Frankfurter verkaufen Radios
Süddeutsche und FAZ müssen Ballast abwerfen

Der Süddeutsche Verlag in München steckt tiefer in der Krise als bisher bekannt. Für 2002 werde angesichts der tiefen Branchenkrise mit einem Umsatzeinbruch von fast 11 Prozent auf 720 Mill. Euro gerechnet, teilte SV-Chef Dirk Refäuter am Wochenende in der konzerneigenen "Süddeutschen Zeitung" (SZ) mit.

HB DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Allein die Umsatzerlöse des Flaggschiffs SZ gingen 2002 wegen der Anzeigenflaute um etwa 50 Mill. Euro zurück. Die Fachverlage ("Werben & Verkaufen") tragen mit einem Minus von 30 Mill. Euro zum Umsatzrückgang bei. 2001 lag das Rekordminus bei 43,9 Mill. Euro.

Spekulationen über eine drohende Insolvenz und Liquiditätsprobleme wies das Unternehmen zurück. "Das ist völliger Quatsch", sagte ein Sprecher. Dennoch will der SV Ballast abwerfen und wieder Liquidität gewinnen. So plant Refäuter den Verkauf der Sparte Regionalzeitungen mit Blättern in Franken (Frankenpost, Coburger Neue Presse) und Südthüringen (Freies Wort). Auch von den Fachinformationen will er sich trennen. Er bestätigte damit einen Handelsblatt-Bericht. "Ein Teilverkauf dieser Aktivitäten ist nicht ausgeschlossen. Jetzt wird eine konsequente PortfolioAnalyse vorgenommen", sagt Refäuter. Wie Insider berichten, laufen für Teile des Fachverlags bereits Gespräche mit Interessenten. Der Bereich Fachinformationen gilt als zu klein. Ein Zukauf war Anfang des Jahres gescheitert.

Doch nicht nur durch Verkäufe soll die finanzielle Lage des Konzerns gestärkt werden. Es seien auch Kapitalmaßnahmen geplant, die die Fremdfinanzierung sicherten und das Eigenkapital stärken, hieß es.

Der SV ist Eigentum von fünf Verlegerfamilien, wichtigstes Produkt ist die "Süddeutsche Zeitung", die den Angaben zufolge aber nicht zur Disposition stehe. Wie der Verlag mitteilte, soll das Kernprodukt "Süddeutsche Zeitung" gestärkt werden. Deshalb sei derzeit weder die Einstellung der verlustreichen Regionalausgabe in Nordrhein-Westfalen noch des Magazins geplant.

Spekulationen um Veränderungen im Gesellschafterkreis wurden am Wochenende nicht bestätigt. "Von einem Einstieg der WAZ ist mir nichts bekannt", sagte ein SV-Sprecher gestern. In der Branche wird seit vielen Monaten darüber spekuliert, dass sich der Essener Zeitungskonzern WAZ in München beteiligten könnte.

In den vergangenen Wochen hat Refäuter von der Gesellschafterversammlung zwei neue Geschäftsführer als Sanierer an die Seite bekommen: Hanswilli Jenke für Finanzen und Josef Lutz für das operative Geschäft. Zudem soll die Unternehmensberatung Roland Berger ein neues Unternehmenskonzept erarbeiten. Unterdessen geht der Personalabbau werden. Bis Ende des Jahres sollen 600 der ursprünglich 5000 Stellen gestrichen werden.

Auch die Verlagsgruppe Frankfurter Allgemeine Zeitung, die von der Rezession im Anzeigenmarkt hart getroffen ist, wird sich von verlustreichen Projekten trennen. Die FAZ will daher aus dem Radiogeschäft aussteigen. Zum Verkauf stehen die Sender in Frankfurt, München und Berlin. In Frankfurt hatte die FAZ erst in diesem Jahr in Konkurrenz mit anderen Verlagen die Sendelizenz erhalten. Der Verlag war 2000 auf dem Höhepunkt der Aktienmärkte mit großen Hoffnungen ins Radio-Geschäft eingestiegen. Bis Ende des Monats will die FAZ den Sender in München aufgeben. Der Chef der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), Wolf-Dieter Ring, bedauerte, dass die FAZ keinen längeren Atem habe. Die BLM vergibt die Radiolizenzen in Bayern. Die Radiolizenz soll dem Magazin Focus, einem Ableger der Hubert Burda Media, angeboten worden sein, hieß es. Auch beim Internet-Angebot Faz.net sei ein Arbeitsplatzabbau im Gespräch. Aus Mitarbeiter-Kreisen wird berichtet, dass von den knapp 30 Arbeitsplätzen neun übrig bleiben.

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Axel-Springer-Verlags (Bild, Welt, Hörzu) erwartet in Deutschland ein Zeitungssterben. In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) sagte Döpfner, dass es am Ende nur noch zwei überregionale Zeitungen geben werde.

Quelle: Handelsblatt

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