Frank Esser ist CEO von Cegetel
Mit Haut und Haaren auf Paris eingelassen

Nie zuvor hat es ein deutscher Manager in Frankreich so weit nach oben gebracht wie Frank Esser. Esser ist Chef von Cegetel, der zweitgrößten Telefongesellschaft Frankreichs.

PARIS. Wärst du doch in Düsseldorf geblieben..." Im fernen Rheinland sind die Karnevalslieder schon lange verklungen. Doch für Frank Esser ist es ohnehin keine Frage, dass sein Wechsel vom Rhein an die Seine richtig war. "Paris hat Charakter, ist aber tolerant genug, um Unterschiede zuzulassen", sagt er.

Ob das auch für seinen Job gilt, muss sich erst noch herausstellen. Seit Ende vergangenen Jahres ist er Vorstandschef von Cegetel, der Telefonsparte von Vivendi Universal. Noch nie zuvor hat es ein deutscher Manager in der verschlossenen Welt der französischen Führungsetagen so weit nach oben gebracht. Und der neue Chef hat große Pläne: "Wir wollen France Télécom noch lange Druck machen. Für Cegetel ist noch alles drin."

Was er wortgewaltig gerne überspielt, ist die Tatsache, dass die Zukunft des Konzerns höchst unsicher ist. Zwar hat sich Hauptaktionär Vivendi Universal im November mit einem Kraftakt die Mehrheit besorgt. Viele Aktionäre des Medienkonzerns sehen Vivendi Universal aber nur noch als Kandidaten für eine Zerschlagung an.

Vier Optionen gibt es für Frankreichs zweitgrößte Telefongesellschaft Cegetel: einen Börsengang, einen Verkauf oder Erhalt des Status quo mit dem finanzstarken Mitaktionär Vodafone Plc., der Cegetel im Herbst gerne ganz übernommen hätte. Oder: Cegetel würde als einzige operative Tochter zum Kern von Vivendi.

Es steht viel auf dem Spiel. Auch für einen Franzosen hätte der Spitzenposten der Telefonsparte mehr Ähnlichkeit mit einem Schleudersitz als mit einem Chefsessel. So äußerte sich zumindest Essers Vorgänger Philippe Germond. Der hatte vom Diplom der Ecole Centrale über den MBA in Stanford bis hin zu einem exquisiten Adressbüchlein alles, was ein Mann in Paris in einer Top-Position braucht. Trotzdem hat er es vorgezogen, das Unternehmen rechtzeitig zu verlassen.

Anruf des Vivendi-Bosses

Sein Nachfolger Esser hat in Köln und Freiburg Volks- und Betriebswirtschaftslehre studiert. So hat er in Paris kein Old Boys Network. Trotzdem will er bei Cegetel bleiben. Egal, ob seine Berufung der Pariser Executive-Szene verwegen erscheint: Für Esser ist sie ein natürlicher Schritt.

Seine Karriere hat der Deutsche gleich nach dem Studium beim rheinischen Traditionskonzern Mannesmann begonnen. Er war bei Mannesmann Kienzle, als dort die Elektronik-Revolution begann, später wechselte er ins internationale Telefongeschäft. Esser wurde Chef der Mannesmann Eurokom GmbH, der Gesellschaft, in der Mannesmann seine internationalen Minderheitsbeteiligungen gebündelt hatte - darunter eine 15-Prozent-Beteiligung an Cegetel. Im Frühjahr 2000 wurde schließlich Mannesmann von Vodafone übernommen. Vodafone-Chef Chris Gent legte 100 Milliarden Euro auf den Tisch und nahm Mannesmann auseinander.

Kaum wechselte bei Essers Arbeitgeber der Eigentümer, wechselte Esser den Arbeitgeber: Der damalige Vivendi-Boss Jean-Marie Messier rief den Deutschen an und bot ihm einen Vorstandsposten bei Cegetel an. Dass Esser bis dahin kaum ein Wort Französisch sprach, seine Ferien lieber in Italien verbrachte und bei den in Paris unumgänglichen Marathon-Mittagessen ständig auf die Uhr schaute, störte ihn anscheinend nicht.

Esser wiederum stellte keine Fragen, ob Messier schlicht einen guten Manager bei Cegetel halten oder nur Politik gegenüber Cegetel-Mitaktionär Vodafone machen wollte. Dabei wurde aus Esser, der bis dahin stets starke Förderer in seinen Unternehmen gehabt hatte, bei Cegetel kein "Messier Boy".

UMTS-Probenetze in zwölf Großstädten

Als Messiers Nachfolger Fourtou im letzten Jahr erfuhr, dass Esser für den Chefposten bei der Telekom-Festnetzsparte T-Kom im Gespräch war, bewog er ihn zum Bleiben. Nicht erst bei der Fusion des Rhône-Poulenc-Konzerns mit Hoechst zu Aventis hatte Fourtou mit Deutschen gute Erfahrungen gemacht. Längst suchte er einen Nachfolger für "Messier Boy" Germond an der Cegetel-Spitze.

Esser dankt es ihm, indem er die vorgegebene Rollenteilung strikt einhält. "Fourtou will Mehrwert für die Aktionäre, aber er hat nicht den Anspruch, ein Telefon-Experte zu sein", sagt er. Er selbst will die Telefongesellschaft im Interesse der Aktionäre Vivendi und Vodafone managen. In Fragen der Konzernstrategie mag er sich nicht einmischen.

So führt er Cegetel, als sei die Unabhängigkeit der Gesellschaft gesichert und ihr satter Cash-Flow nicht der Hauptgrund für Vivendi, an der Tochter festzuhalten. Im neuen Jahr will er 40 Prozent mehr investieren als 2002.

Dass Konkurrent France Télécom bei UMTS auf die Bremse tritt, ist für ihn kein Grund, Gleiches zu tun. "Bis Ende 2003 werden wir in fünf Städten Probenetze laufen haben", plant er. "2004 starten wir dann in zwölf Großstädten."

Und was ist für ihn der nächste logische Karriereschritt nach Cegetel? "Die Rente", lacht Esser und wischt damit Fragen nach weiterführenden Ambitionen mit rheinischem Humor vom Tisch. Er und seine Familie hätten sich mit Haut und Haaren auf Frankreich eingelassen, auch wenn es noch starke private Bindungen ins Rheinland gebe

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Düsseldorf trauert er nicht nach. "Ich bin hier nicht auf Montage, sondern ich lebe hier", sagt er. "Und es gibt nicht den geringsten Grund für einen Plan B."

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