Frankfurter Oberbürgermeisterin geht aber zuversichtlich in die Stichwahl
Petra Roth muss in der "Verlängerung" Klinken putzen

Die Fahrgäste in der Frankfurter U-Bahn-Linie U 6 staunen nicht schlecht: Plötzlich steht die sonst von den Wahlplakaten blickende Oberbürgermeisterin Petra Roth leibhaftig vor ihnen und verteilt Rosen.

ap FRANKFURT/MAIN. "Und nicht vergessen: Am 1. April noch mal wählen gehen", sagt Roth freundlich mahnend. Nein, ein Aprilscherz ist es nicht, dass die in der Stadt überaus populäre CDU-Politikerin zwei Wochen nach der Kommunalwahl noch einmal gegen ihren Herausforderer Achim Vandreike von den Sozialdemokraten in den Ring muss.

Völlig überraschend hatte Roth im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit mit einem Anteil von 48,6 % knapp verfehlt. Dabei hatten sie alle Umfragen vorher bei mindestens 57 und teilweise sogar 60 % gesehen. CDU-Anhänger argumentieren, gerade diese Sieges-Gewissheit habe bei ohnehin sehr niedriger Wahlbeteiligung von ganzen 46,1 % Roth eher geschadet. Jedenfalls fehlten ihr am Ende 2 708 Stimmen, und so fällt die endgültige Entscheidung am Sonntag in der Stichwahl. Nun werde sie halt erst in der Verlängerung gewinnen, gibt sich Roth unverdrossen zuversichtlich, während sie jeden Tag in mehreren Stadtteilen Klinken putzt und auf Wochenmärkten wie in Fußgängerzonen um Wähler wirbt.

Das sieht ihr Herausforderer Vandreike natürlich ganz anders. Ihm war es genau umgekehrt wie Roth ergangen: Von den Meinungsforschern mit gerade 27 % vor der Wahl schon abgeschrieben, konnte er mit 34,6 % am Tag der Entscheidung dann doch das Ergebnis seiner Partei, der SPD, noch um vier Prozentpunkte übertreffen. Allein die Tatsache, dass er allen Erwartungen zum Trotz die Stichwahl erzwungen hat, gibt dem 53-Jährigen Rückwind für den kommenden Sonntag.

Und auch das gute Abschneiden der Sozialdemokraten bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz soll ihm Auftrieb geben. So lud die Frankfurter SPD den Mainzer Wahlsieger Kurt Beck zusammen mit Bundesfinanzminister Hans Eichel noch zu einem Wahlkampffest am Donnerstag auf dem Römerberg zur Unterstützung Vandreikes ein. Der verkündet auf seiner Homepage im Internet stolz, er habe sich besonders über den Anruf des Bundeskanzlers und SPD-Vorsitzenden Gerhard Schröder mit den Glückwünschen zu seinem guten Abschneiden am Wahlabend des 18. März gefreut.

SPD-Kandidat über die Grünen verärgert

Weniger erfreulich für Vandreike ist indes, dass ihm die Grünen eine Empfehlung für den zweiten Wahlgang am Sonntag verweigert haben. Damit wollen sie Eigenständigkeit demonstrieren und Distanz zu beiden OB-Kandidaten, die ja ungeachtet sonstiger Differenzen auch für die Erweiterung des Frankfurter Flughafens sind. Vandreike sieht mit dem Nichtvotum der Grünen für seine Wahl deren "Eintrittskarte für Schwarz-Grün" verbunden und alle politischen Inhalte über Bord geworfen.

In der Tat könnte der Sozialdemokrat und ehemalige Personalratsvorsitzende der Stadt die 10,3 %, mit denen Grünen-OB-Kandidatin Jutta Ebeling im ersten Wahlgang einen Achtungserfolg erzielt hatte, dringend gebrauchen. Erst recht, nachdem sich die FDP für den zweiten Wahlgang bedingungslos hinter Roth gestellt hat. Zwar kam der Oberbürgermeisterkandidat der Liberalen, Hans-Joachim Otto, im ersten Wahlgang nur auf 1,8 %. Aber die alleine hätten schon ausgereicht, um der CDU-Politikerin die Wiederwahl für die nächsten sechs Jahre zu sichern, die mit ihrem Ergebnis um gut zehn Prozentpunkte über dem ihrer Partei bei der parallel abgehaltenen Wahl zur Stadtverordnetenversammlung lag.

Die Haltung der Grünen wurmt Vandreike umso mehr, als er doch versucht hatte, ihnen die Furcht vor einer Neuauflage der nach der CDU-Spendenaffäre aufgekündigten großen Koalition mit der CDU zu nehmen. Stattdessen sprach sich der SPD-Bewerber für eine Vier-Parteien-Koalition von CDU, SPD, Grünen und FDP aus. Amtsinhaberin Roth setzt dagegen ähnlich wie die Grünen eher auf wechselnde Mehrheiten in dem Zehn-Parteien-Stadtparlament. "Damit habe ich schließlich Erfahrung", versucht sie im Wahlkampf, aus der Not unklarer Mehrheiten eine Tugend zu machen.

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