Frankfurter Wertpapierhaus will sich in Nischen etablieren: Börsenmakler ICF behauptet sich im Aktiencrash

Frankfurter Wertpapierhaus will sich in Nischen etablieren
Börsenmakler ICF behauptet sich im Aktiencrash

Deutschlands Börsenmakler kämpfen um ihr Überleben. Einige Broker haben in den letzten Monaten bereits aufgeben müssen, andere wurden von der Konkurrenz geschluckt, und fast alle schreiben rote Zahlen.

FRANKFURT/M. Zu den wenigen Ausnahmen zählt die Frankfurter Wertpapierhandelsbank ICF Kursmakler AG. "Wir haben im letzten Jahr Gewinn gemacht", sagt Vorstandschef Rainer Roubal. Doch blieb auch ICF, mit 85 Mitarbeitern eine der größeren Adressen der Branche, von der Börsenflaute nicht verschont. Der Gewinn im Geschäftsjahr 2002/03 (31.3.) wird laut Roubal deutlich niedriger sein als im Vorjahr, als ein Jahresüberschuss von knapp 6 Mill. Euro erzielt wurde. Genaue Zahlen will ICF Anfang Sommer nennen.

Trotz des Gewinnrückgangs steht ICF im Branchenvergleich noch gut da. Der dramatische Kurseinbruch an den Börsen ließ bei allen Maklern die Erträge wegbrechen. Renommierte Häuser wie Kling Jelko und Spütz mussten bereits das Handtuch werfen, auch Fritz Nols will sich wegen der trüben Geschäftsperspektiven demnächst auflösen. Neben der Börsenflaute macht der Branche der Vormarsch des Handelssystems Xetra zu schaffen. Die zunehmende Verlagerung des Aktienhandels auf diese elektronische Plattform lässt das traditionelle Kerngeschäft der Makler auf dem Parkett schrumpfen.

Speziell für Frankfurt kann sich Roubal sogar vorstellen, dass der Parketthandel in einigen Jahren ganz geschlossen wird. Frankfurts Börsenchef Werner Seifert setzt voll auf Xetra und gilt nicht gerade als glühender Anhänger des Parketthandels. Für Häuser wie ICF gewinnt daher die Ausführung von Wertpapiergeschäften für Banken an elektronischen Börsen immer stärker an Gewicht. Doch auch hier wird die Luft dünner: Die von Ertragsschwäche geplagten Kreditinstitute verlangen eine immer bessere und kostengünstigere Ausführung der Aufträge. Damit steigen die Anforderungen an die Makler, und der Druck auf die Margen wächst.

Roubal geht daher davon aus, dass das Maklersterben anhält. Von den 55 an der Frankfurter Börse tätigen Maklerfirmen dürften nur rund 30 überleben, unkt Roubal, der zum "Urgestein" der Frankfurter Maklerszene zählt. Für sein eigenes Unternehmen, das 1997 aus dem Zusammenschluss von elf Kursmaklern entstand, ist er trotz des rauen Klimas zuversichtlich: "Wir sind guter Hoffnung, dass wir das Tal der Tränen überleben."

Sein Optimismus basiert zum Teil darauf, dass ICF während des Börsenbooms Ende der neunziger Jahre teure Ausflüge in vermeintlich lukrative Felder wie Vermögensverwaltung oder den Kauf vorbörslicher Beteiligungen vermieden hat. Viele Konkurrenten sind bei ihren Diversifizierungsbemühungen kläglich gescheitert und müssen jetzt enorme Abschreibungen verkraften. ICF konzentriert sich dagegen voll auf den Wertpapierhandel, will aber laut Roubal jetzt "um unser Kerngeschäft einige Inseln aufbauen". Eine solche Nische soll der Optionsscheinhandel werden. Bisher wird dieses Feld von Stuttgart beherrscht, aber im Juli will die Frankfurter Börse mit einem neuen Qualitätssegment in diesem Bereich aufholen. "Hier wollen wir eine führende Rolle spielen", sagt Roubal. Der erste Schritt war der Kauf der im Optionsscheingeschäft tätigen Maklerfirma Michael Kopp vor einigen Tagen.

Als zweite Nische hat Roubal das neue Handelssystem Max-One der Münchener Börse ausgemacht. Der Kern dieses System, das Anfang Mai starten soll, wurde von ICF und dem Frankfurter Makler Steubing entwickelt und anschließend an die Börse verkauft. In spätestens fünf Jahren will München damit einen Anteil von zehn Prozent an deutschen Aktiengeschäften erreichen - derzeit ist es weniger als ein Prozent. ICF wird auf der Plattform als Makler agieren und zugleich das Rechenzentrum der Börse betreiben.

Schließlich will sich ICF stärker als Dienstleister für Banken positionieren. So könne man den ungeliebten Abend- und Feiertagshandel für Banken komplett übernehmen, sagt Roubal. Darüber werde bereits mit Finanzinstituten verhandelt. Viele Banken klagen seit langem über die hohen Kosten des abendlichen Aktienhandels, der in Deutschland erst um 20 Uhr und damit später als die weitaus meisten europäischen Börsen endet. Seit gut einem Jahr forciert ICF auch den Handel an ausländischen Börsen. Das hauseigene Ordermanagementsystem ICFOMS erlaubt den Zugang zu allen großen internationalen Börsen. Derzeit nutzen rund 20 deutsche Banken diese Software.

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