Frankreich zittert um Mobilfunk der dritten Generation
Bouygues droht mit UMTS-Ausstieg

Nach Suez Lyonnaise droht nun auch Bouygues, bei der Vergabe der französischen UMTS-Mobilfunklizenzen auszusteigen. Für die übrigen Kandidaten ist das zunächst eine gute Nachricht: Es gibt weniger Konkurrenz. Doch fragen sich Beobachter schon, ob UMTS überhaupt eingeführt wird.

PARIS. Frankreich könnte zum Stolperstein für die europaweite Einführung des mobilen Internets werden. Im letzten großen Land der EU, in dem die Vergabe der UMTS-Lizenzen noch ansteht, könnte durch die Absage mehrerer Kandidaten eine allenfalls duopolistische Situation beim Mobilfunk der dritten Generation entstehen - eine Situation, die Beobachtern zufolge für die Wettbewerbshüter in Brüssel wohl unakzeptabel wäre.

Nach der Absage des Konsortiums ST3G, in dem sich der Versorger Suez Lyonnaise S.A., Spaniens Telefónica S.A. und der Investor Bernard Arnault zusammengeschlossen haben, ist nun auch die Teilnahme des Baukonzerns Bouygues S.A. an der bis zum 31.1.2001 terminierten Ausschreibung nicht mehr sicher. Das Unternehmen teilte mit, der Aufsichtsrat der Tochter Bouygues Télécom S.A. werde am 30.1.2001 entscheiden, ob man eine Bewerbung abgeben werde.

Eine Entscheidung kann der Baukonzern nicht alleine treffen

Eine Entscheidung kann der Baukonzern, der im Aufsichtsrat seiner Telefontochter unter anderem vom Chef der Gründerfamilie, Martin Bouygues, vertreten wird, nicht alleine treffen. Er hält nur knapp 60 % an der Zwischenholding BDT, die Bouygues Télécom zu 55 % kontrolliert. Die wichtigsten Miteigner sind Telecom Italia mit knapp 20 % an BDT und der Kommunalausrüster JC Decaux mit etwas unter 21 % des Kapitals.

Bouygues Télécom ist der kleinster Mobilfunknetzbetreiber des Landes. Bei seinen Investitionen kann er sich nicht auf den Cash flow seines Festnetzgeschäfts verlassen wie France Télécom S.A. Und anders als beim zu Vivendi S.A. und Vodafone Plc. gehörenden Konkurrenten SFR stehen auch keine stabilen laufenden Einnahmen aus Versorgergeschäften zur Verfügung: Das Baugeschäft ist zyklisch.

Ohne starken Partner wird die Lizenz teuer

Dass Bouygues' Partner in die Bresche springen, ist extrem unwahrscheinlich. So sind Verhandlungen über einen stärkeren Beitrag von Telecom Italia vor einigen Wochen gescheitert. Ohne einen weiteren Finanzier müsste Bouygues Télécom daher die 5 Mrd. Euro teure Lizenz ebenso aus den Einnahmen seines GSM-Mobilfunknetzes tragen wie die gleich hoch geschätzten Kosten für den Aufbau des UMTS- Netzes.

Hier - nicht bei den Lizenzkosten - liegt für Bouygues wie für Suez der Knackpunkt der Lizenzausschreibung. Denn der Staat verlangt um des Gleichheitsprinzips willen, dass bis 2005 jeder Lizenznehmer eine Vollversorgung des Territoriums sicherstellen müsse. Doch erst 2003 werden die ersten UMTS-Handys kommen. "Da müssten die Kandidaten ja 40 Mrd. Euro hinblättern, bevor sie überhaupt den ersten Kunden haben", erläuterte Suez-Chef Gérard Mestrallet gestern in der Zeitung "Le Figaro" seinen UMTS-Rückzug. "Ich zweifle nicht, dass UMTS eines Tages funktionieren und sogar ein gutes Arbeitsmittel werden kann. Aber die Vorleistungen dafür heute sind exzessiv." Suez könne bei UMTS aussteigen, ohne laufenden Geschäften zu schaden - anders als Bouygues.

Für Vivendis SFR oder France Télécom wird der Weg indes leichter, wie die Société-Générale-Analystin Cathia Lawson meint. "Wenn es weniger Kandidaten gibt, ist das eine Chance für jene, die im Rennen bleiben."

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