Frankreich bietet optimale Rahmenbedingen
Stürmische Zeiten zeichnen sich ab

Frankreich will in den kommenden acht Jahren rund zehn Milliarden Euro in den Ausbau der Windenergie invesstieren. Analog zu den Plänen der Europäischen Union soll der Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien von heute 15 auf 21 Prozent im Jahr 2010 ausgebaut werden. Deutsche Windparkplaner setzen auf den französischen Markt.

Ulrich Lenz, Chef der Regensburger Ostwind-Gruppe, schätzt Frankreich nicht nur wegen der vorzüglichen Weine und der guten Küche. Die steifen Brisen im Department Pas-de-Calais, an der Nordwestspitze Frankreichs, haben es ihm angetan. "Unser Tochterunternehmen Ostwind International France wird einen der größten Windparks in Frankreich bauen", sagt Lenz. Bereits im Februar konnte der Ostwind-Ableger mit Stammsitz im elsässischen Mulhouse einen der lukrativsten Aufträge der Firmengeschichte des Unternehmens auf seinem Konto verbuchen. 140 Windturbinen mit einer technischen Leistung von 240 Megawatt (MW) sollen bis 2004 an 15 Standorten im Umland der Gemeinde Fruges Ökostrom produzieren. Knapp 170 Mio. Euro wird die Realisierung des Projektes kosten. Unklar ist bislang noch, welcher Hersteller den Zuschlag für die Errichtung des Windparks bekommt.

Doch auch die haben den französischen Markt bereits fest im Visier. "NEG Micon ist bereits dabei, eine starke Organisation in Frankreich aufzubauen, da wir hohe Erwartungen an unsere zukünftige Position auf diesem Markt haben", sagt NEG Micon-Manager Flemming M. Christensen.

Ökoenergien, Windkraftboom in Frankreich - vor zwei Jahren noch ein Randthema, heute sieht das anders aus. Bisher setzte die französische Regierung auf Kernenergie. 58 Meiler versorgen das Land mit Energie. Immerhin 75 Prozent des Stroms, den die Franzosen verbrauchen, kommt aus nuklearen Quellen. Der Rest entfällt aus fossile und erneuerbare Energien. Da das Ausbaupotenzial bei der Wasserkraft begrenzt ist, sind die Wachstumsprognosen für die Windenergie positiv.

Im Juni vorigen Jahres hat die französische Nationalversammlung ein Gesetz zum Ausbau der Windenergie beschlossen. Ähnlich dem deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) besteht seitdem für die Energieversorger eine Abnahmepflicht für Windstrom. Die Betreiber von Windkraftanlagen erhalten 8,38 Euro-Cents für jede Kilowattstunde (kWh) Strom, die sie in das Stromnetz einspeisen. Diese Regelung gilt für die ersten fünf Betriebsjahre, danach reduziert sich die Vergütung in Abhängigkeit von der produzierten Strommenge. "Mit dieser Planungs- und Investitionssicherheit wird es wirtschaftlich interessant, das französische Windpotanzial, das in Europa nach England auf Platz zwei rangiert, zu nutzen", meint Matthias Bockholt, Varstand der ABO Wind AG.

Um früh genug auf einem der interessantesten europäischen Windkraftmärkte präsent zu sein hat das Wiesbadener Planungsunternehmen ABO Wind bereits im Januar die Tochtergesellschaft ABO Wind SARL mit Büros in Toulouse und Colmar gegründet. Bisher hat der französische Ableger vier Standorte für Windparks fest unter Vertrag. An den Plätzen in der Nähe von Carcasonne im Department Aude ist der Bau von insgesamt 22 Windturbinen mit einer Nennleistung von rund 30 MW geplant. Zwei weitere Projekte in Elsass-Lothringen mit einer zu installierenden Leistung von je 12 MW stehen kurz vor Vertragsabschluss. Insgesamt arbeitet ABO Wind derzeit an zehn Standorten in Frankreich. Mit der Fertigstellung der ersten Windparks rechnet das Unternehmen bis Ende 2003.

"Frankreich erfüllt derzeit alle Voraussetzungen für einen erfolgreichen Markteintritt", sagt Stephan Orthen, Mitarbeiter der internationalen Unternehmensberatung Eclareon in Berlin. Das Unternehmen berät Turbinenbauer und Windparkplaner aus Deutschland, die den französischen Markt erschließen wollen. Seit Anfang des Jahres kooperiert Eclareon mit Partnern in Paris. Das deutsch-französische Joint-Venture plant derzeit zwei Windparks in Frankreich. "Durch den Beschluss des Festpreisvergütungssystems im Juni vergangenen Jahres ist ein gewaltiger Investitionsboom beim Ausbau der Windenergie in Gang gesetzt worden", sagt Eclareon-Mitarbeiter Orthen.

Klar ist: Die Windverhältnisse in Frankreich sind wesentlich besser als in Deutschland. Am Ärmelkanal und an der nördlichen Atlantikküste liegen auf 50 Meter Nabenhöhe die Windgeschwindigkeiten bei acht bis neun Meter pro Sekunde, am Mittelmeer sogar bei über 9 m/s. Genau diese Daten haben sich in Windeseile in der deutschen Branche rumgesprochen. "Für uns hat der französische Markt einen ähnlichen Stellenwert wie der spanische oder der italienische. Er passt hervorragend in unser internationales Engagement", sagt Jürgen Beigel, Geschäftsbereichsleiter Projects bei der Umweltkontor Renewable Energy AG im rheinischen Erkelenz.

Kurzfristig wird der Markt in Frankreich, so die Einschätzung vieler Experten, explodieren. Anfang 2002 waren erst rund 70 MW Windkraftleistung zwischen Normandie und der Côte d´Azur installiert. Neben kräftigen steifen Brisen hat die französische Regierung mit verlässlichen politischen Rahmenbedingungen eine solide Basis für den Ausbau der Windenergie geschaffen. Darauf setzt auch die Dortmunder Harpen AG, eine Tochter des Essener Energiekonzerns RWE. harpen ist bereits seit 1998 in dem französischen Markt für erneuerbare Energien aktiv. Mit insgesamt 18 Wasserkraftwerken ist Harpen der größte private Betreiber von Laufwasserkraftwerken in Frankreich.

"Es besteht jetzt die Gelegenheit für Harpen, die in den zurückliegenden Jahren auf dem französischen Energiemarkt gemachten Erfahrungen für unsere ambitionierten Wachstumsziele bei der Windenergie zu nutzen", meint Harpen-Vorstand Bernd Widera. Die französischen Kooperationspartner Harpens entwickeln im Nordwesten (Normandie bzw. Picardie) und im Südwesten Frankreichs (Languedoc-Roussillon) Windpark-Projekte mit einer zu installierenden Leistung von rund 450 MW. Konkurrenz bekommen die deutschen Projektierer jetzt auch vom heimischen Strommonopolisten Electricité de France (EdF). "Bis Ende 2007 werden wir rund 1000 Megawatt Windkraftleistung in Frankreich installiert haben", erklärt EdF-Manager Yvon André. Edf investiert in Windenergie, vor kurzem noch undenkbar. So ändern sich die Zeiten, wenn durch gesetzliche Regelungen der Ausbau der Ökoenergien wirtschaftlich attraktiv wird.

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