bei seiner Reise ähnlich erfolgreich vermitteln wie zuletzt. Auf die Frage, ob die Konfliktparteien während Fischers Besuch eine informelle Waffenruhe einhalten würden, sagte er: "Von palästinensischer Seite werden wir alles dafür tun, dass die Reise ein Erfolg wird." Er gehe davon aus, dass auch Scharon "wahrscheinlich auch ein bisschen Rücksicht auf Fischer nehmen wird".

Den USA warf Frangi vor, ihre Rolle im Nahen Osten zu vernachlässigen und damit auch ihre Stellung zu gefährden: Die Menschen "haben nicht mehr so viel Vertrauen in die Administration des neuen Präsidenten George W. Bush", sagte er. Auch die fortgesetzte "Bombardierung des Irak führt mit Sicherheit zu Missstimmung in der arabischen Welt gegenüber den USA".

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