Frankreichs staatlicher Stromriese kommt unter Druck
EDF soll das Auslandsgeschäft auf Europa konzentrieren

Das könnte weite Teile des EDF-Weltreiches treffen und den Konzern vor seiner Teilprivatisierung auf Europa zurückwerfen.

HB PARIS. Der staatlich-französische Energieerzeuger Electricité de France (EDF) wird sein weltweites Netz von Auslandsfilialen voraussichtlich drastisch ausdünnen und in seiner Auslandsstrategie eine scharfe Kehrtwende vornehmen. Wie aus dem Unternehmen und aus Pariser Regierungskrisen verlautete, steht EDF dabei unter dem Druck der neuen konservativen Regierung.

Keine Offizielle Stellungnahme

Weder bei EDF noch im Wirtschafts- und Finanzministerium gab es am Montag eine offizielle Stellungnahme zu den Informationen. Doch verlautete aus Regierungskreisen, dass das Ministerium offenbar eine Entwicklung auf jeden Fall vermeiden will, bei der der Staat EDF im Vorfeld der für 2004 geplanten Teilprivatisierung unter die Arme greifen muss. Davon ausgenommen ist nur die in der Planung befindliche Regelung für die Pensionen der mehr als 80 000 Beamten bei EDF, die als Voraussetzung für den Börsengang des Stromerzeugers gilt.

Nach einem Bericht des Pariser Wirtschaftsblattes "La Tribune" soll das EDF-Management ausländische Verlustbringer abgeben und sich auch von Beteiligungen trennen, die für die weitere Entwicklung des künftig bis zu 25 % von Privaten gehaltenen Konzerns nicht wesentlich sind. Nicht auf der Liste stehen die Beteiligungen in Deutschland, Großbritannien und Italien - diese Länder bilden mit Frankreich den künftigen Kernmarkt des Konzerns in der europäischen Union.

Dem Konzern droht Strategiewende

Setzt sich der neue Wirtschafts- und Finanzminister Francis Mer, der selbst langjährige Erfahrungen als Konzernsanierer in der Stahlindustrie hat, gegenüber EDF-Boss François Roussely durch, dann blüht dem Konzern eine von außen aufgezwungene Strategiewende. Aus Vorstandskreisen verlautete gestern, man sei völlig überrascht darüber, dass Roussely derart unter Druck gesetzt werde.

Der EDF-Boss, vor seiner Berufung an die Spitze des Versorgers unter anderem Chef der französischen Polizei, gilt als Gefolgsmann der im Juni abgewählten Sozialisten. "Es könne sein, dass da im Hintergrund Politik gemacht wird", vermutet ein EDF-Manager.

EDF-Auslandsfilialen verbuchten Rekordverlust

Bis 2004 wollte Roussely den Auslandsanteil am Umsatz des Stromkonzerns auf 50 % steigern. 2001 kam schon ein Drittel der rund 35 Mrd. Euro Umsatz von den Auslandstöchtern. EDF investierte insgesamt 10 Mrd. Euro im Ausland. Allein 1 Mrd. Euro flossen in die Brasilien-Tochter Light. Doch anders als in den Jahren zuvor verbuchten die EDF-Auslandsfilialen im vergangenen Jahr mit fast 1,4 Mrd. Euro einen Rekordverlust. So hatte Roussely schon angekündigt, man werde vorerst nicht mehr zukaufen, sondern zunächst die Auslandsbeteiligungen konsolidieren.

In diesem Jahr wird die Belastung vermutlich weit höher ausfallen als 2001. Schon von der argentinischen Beteiligung Edenor werden immer höhere Verlustzahlen bekannt. Diese hat nach Presseberichten für das erste Halbjahr umgerechnet 250 Mill. Euro Verlust ausgewiesen und ist mit über 500 Mill. $ verschuldet. Eine am kommenden Mittwoch fällige Anleihe von 90 Mill. $ kann sie nach eigenen Ankündigungen wohl nicht zurückzahlen. EDF ist an Edenor über eine Holding indirekt zu 51 % beteiligt.

Fiasko droht in Italien

In Italien droht das Engagement bei der mit Fiat gehaltenen Energieholding Italenergia zu einem Fiasko zu werden. So wird EDF den Löwenanteil einer Wandelanleihe aufnehmen, welche die Filiale im Spätherbst außerbörslich platzieren will. Die Rede ist von einem Volumen nahe 1 Mrd. Euro. Ungeachtet des finanziellen Engagements im südlichen Nachbarland bleiben EDFs Stimmrechte bei Italenergia wegen eines speziell auf die EDF-Beteiligung zugeschnittenen Gesetzes bei 2 % eingefroren.

Unternehmenskreise vermuten, das Ministerium könne EDF auch zur Bereinigung unter den europäischen Beteiligungen drängen. Dabei gelten im Ministerium offenbar alle Engagements außerhalb von Mitteleuropa als disponibel. Dies betrifft nach Angaben der "Tribune" vor allem die ungarischen EDF-Töchter Bert und Demasz, den schwedischen Versorger Graninge und die österreichische Estag.

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