Frankreichs Telekomausrüster baut noch mehr Jobs ab
Alcatel kämpft ums pure Überleben

Der französische Telekomausrüster Alcatel S.A. hat angekündigt, weitere 9 000 Arbeitsplätze zu streichen - einen Teil davon auch in Deutschland. Damit will der Konzern sein Überleben sichern, bis die Telekommunikationsbranche ihre Krise überwunden hat.

HB/cn PARIS. Analysten erwarten, dass Alcatel bald gezwungen sein wird, sich auch von weiteren Beteiligungen zu trennen, um eine Liquiditätskrise abzuwenden. Die Börse reagierte positiv auf die Ankündigung.

Gerüchte, der Konzern könnte seine 15,8 % am französischen Rüstungskonzern Thalès S.A. - Marktwert 900 Mill. Euro - an den Flugzeugbauer Dassault S.A. verkaufen, bestätigte der Chef von Alcatel, Serge Tchuruk, indirekt: "Ich stehe diesem Thema offen gegenüber." Schon die Kosten des Stellenabbaus von rund 500 Mill. Euro will Alcatel "durch Verkäufe von Aktiva" finanzieren. Die Satellitensparte Alcatel Space mit einem Marktwert von bis zu 800 Mill. Euro, an der EADS interessiert sein soll, will Tchuruk halten: "Es ist ausgeschlossen, dass wir uns vom Satellitengeschäft trennen."

Alcatel-Finanzchef Jean-Pascal Beaufret kommentiert den weiteren Stellenabbau so: "Wir haben keine andere Wahl. Unser Problem ist leider ganz einfach: Wir haben keine Kunden mehr. Deshalb müssen wir ständig unsere Kosten an unsere Geschäftsaktivitäten anpassen." Hauptkunden von Alcatel sind Telefonkonzerne wie Deutsche Telekom oder France Télécom. Da diese hoch verschuldet sind, investieren sie kaum noch. Für das zweite Halbjahr 2002 rechnet Alcatel mit einem Umsatzrückgang um ein Zehntel. Am Ziel, Ende 2003 wieder Gewinn zu machen, hält Alcatel aber fest.

Mit dem dritten Stellenabbauplan seit Oktober 2001 steigt die Zahl der Stellen, die Alcatel bis Ende 2003 abbauen will, auf 23 000. Ende Juni beschäftigte Alcatel weltweit 83 000 Mitarbeiter. Ende 2003 sollen es nur noch 60



000 sein. Wie viele Stellen in Deutschland genau abgebaut werden, wollte Alcatel nicht sagen. Das Unternehmen hat hier zu Lande noch 11 000 Mitarbeiter.

Alcatel-Chef Serge Tchuruk versicherte, eine Liquiditätskrise drohe dem Konzern nicht. "Ende Juni betrugen unsere Schulden nur 16 Prozent unseres Eigenkapitals und wir haben heute noch mehr als 4 Milliarden Euro liquide Mittel", sagte Tchuruk. Analysten sind skeptisch. "Spätestens Mitte 2003 wird die Situation kritisch, wenn die Nachfrage bis dahin nicht wieder anzieht", erwarten Analysten bei Dexia. Das Jahr 2001 schloss Alcatel mit einem Rekordverlust von knapp 5 Mrd. Euro ab. Im ersten Halbjahr 2002 betrug der Nettoverlust 2,3 Mrd. Euro.

Seit Jahresbeginn hat die Aktie von Alcatel rund 86 % ihres Werts verloren, seit dem Höchststand September 2000 rund 97 %.

Quelle: Handelsblatt

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