Frankreich braucht Sieg mit zwei Topren Unterschied
Fallbeil schwebt über Frankreich

Das Fallbeil schwebt über Weltmeister Frankreich: 1 430 Tage nach dem Titelgewinn in Paris droht der "Grande Nation" am Dienstag (08.30 Uhr MESZ/Premiere) das Ende ihrer Fußball-Regentschaft und Nationaltrainer Roger Lemerre das Aus. Wenn gegen Dänemark kein Sieg mit zwei Toren Differenz gelingen sollte, muss erstmals seit Brasilien 1966 ein Titelverteidiger nach der Vorrunde heimfliegen. Auch Italien reiste 1950 aus Brasilien unfreiwillig früh ab.

dpa SEOUL. "Im Fall einer Niederlage gibt es immer Opfer. Ich bin ein Mensch, der auf alles gefasst ist. Alles andere als ein Sieg wäre ein Schock", sagte Lemerre am Montag. Kapitän Marcel Desailly stellte sich schon vorsorglich vor den Coach und betonte, die Verantwortung trage die gesamte Mannschaft. Der französische Verband hatte den Vertrag des 60-Jährigen extra vor der Endrunde bis zur EM 2004 verlängert, um jeglichen Diskussionen vorzubauen.

"Ich stelle mir das gar nicht vor", meint Verteidiger Lilian Thuram zum drohenden Knockout. "Wir müssen das wie ein Europapokalspiel sehen, bei dem wir das Hinspiel 0:1 verloren haben", fordert Bixente Lizarazu von Bayern München. Am ersten WM-Einsatz des schmerzlich vermissten Regisseurs Zinedine Zidane bestehen kaum noch Zweifel. "Wenn es kein ärztliches Verbot gibt, sehe ich keinen Grund, dass er nicht spielt", erklärte Lemerre. Ohne Zidane hat Frankreich in diesem Jahr noch kein Spiel gewonnen. Mit ihm noch keins verloren. Nur ein Sieg aus den vergangenen fünf Partien bedeutet die schlechteste Serie seit einem Jahrzehnt.

Sollte der Superstar nicht mehr helfen können, kündigt sich ein revolutionärer Schnitt an. Routinier Desailly will sowieso aufhören. Auch Lemerre dürfte kaum zu halten sein, obwohl der Nachfolger von Aime Jaquet das Team 2000 zum EM-Titel und im vorigen Jahr zum Gewinn des Konföderationen-Pokals geführt hatte.

"Myster" Lemerre gibt sich stets unzugänglich, hasst Interviews und meidet bei der WM so oft es geht Pressetermine. Seine wenig kommunikative Art erinnert an den Russen Oleg Romantsew und den verstorbenen Waleri Lobanowski aus der Ukraine. Das Image eines Apparatschiks verstärken zwei anderen Fakten: In den letzten 16 Jahren diente sich Lemerre im Verband hoch, 1995 coachte er die Militär-Auswahl bei deren WM-Titel. Sein 4-2-3-1-System wird er auch gegen Dänemark nicht ändern, obwohl die Franzosen - ohne Zidane - zuletzt leicht auszurechnen waren.

"Ich verstehe nicht, warum Frankreich so viel auf Zidane setzt. Dadurch lastet ein enormer Druck auf seinen Schultern. Sie haben doch genug andere Spieler", sagte Dänemarks Co-Trainer und einstiger Star Michael Laudrup. Cheftrainer Morten Olsen testete im Training mehrere Formationen, darunter auch eine defensive mit Jon Dahl Tomasson als einziger Spitze. Der Schalker Ebbe Sand wäre dann nur Ersatz.

"Die Franzosen sind immer noch Gruppenfavorit. Frankreich und Gruppenletzter - das ist lächerlich", fügt Olsen hinzu. Beide Teams trafen sich zuletzt des öfteren. Bei der EM 1984 (1:0), der WM 1998 (2:1) und der EM 2000 (3:0) setzten sich auf dem Weg zum Titel jeweils die "Blauen" durch. Auf dem Weg zum EM-Triumph siegten 1992 die Dänen 2:1. Daraus folgert Olsen mit dänischem Humor: "Wer dieses Spiel gewinnt, wird Weltmeister."

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