Französische Air Lib hat kaum noch eine Chance
Erstem Billigflieger droht das Aus

Der Versuch, die aus den Trümmern der bankrotten Swissair gebildete Air Lib zu Frankreichs Billigfluglinie umzubauen, steht auf Messers Schneide. Mit neuen Investoren und Stellenabbau will die Airline jetzt noch einmal durchstarten. Doch die Aussichten dafür sind mehr als schlecht.

HB PARIS. Der ersten europäischen Fluggesellschaft, die auf das Geschäft mit Billigflügen setzt, geht das Geld aus. Die französische Air Lib, bis Juli vergangenen Jahres unter dem Namen "AOM Air Liberté" mehrheitlich im Besitz der bankrotten Swissair, kämpft derzeit gegen die drohende Pleite. Mit zwei neuen Investoren, die Air Lib in die Dachgesellschaft Holco S.A. holen will, soll die Insolvenz von Frankreichs zweitgrößter Fluglinie noch in letzter Minute abgewendet werden.

Nach Mitteilung von Vorstandschef Jean-Charles Corbet handelt es sich - in Anspielung an einen Anfang des Jahres gewährten Staatskredit in Höhe von 30,5 Mill. Euro - nun um "Geschäftspartner, nicht um den Steuerzahler". In Verhandlungen sei man mit einer "diversifizierten Gruppe aus der EU" sowie einem französischen Geldgeber, der den Überseedienst der Airline erhalten wolle.

Außerdem legte Ex-Pilot Corbet, der das Unternehmen vergangenes Jahr gemeinsam mit einem Konsortium übernahm, einen mit Banque Lazard Frères und dem Wirtschaftsprüfer KPMG erarbeiteten Sanierungsplan vor. Weitere 500 der noch 3 200 Jobs sollen danach gestrichen werden. Doch Branchenkenner wie Bankenkreise bezweifeln, dass Corbets Vorstellungen realisierbar sind. Allein der Sozialplan würde nach Gewerkschafts-Schätzung 45 Mill. Euro kosten, die Corbet kaum bezahlen kann. Allerdings ringt er mit Swissair- Nachfolger Swiss derzeit um die Rückzahlung von 63 Mill. Euro, die Swissair ihrer Filiale schuldig geblieben war.

Ohne neue Investoren wäre Air Lib am Ende. 90 Mill. Euro Schulden drücken die Gesellschaft, die kaum Eigenkapital besitzt. Und zahlt Corbet nicht bis morgen den Staatskredit zurück, droht Ärger mit der EU. Brüssel könnte zudem sauer aufstoßen, dass Arbeitgeber Air Lib bei Frankreichs Sozialversicherung anschreiben lässt.

Zudem ist die Lizenz der Gesellschaft Ende Oktober abgelaufen. Statt einer Verlängerung bekam Air Lib wegen ihrer prekären Lage nur eine vorläufige Genehmigung, den Flugbetrieb vorläufig noch bis zum 15. November aufrecht zu erhalten.

Die Gesellschaft war auf Betreiben der inzwischen zusammengebrochenen Schweizer Luftfahrtgesellschaft Swissair vor drei Jahren aus den französischen Kleinfluglinien Air Littoral, Air Liberté und AOM gebildet worden. Der Regionalflugdienst Air Littoral verabschiedete sich nach Ende der Swissair rasch aus der Gruppe. Die beiden anderen, die Inlandsdestinationen und Überseeziele in der frankophonen Welt bedienen und ihre Maschinen an Reiseveranstalter verchartern, blieben als Air Lib zusammen.

Im Frühjahr startete Corbet den Billigdienst Air Lib Express auf Routen im Inland und in europäische Hauptstädte. Doch Easyjet und andere Low-Cost-Carrier fliegen längst in Frankreich. Air France baute seinen "Navette"-Pendeldienst zwischen Paris und der Provinz zum Billigangebot aus. So fliegt Easyjet heute für rund 25 Euro Einheitspreis durch Frankreichs. Mit Air France ist man für knapp 40 Euro unterwegs.

Für den erfolgreichen Spätstart des Billigangebots fehlte Air Lib letztendlich die notwendige Kraft. Nicht nur der Heimatflughafen Orly im Süden von Paris, den größere internationale Carrier kaum noch bedienen, erweist sich als Handicap. Air Lib plagt sich auch mit einer Flotte von betagten DC9 und MD83. Deren Sprit- und Reparaturrechnungen raubten schon Corbets Swissair-Vorgängern den Schlaf. Auf Langstrecken bedient Air Lib die Abenteuerlust seiner Passagiere mit klapperigen DC10-Maschinen.

Doch Corbet hat kein Geld für neue Flieger. Anders Easyjet: Die Briten werden demnächst mit 120 neuen Airbus-Modellen durch Frankreich jetten.

Quelle: Handelsblatt

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