Frankreich hat die größte jüdische Gemeinde Europas
Serie von Anschlägen auf Synagogen in Frankreich reißt nicht ab

dpa PARIS. Die seit Tagen anhaltende Serie von Anschlägen auf Synagogen und jüdische Einrichtungen in Frankreich reißt nicht ab. Brandsätze wurden in der Nacht zum Samstag gegen drei Synagogen in Bagnolet und Chevilly-Larue bei Paris geworfen. Eine Synagoge in Venissieux bei Lyon wurde mit einem Auto gerammt, wobei die Fassade leicht beschädigt wurde. Bei allen Anschlägen wurde nur geringer Sachschaden festgestellt.

Staatspräsident Jacques Chirac und Premierminister Lionel Jospin riefen am Rande des EU-Gipfeltreffens in Biarritz zum "Dialog und zur Toleranz" auf. Jospin sagte, man werde "mit aller Entschiedenheit" gegen die Täter vorgehen. In mehreren französischen Städten kam es am Samstag zu pro-palästinensischen Demonstrationen. In Lyon versammelten sich etwa 4 000 Menschen, in Mülhausen waren es etwa 1 000.

Die Polizei nahm in Noisy-le-Sec bei Paris drei Jugendliche im Alter von 17 und 18 Jahren fest, als sie Brandsätze gegen eine Synagoge werfen wollten. Auch in Lyon wurden fünf Jugendliche festgenommen, später allerdings wieder freigelassen. Eine Synagoge in Bischheim bei Straßburg wurde Ziel eines Anschlags mit Brandsätzen.

Schutzmaßnahmen für jüdische Einrichtungen

Der französische Innenminister Daniel Vaillant verstärkte die Schutzmaßnahmen für jüdische Einrichtungen erneut. "Alle erforderlichen Maßnahmen zur Vorbeugung von Gewalt wurden ergriffen", sagte Vaillant am Samstag in Paris.

Insgesamt hatte die Polizei in der vergangenen Woche 80 Zwischenfälle, antisemitische Graffiti und Beschimpfungen von Juden registriert. Bei dem bisher schwersten Brandanschlag war in der Nacht zum Mittwoch eine Synagoge im Pariser Vorort Trappes zum größten Teil zerstört worden.

Aufrufe zu Ruhe und Besonnenheit

Religionsführer aller Konfessionen, Anti-Rassismus-Vereinigungen und Politiker aller Parteien haben angesichts der verstärkten Konfliktbereitschaft zwischen Moslems und Juden ihre Aufrufe zu Ruhe und Besonnenheit erneuert. Der Direktor der Moschee in Paris, Dalil Boubakeur, rief zu "Frieden und Respekt" auf.

Das israelische Konsistorium, die höchste Instanz der jüdischen Gemeinde in Paris, forderte "Wachsamkeit und Ruhe". Menschenrechtsvereinigungen verurteilten die Eskalation der Gewalt. In mehreren Schulen wurden Diskussionsrunden zum Konflikt im Nahen Osten veranstaltet.

In Frankreich, wo vier Mill. Muslime leben, ist der Islam heute die zweitwichtigste Religion. Die jüdische Gemeinde in Frankreich ist mit 600 000 Mitgliedern die größte in Europa.

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