Frankfurter Gespräche: Geldinstitute wollen Mittelstandsfinanzierung durch Rationalisierung sichern
Banken standardisieren Firmenkunden

Mittelständische Unternehmen stehen vor schweren Zeiten, wenn es um Finanzierungsfragen geht. Banken und Sparkassen werden Kredite nur noch dann anbieten, wenn sie die Vergabe effizienter machen und gleichzeitig die Produktvielfalt reduzieren. Das aber heißt aber für die Kunden: Die Individualität der Geschäftsbeziehung nimmt ab.

FRANKFURT/M. "Die Banken ziehen sich heute aus Kreditengagements zurück, ohne dass es für die betroffenen Unternehmen eine Alternative gibt", brachte Josef Trischler, vom Maschinenbauverband VDMA, die Sorgen der Unternehmer auf den Punkt. "Wir beobachten, dass die Kreditfinanzierung sinkt. Mehr Unternehmen werden daher den Kapitalmarkt anzapfen müssen. Doch das ist ein Veränderungsprozess, in dem es ein Finanzierungsvakuum geben wird. Wie die Banken das füllen wollen, hat noch keiner gesagt." Darauf versuchten Fachleute aus Banken und Wissenschaft bei einer Handelsblatt-Diskussion über Mittelstandsfinanzierung eine Antwort zu geben.

Eine Lösung, die die Unternehmer zufrieden stellen kann, gab es nicht. Die Banker setzen auf Kostensenkungen durch Standardisierung und machten klar, dass es Unternehmen schlechter Bonität in Finanzierungsfragen künftig sehr schwer haben werden.

Prozesse straffen und Abwicklungsaufgaben konzentrieren

"Standardisierung ist nötig, damit die Banken den Unternehmen in Zukunft überhaupt noch Finanzdienstleistungen liefern können", sagte Andreas de Maizière, Vorstand der Commerzbank. Standardisierung heißt für ihn: Prozesse straffen und Abwicklungsaufgaben konzentrieren, die Produkte auf wenige Varianten reduzieren und die Firmenkunden stärker als heute segmentieren - Vorbild sei hier das Privatkundengeschäft. "Wir betrachten heute noch zu stark das individuelle Unternehmen, statt in Kundengruppen zu denken", sagte de Maizière. "Wir müssen schon im Vertrieb berücksichtigen, welche Risiken wir anschließend verbriefen und auf den Sekundärmärkten platzieren."

Unternehmen reagieren skeptisch

Die Unternehmerseite reagiert skeptisch auf diese Pläne. VDMA-Mann Trischler erkennt zwar an, dass die Banken unter Rationalisierungsdruck stehen. Unter Standardisierung versteht er aber: "Weniger Produktvarianten, aber mehr Sorgfalt bei der Beurteilung des Kunden." Ann-Kristin Achleitner, Professorin an der TU München und Aufsichtsratsvorsitzende der Venture-Capital-Firma GI Ventures AG, warnte allerdings vor Illusionen. "Man wird nicht die Kosten senken und gleichzeitig das heutige Service- und Persönlichkeitsniveau halten können. Beim Rating zum Beispiel werde Standardisierung dazu führen, dass weiche Faktoren wie etwa die Managementkompetenz kaum oder gar nicht berücksichtigt werden können.

Im Kern stellen sich die Firmen, wenn auch mit großen Bedenken, darauf ein. Trischler rechnet mit einem abgestuften Angebot der Banken: Einfache, kostengünstige Leistungen auf der einen Seite, andererseits aber auch mehr Beratung und mehr Unterstützung, wenn die Unternehmen dies brauchen.

Banken müssen sich auf Standards einigen

Während beim Thema Produkt- und Vertriebsstandardisierung die Meinungen auseinander gehen, sind sich Banker und Unternehmer einig, dass die Produktionsprozesse effizienter werden müssen. "Die Banken müssen sich auf Standards einigen, denn die zersplitterte Bankenlandschaft ist ein Problem", sagte Dietrich Suhlrie, Bereichsleiter der KfW. Die staatliche Förderbank KfW bietet sich hier als neutrale Plattform an für eine Kreditfabrik. Die Resonanz der Banken sei aber "durchwachsen", räumte Suhlrie ein. Die Sparkassengruppe sei mit einem Anteil von 40 % in dem relevanten Markt groß genug, um das Thema allein zu lösen, sagte Hans-Peter Krämer, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Köln. Seine Bank arbeite mit anderen an einer "rheinischen Lösung". Greifbare Ergebnisse seien in zwei Jahren zu erwarten. Auch de Maizière sprach sich für eine Lösung ohne die KfW aus. Kreditfabriken gebe es bereits im Ansatz, sie würden aber von den Banken ohne Mitwirkung der Staatsbank ausgebaut.

Während die guten Bonitäten künftig kaum Probleme haben werden - "Die Banken werden um sie werben." (de Maizière) - wird es für Firmen mit geringer Kreditwürdigkeit schwierig. "Unternehmen mit hohen Risiken werden besser oder ihnen droht das Verschwinden vom Markt", so der Commerzbank-Vorstand.

Die Folgen der erwarteten Standardisierung für den Wettbewerb sind unter den Diskusionsteilnehmern umstritten. Während Achleitner prognostizierte, dass sie die Unternehmen in einen reinen Preiswettbewerb treiben werde, rechnet de Maizière mit positiven Konsequenzen. "Die Firmenkundenbetreuer werden von administrativen Tätigkeiten freigeschaufelt und können in der frei werdenden Zeit beraten", glaubt er. Für die Unternehmer wird es schwierig, von einem Preiswettbewerb zu profitieren - wenn sie sich an die Empfehlungen der Banker Krämer und de Maizière halten. Ihrer Ansicht nach hat derjenige Unternehmer in der Krise die besten Chancen, der sich nur auf wenige, langfristige Bankbeziehungen konzentriert. Denn das Wissen und die Verantwortung der Hausbanken würden oft zu einer Lösung führen.

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