Frankreichs Innenminister Sarkozy
Die Jugend huldigt ihrem Aufpasser

In Marseille startet Nicolas Sarkozy seine Kampagne für Frankreichs Präsidentschaftswahl und wird frenetisch gefeiert. Begeisterte Fans empfangen den französischen Innenminister wie einen Popstar. Für seinen Regierungschef bleibt hingegegen nur braver Applaus.

MARSEILLE. Der französische Regierungschef spart nicht mit Komplimenten. "Sie sind ein willensstarker, ein energischer, ein mutiger Minister", ruft Dominique de Villepin, "und dafür haben Sie meine ganze Dankbarkeit". Das Lob bringt den Saal zum Kochen. "Sarko - président, Sarko - président", skandiert die konservative Parteijugend mit ohrenbetäubender Lautstärke. Nicolas Sarkozy, Innenminister und Vorsitzender der konservativen Regierungspartei UMP, strahlt wie die Sonne am südfranzösischen Himmel.

Der Mann, der im Frühjahr nächsten Jahres die Nachfolge von Staatspräsident Jacques Chirac antreten will, kann zufrieden sein mit dem Verlauf dieses Wochenendes. Rund 7 000 junge Konservative sind nach Marseille gekommen, um ihr politisches Idol zu feiern. Die bunten Baumwollhemden zeigen, dass die Sarkozy-Fans aus dem ganzen Land angereist sind. Die Jugend aus der Bretagne trägt hellblau, aus den Seealpen grellorange, aus der Picardie grasgrün, aus dem Burgund feuerrot. Sarkozys Name ist auf allen T-Shirts zu lesen, gleich welcher Farbe. Das Jungvolk der Partei schwenkt Trikoloren, brennt Wunderkerzen ab und stimmt immer wieder den Refrain an "Nicolas, Nicolas".

Premier Villepin bleibt gar nichts anderes übrig, als in die frenetische Begeisterung einzustimmen. Hätte er auch nur die leiseste Kritik an Sarkozy gewagt, dann hätte ihn das Publikum wahrscheinlich von der Bühne gejagt. So schließt sich Villepin den überschäumenden Ovationen an - gezwungenermaßen. Zwar gehört der Premier derselben Partei an wie sein Innenminister, zwar arbeiten beide in derselben Regierung in Paris zusammen. Politische Freunde sind sie dennoch nicht. In Marseille vermeidet Villepin sorgfältig jede Äußerung, die als Unterstützung für Sarkozys Bewerbung interpretiert werden könnte. Denn Villepin hegt immer noch eigene Ambitionen auf eine Kandidatur - obwohl der Premier nach den gewalttätigen Jugendunruhen des vergangenen Jahres in der Popularitätsskala weit hinter seinen Innenminister zurückgefallen ist.

Dass Villepin den Draht zum Volk verloren hat, ist auch in Marseille spürbar. "Bereitet unserem Premierminister einen warmen Empfang", ruft ein blonder junger Mann vom Podium aus mehrfach in den Saal, als Villepin im Kongresszentrum der südfranzösischen Stadt eintrifft. Da klatscht die Parteijugend brav. Als Sarkozy in den Saal einzieht, muss niemand mehr die Stimmung anheizen. Die "Jeunes Populaires" bereiten ihrem Hoffnungsträger einen triumphalen Empfang. Medienprofi Sarkozy weiß seinerseits, was beim Volk ankommt. Erst begrüßt er den populären farbigen Rapper Doc Gyneco, dann die französische Rocklegende Johnny Halliday - beide als neue Parteimitglieder.

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