Frankreich sucht nach Mischung zwischen jung und alt
Was tun sie bloß ohne Zidane?

Diese EM ist das erste Turnier seit zwölf Jahren, in dem die „Bleus“ ohne Zinedine Zidane antreten. Und so soll nun Franck Ribéry die „Equipe tricolore“ zum EM-Sieg führen. Dass dieser eintreten wird, glaubt laut einer Umfrage jeder dritte Franzose. Und auch teamintern soll frohe Zuversicht herrschen. Dabei hätte Trainer Raymond Domenech Grund zur Sorge.

VEVEY. Nachdem das Mönchtum in der Französischen Revolution abgeschafft wurde, besinnt sich Frankreichs Nationaltrainer Raymond Domenech wieder auf klösterliche Tugenden. Gleichgültig ob Spieler oder Mediziner, allen, die zur Glaubensgemeinschaft EM-Sieg 2008 dazugehören wollen, hat er den Kontakt zur Außenwelt strengstens untersagt. „Persönlich gefiele es mir besser, wenn die Mannschaft nicht so verschlossen wäre. Aber ich bin verpflichtet, Raymond zu vertrauen“, sagte selbst Verbandschef Jean-Pierre Escalettes.

Und so dringen kaum Informationen aus dem Le Mirador Kempinski in Vevey, oberhalb des Genfer Sees, von wo die Französische Èquipe heute in ihrem eigens gecharterten Zug nach Zürich reist, um in ihrem ersten Gruppenspiel gegen Rumänien zu spielen.

Diese EM ist das erste Turnier seit zwölf Jahren, in dem die „Bleus“ ohne jenen Spieler antreten, dessen Äußeres so stark an einen Mönch erinnert. Schon Zinedine Zidanes einer Tonsur ähnelnde Halbglatze hätte vortrefflich zu Domenechs monastischen Konzept der Funkstille gepasst. Ganz zu schweigen von seinem asketischen Stil, der oftmals wirkte, als sei er allein zum Ruhme des Fußballs aufgeführt. Am meisten aber wird Domenech den Regisseur und dessen Fähigkeit vermissen, Verantwortung in einem solchen Wettbewerb zu übernehmen. Wenn Domenech der Abt ist im Kloster Le Mirador, dann wäre Zidane sein Dekan.

Was dieses Amt bedeutet, belegt eine frühere Szene, die sich wenige Tage vor dem WM-Finale 2006 ereignete: Zidane spielte sich auf dem Trainingsplatz mit Franck Ribéry den Ball mit nur einer Berührung zu. Als Ribéry Fehler unterliefen, winkte Zidane den damals 23-Jährigen zu sich und zog ihn am Ohr. Rotzlöffel Ribéry spielte fortan die Bälle zur Zufriedenheit des Meisters zurück.

Und nun, zwei Jahre später, soll Ribéry die „Equipe tricolore“ durch die Unwägbarkeiten der „Todesgruppe“ C zum EM-Sieg führen. Dass dieser eintreten wird, glaubt laut einer Umfrage jeder dritte Franzose. Und auch im Kloster El Mirador soll frohe Zuversicht herrschen.

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