Frankfurt als Weißer Ritter
Londoner Börsenchef deutet europäische Lösung an

Cruickshank öffnet Tür für freundliche Übernahme durch Frankfurt, Mailand und Madrid - OM zeigt sich selbstbewusst

ap LONDON. Die Londoner Börse (LSE) hat als Alternative zum Kaufangebot der schwedischen OM-Gruppen eine freundliche Übernahme durch die Börsen in Frankfurt, Mailand und Madrid ins Gespräch gebracht. LSE-Chef Don Cruickshank deutete am Donnerstag an, die drei Börsen einladen zu wollen, eine Initiative als so genannter Weißer Ritter zur Abwehr der feindlichen Übernahme zu starten. Konkrete Schritte insbesondere in Richtung Mailand und Madrid seien aber noch nicht erfolgt, sagte er.



Cruickshank, designierter Chef der Frankfurt-Londoner iX-Börse, griff damit eine Äußerung des Frankfurter Börsen-Aufsichtsratschef Rolf Breuer vom Vortag auf. Ob die Deutsche Börse ein eigenes Angebot für die LSE abgeben wird und damit als `weißer Ritter" auftrete, hänge vor allem davon ab, ob London einen solchen Wunsch äußere, hatte Breuer erklärt. Wenn das der Fall sein sollte, könne er sich gut ein gemeinsames Angebot etwa mit Madrid und Mailand vorstellen. `Ein weißer Ritter kommt als Freund, wenn der Angegriffene sich nicht mehr anders zu helfen weiß", sagte Breuer.



Cruickshank teilte mit, dass er sich am Mittwochabend mit dem Vorsitzenden der amerikanischen Technologiebörse NASDAQ, Frank Zarb, getroffen habe. Eine mögliche Übernahme der LSE durch NASDAQ sei `kein Thema" gewesen, betonte er. Einzelheiten des Gesprächs wollte er aber nicht preisgeben. Cruickshank sagte aber, dass es `keine Gespräche mit irgendjemand sonst über die Erweiterung der iX-Fusion gibt" - womit das mögliche Euronext-Angebot des Börsentrios Paris, Brüssel und Amsterdam offenbar aus dem Rennen ist.



Allerdings hat das OM-Angebot, die LSE für 808 Millionen Pfund (2,6 Milliarde Mark/1,3 Milliarden Euro) zu übernehmen, den Fusions-Fahrplan in Frankfurt und London erst einmal durcheinander gebracht. Während die Frankfurter Aktionäre wie geplant am 14. September über den Zusammenschluss abstimmen wollen, wurde dies in London verschoben. OM hat bis zum 25. September Zeit, den Aktionären ein detailliertes Angebot vorzulegen. Einer Fusion müssen 75 Prozent der Aktionäre zustimmen.



Der Chef des schwedischen Technologiekonzerns OM-Gruppen, Olof Stenhammar, erklärte unterdessen, sein Angebot sei absolut ernst gemeint und er sehe sich bei den Londoner Aktionären sogar in der Favoritenrolle. Der Nachrichtenagentur AP sagte er am Mittwoch in Stockholm: `Die Kombination der in der Welt führenden Londoner Börse mit dem in der Welt führenden Technologie-Anbieter - das passt einfach perfekt."



Den Wettbewerb mit der Frankfurter Börse begrüßte er. Unterschätzen sollte man ihn nicht: `Wir haben uns unser ganzes Leben lang im Wettbewerb behauptet und wir wissen, dass Dinge sich ändern", sagte Stenhammar.

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