Frankfurter Flughafen testet deutschen Markt mit zweiter Großemission
Leise Hoffnung für Neuemissionen

Der Markt für Neuemissionen liegt derzeit weltweit brach. In Deutschland tut sich auf dem Gebiet Börsengänge so gut wie gar nichts, aus den USA kommen erste zaghafte Zeichen für eine Aufhellung der Situation. Bis das Geschäft hier zu Lande wieder anspringt, wird es jedoch noch einige Zeit dauern.

27.04.2001 FRANKFURT/M. Der Blick auf den deutschen Emissionskalender fällt ernüchternd aus. Nach dem Crash auf Raten an den internationalen Börsen herrscht auf der Terminliste gähnende Leere. In den Konsortialabteilungen der Banken macht sich nach dem enttäuschenden ersten Quartal Ernüchterung breit. Bis auf einen einzigen Kandidaten wagt sich derzeit kein Unternehmen aus der Deckung und nennt einen konkreten Zeitplan für den Gang an die Börse. Vor allem am Neuen Markt herrscht Flaute.

Für einen ersten Lichtblick könnte der Frankfurter Flughafen sorgen. Unter dem neuen Namen Fraport AG will die Gesellschaft der trüben Stimmung trotzen und bis Mitte Juni 29 Millionen Aktien mit einem voraussichtlichen Emissionsvolumen von rund 1 Mrd. platzieren. Das wäre die zweite Großemission in diesem Jahr nach der Deutschen Börse AG. "Als defensiver Wert hat der Flughafen im Moment ganz gute Chancen, die Aktien zu einem ordentlichen Preis am Markt unterzubringen," heißt es aus der Konsortialabteilung einer deutschen Großbank. "Aber eine Schwalbe macht noch lange keinen Sommer." Mit Ausnahme der Flughafenplatzierung herrsche "Ebbe". Im Moment sei "so gut wie nichts in der Pipeline", bestätigt ein angelsächsisches Institut. Wenn man mit dem Kopf durch die Wand wolle, könne man zwar auch jetzt Unternehmen an die Börse bringen, allerdings sollte sich der Emittent dann auf eine "schmerzhafte Erfahrung" gefasst machen. Das zeige das Beispiel Nordex.

Der Spezialist für Windkraftanlagen musste beim Börsengang an den Neuen Markt Anfang April die Preisspanne deutlich senken. Statt wie erhofft für 14 ließen sich die Papiere nur für 9 platzieren. Mittlerweile notiert die Nordex-Aktie knapp unter Emissionspreis, befindet sich damit aber in guter Gesellschaft. Von den bislang sieben Neuemissionen am Neuen Markt in diesem Jahr liegen vier unter dem Ausgabekurs. Im Vorjahr hatten bis Ende April bereits mehr als 50 Unternehmen den Sprung an den Neuen Markt gewagt.

Emissionsflaute trifft nicht nur deutsche Wachstumsunternehmen

Aber die Emissionsflaute trifft nicht nur die deutschen Wachstumsunternehmen. In Europa und den USA sorgten die ersten drei Monate 2001 ebenfalls für lange Gesichter. Auf dem alten Kontinent lag das Platzierungsvolumen im ersten Quartal nach Berechnungen von Schroder Salomon Smith Barney bei 18,4 Mrd. $ nach 43,4 Mrd. $ im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr rechnen die Analysten der Investmentbank mit einem Emissionsvolumen von 58 Mrd. $. Zum Vergleich: 2000 kamen in Europa noch Aktien im Wert von 163 Mrd. $ an den Markt.

In den Vereinigten Staaten wagten sich bislang in diesem Jahr lediglich 26 Unternehmen an die Börse, so wenige wie seit elf Jahren nicht mehr. Aber: Trotz dieser traurigen Bilanz sehen die Experten den ersten Silberstreif am Horizont. In den vergangenen Tagen haben sich neun US-Unternehmen für den Sprung an den Kapitalmarkt angemeldet. Damit könnte sich die Zahl der Börsenneulinge bis Ende Mai auf zwölf erhöhen. "Es ist zwar noch sehr früh, aber einiges deutet darauf hin, dass wir in den Staaten das Tal durchschritten haben", heißt es aus der Frankfurter Niederlassung einer US-Investmentbank.

Trendwechsel nicht vor dem zweiten Halbjahr

Allerdings werde es wohl noch einige Zeit dauern, bis das Geschäft mit Börsengängen auch in Deutschland wieder anspringe. "Vor dem zweiten Halbjahr werden wir voraussichtlich keinen eindeutigen Trendwechsel sehen." Und selbst dann ließen sich wohl nur Unternehmen sehr guter Qualität problemlos platzieren. Die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt sehen das ähnlich: "Auch im Falle einer Markterholung erwarten wir aufgrund der stark gestiegenen Qualitätsanforderungen nur eine vergleichsweise geringe IPO-Aktivität", heißt es in der April-Studie des Instituts zum Neuen Markt.

Aber vielleicht können zumindest die großen Börsenkandidaten bereits jetzt von der leichten Stimmungsverbesserung profitieren. Neben Fraport will im Juni auch der italienische Luxusgüter Konzern Prada an den Kapitalmarkt. Analysten rechnen zwar mit Druck auf den Emissionspreis, erwarten aber eine ausreichende Nachfrage für die voraussichtlich rund 2 Mrd. schwere Emission. Der norwegische Ölkonzern Statoil steht ebenfalls mit einer Milliarden-Platzierung in den Startlöchern. "So schnell wie möglich" will auch Euronext, der Zusammenschluss der Börsen Paris, Brüssel und Amsterdam an die Börse. Das Emissionsvolumen wird wohl bei rund 1 Mrd. liegen.

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