Frankreich stellt Bedingungen für Aufnahme diplomatischer Beziehungen
EU-Staaten uneins im Verhältnis zu Nordkorea

Deutschland und Großbritannien wollen diplomatische Beziehungen mit dem verarmten und isolierten Staat aufnehmen; Frankreich knüpft diesen Schritt an Bedingungen.

ap/afp SEOUL. Zwischen Deutschland, Großbritannien und Frankreich gibt es Unstimmigkeiten über die Nordkorea-Politik. Nachdem der britische Regierungschef Tony Blair und Bundeskanzler Gerhard Schröder die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit dem jahrzehntelang isolierten kommunistischen Staat in Aussicht gestellt hatten, bekräftigte der französische Staatspräsident Jacques Chirac seine Bedingungen für einen solchen Schritt: Nordkorea müsse die Menschenrechte respektieren und auf Massenvernichtungswaffen verzichten.

Der amtierende EU-Ratspräsident bemühte sich am Freitag in Seoul zugleich, die Meinungsunterschiede mit London und Berlin herunterzuspielen. Bei diplomatischen Beziehungen handele es sich um ein technisches, und nicht um ein politisches Problem. Zudem habe ihm Blair versichert, mit der Entsendung eines Botschafters auf die restlichen EU-Staaten zu warten, sagte Chirac. Österreich, Schweden, Finnland, Portugal, Italien und Dänemark unterhalten bereits diplomatische Beziehungen mit Nordkorea.

Asem-Gipfel würdigt Aussöhnung zwischen Nord und Süd

Zum Auftakt des Asien-Europa-Gipfels in Seoul haben die 25 teilnehmenden Staaten unterdessen die Annäherung zwischen Nord- und Südkorea gewürdigt. In einer am Freitag veröffentlichen "Friedensdeklaration" sicherten sie sowohl dem südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung als auch dem Präsidenten Nordkoreas, Kim Jong Il, ihre Unterstützung zu. Die Entspannungspolitik zwischen den beiden Staaten soll im Mittelpunkt des zweitägigen Treffens stehen. In seiner Eröffnungsrede betonte der Vorsitzende des Gipfels Kim Dae Jung, das Asia-Europe Meeting (Asem) bilde die Basis für eine neue Partnerschaft zwischen Asien und Europa und trage zu Wohlstand und Stabilität im neuen Jahrtausend bei. Auf den Straßen lieferte sich die Polizei derweil Auseinandersetzungen mit etwa 2000 Globalisierungsgegnern.

Mit ihrer Deklaration reagierten die Teilnehmerstaaten auf einen Appell des Gastgebers und Friedensnobelpreisträgers Kim, in dem er die internationale Gemeinschaft um verstärkten Beistand für die Entspannungspoltik mit dem kommunistisch regierten Nordkorea gebeten hatte. Bei einem als historisch eingestuften Besuch in Pjöngjang hatte er dem stalinistischen Nachbarstaat im Sommer ein Bekenntnis zur Aussöhnung abgerungen. Zwischen Nord- und Südkorea existiert seit Ende des Koreakrieges 1953 kein Friedensvertrag.

Proteste von Globalisierungsgegnern

Rund 2000 Demonstranten versuchten vor dem Konferenzzentrum, eine Polizeisperre zu durchbrechen. Ihnen standen etwa 3000 Polizisten mit Schlagstöcken und Schilden gegenüber. Die Protestierer, die meisten von ihnen Studenten und Gewerkschafter, forderten ein Ende der Wirtschaftsreformen und Importstopps, um Arbeitsplätze im Land zu retten. Mindestens drei Studenten wurden verwundet. Eine zugelassene Kundgebung im Olympia-Park zog rund 7000 Demonstranten an.

Am Asia-Europe Meeting (Asem) nehmen die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union, der Asean-Staaten sowie Chinas, Japans und Südkoreas teil. Insgesamt stehen knapp 30 000 Polizisten bereit, um das Gipfeltreffen abzuschirmen und gewalttätige Proteste wie beim Treffen der Welthandelsorganisation (WTO) 1999 in Seattle oder bei der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds und Weltbank im September in Prag zu verhindern.

Datenverbindung zwischen Asien und Europa im Gespräch

Nach Angaben aus Delegationen steht bei den Gipfelberatungen auch die Entwicklung einer Hochgeschwindigkeits-Datenverbindung zwischen Asien und Europa auf der Tagesordnung. Die "Trans-Eurasien"-Verbindung soll demnach vor allem für gemeinsame Forschungsvorhaben genutzt werden und will auf bereits bestehende Unterwasser-Kabel zurückgreifen. Japan und Südkorea regten am Rande des Gipfels den Bau eines 180 Kilometer langen Eisenbahntunnels zwischen beiden Ländern an, der Japan an die Transsibirische Eisenbahn anschließen solle. Das Problem sei nicht die Machbarkeit, sondern die Finanzierung, sagte jedoch ein südkoreanischer Wissenschaftler.

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