Frankreich meldet spürbare Entlastung auf dem Arbeitsmarkt
Paris gilt als Mekka der Zeitarbeit

Der Boom der Zeitarbeit ist in Frankreich neben der 35-Stunden-Woche der wichtigste Faktor für den starken Rückgang der Arbeitslosigkeit in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre. Von 1996 bis 2000 stieg die Zahl der überwiegend bei gewerblichen Arbeitskräfteverleihern beschäftigten Arbeitnehmer von gut 250 000 auf über 750 000 an. Damit ist Frankreich weltweit der zweitgrößte Markt für Zeitarbeit - nach den USA, wo ständig mehr als 2 Millionen Menschen bei Arbeitskräfteverleihern beschäftigt sind.

PARIS. Nach den Statistiken der französischen Arbeitslosenversicherung Unedic ist dabei der Anteil von vergleichsweise einfachen Arbeitsverhältnissen gleich geblieben. Rund 85 % der Interim-Beschäftigten sind Arbeiter, 46 % der Zeitarbeiter haben keine Berufsausbildung. Die Bauwirtschaft, Reinigungsunternehmen, Werbedienstleister und Eventgestalter gehören zu den wichtigen Abnehmern von Leiharbeitern.

Während es auch bei den Zeitarbeitsfirmen in Frankreich einen harten Kern von qualifizierten oder durch die Kunden angelernten Mitarbeitern gibt, die länger beschäftigt bleiben, sind Beschäftigungsverhältnisse von kurzer Dauer die Regel. So gibt es in Frankreich schätzungsweise 2 Millionen Menschen, die mindestens einmal im Jahr für mindestens eine Woche von Arbeitsverleihern angeheuert werden. In diesen Fällen haben die Arbeitnehmer praktisch keine Vorteile gegenüber einer Direktvermittlung durch die staatliche Arbeitsvermittlung ANPE in vorübergehende Arbeitsverhältnisse.

Zeitarbeit ist in Frankreich in den Vorschriften über befristete Arbeitsverträge (Contrats de Durée Determiné, CDD) gesetzlich geregelt. Obwohl die bei den jüngsten Wahlen abgewählte Linksregierung unter Lionel Jospin die Zeitarbeit nicht explizit gefördert hat, zählte sie die positiven Wirkungen dieser Beschäftigungsform lange Zeit zu den eigenen Erfolgen.

Das änderte sich schlagartig mit den Entlassungswellen zahlreicher Großkonzerne im vergangenen Jahr: Binnen weniger Monate sank die Zahl der Zeitarbeiter in Frankreich um mehr als 100 000 auf gut 650 000. Bei Konzernen wie Michelin, Alcatel und Danone waren die Zeitarbeiter die ersten, die aus den Werkshallen verschwanden, bevor Sozialpläne für die Stammbelegschaften folgten.

Im Herbst verschärfte die alte Regierung Jospin mit ihrem Gesetzespaket über die "Modernisierung der Wirtschaft" dann die Nachteile der Zeitarbeit gegenüber festen Beschäftigungsverhältnissen. Zudem qualifizieren Zeitarbeitjobs in der Regel nicht für die "Prime Pour l'Emploi", die als Negativsteuer konzipierte steuerliche Lohnsubvention für Geringverdiener.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%