Archiv
Frankfurter Buchmesse eröffnet

Die 53. Frankfurter Buchmesse ist am Dienstag von Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin mit einem Aufruf zur weltweiten Achtung des menschlichen Lebens eröffnet worden.

dpa FRANKFURT/MAIN. Mit Blick auf die Attentate in den USA sagte der SPD - Politiker bei der Eröffnungsfeier, Frieden in der Welt könne es nur mit einem globalen Grundkonsens über den unbedingten Respekt vor dem menschlichen Leben geben. Nida-Rümelin vertrat bei der Buchmessen- Eröffnung Bundeskanzler Gerhard Schröder, der am Morgen kurzfristig in die USA abgereist war.

Bis zum Montag treffen sich in Frankfurt Verleger, Buchhändler, Autoren und Literaturagenten aus der ganzen Welt. Rund 6.700 Verlage aus 105 Ländern stellen ihre Bücher und elektronischen Produkte vor, 300.000 Besucher werden erwartet. Wegen strenger Sicherheitsmaßnahmen begann die Eröffnungsfeier mit einiger Verspätung. Am Eingang vor dem Congresscenter bildeten sich wegen der Taschenkontrollen und der Überprüfung aller Gäste mit Metalldetektoren lange Schlangen.

Kein Konflikt der Religionen

Der Konflikt nach den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon ist nach Ansicht von Nida-Rümelin kein Konflikt zwischen Christentum und Islam. Es handele sich um eine Auseinandersetzung zwischen "denjenigen, die die Menschenrechte beachten, und denjenigen, die Menschleben Unbeteiligter auslöschen um politischer Ziele willen". Die Welt brauche eine "globale zivile Gesellschaft, doch davon sind wir noch sehr weit entfernt". Zivile Gesellschaften zeichneten sich dadurch aus, dass sie ihre Konflikte "unterhalb der Schwelle der Gewalt" lösten.

Gastland Griechenland

Der griechische Staatspräsident Constantinos Stephanopoulos sagte, die tragischen Ereignisse in den USA hätten die "Notwendigkeit eines Dialogs zwischen den Kulturen und der Rückkehr zu den traditionellen Werten der Menschheit und des Humanismus" gezeigt. Der Politiker verwies zudem auf ein reichhaltiges literarisches Schaffen in seinem Land, das zwei Literatur- Nobelpreisträger hervorgebracht habe. Allerdings erschwerten die Sprache und die geographische Lage am Rande Europas den Zugang einer großen Leserschaft zur griechischen Literatur. Griechenland ist in diesem Jahr Gastland der Buchmesse.

Bücher für den Frieden

Der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Roland Ulmer, kritisierte, dass innerhalb Europas zu wenig für den Literaturaustausch getan werde. Zwar wachse die Welt zusammen, "doch was da zusammenwächst, kennt sich nicht. Und aus dem Nicht-Kennen erwächst leicht Verkennen, Missverstehen und Feindschaft." Bücher könnten zu besserem gegenseitigen Verstehen beitragen. Dazu wiederum sei mehr Übersetzungsförderung nötig.

Noch keine Rückkehr zur Normalität

Am Vormittag hatte Buchmessen-Direktor Lorenzo Rudolf angekündigt, dass die Messe trotz der Terrorakte in den USA weitgehend wie geplant ablaufen werde. Das Klima werde jedoch "nicht von Geschäftigkeit und Routine gekennzeichnet sein", sagte er. Vier Wochen nach den Anschlägen in den USA sei eine völlige Rückkehr zur Normalität nicht möglich. Das geplante Programm werde jedoch nicht geändert. Mit Diskussionsrunden und Lesungen wolle die Buchmesse mehr denn je ein "politisches wie kulturelles und intellektuelles Forum" bieten. Bei einer Gesamtzahl von 6.661 Ausstellern sei die Zahl der Absagen nach den Anschlägen gering - nämlich 54, davon 31 aus den USA.

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen

Das Sicherheitspersonal wurde nach Darstellung Rudolfs verdoppelt. Gezielt würden Taschen kontrolliert - vor allem an der Halle mit amerikanischen, britischen, israelischen und arabischen Verlagen. Auch die Messehallen würden jeden Morgen durchsucht. Griechenland will die Besucher in seinem Pavillon zu einer Reise durch seine Kultur verführen, vom antiken Drama bis zum modernen Comic. Eine "Brücke von der Antike in die Gegenwart" wolle man mit der Ausstellung schlagen, sagte am Dienstag Art-Director Dimitris Kalokyris, der für die Ausstellung verantwortlich ist. Im Zentrum der Halle steht die Nachbildung eines Amphitheaters, in dem Lesungen, Diskussionen und andere Veranstaltungen geplant sind.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%