Französische Scor bestätigt „exklusive“ Verhandlungen
Gerling Rück steht vor dem Verkauf

Gerling will sich deshalb zügig mit der französischen Scor über den teilweisen Verkauf des Rückversicherungsgeschäft einigen. Allerdings gibt es noch einige strittige Punkte.

Der Versicherungskonzern Gerling will den größten Teil seines Rückversicherungsgeschäftes an das französische Assekuranzunternehmen Scor SA verkaufen. Es wurden "exklusive" Verhandlungen mit den Franzosen vereinbart. Dies gaben beide Unternehmen gestern bei der Vorlage der Halbjahreszahlen des französischen Rückversicherers in Paris bekannt.

Schon "im Laufe der kommenden Wochen" will Scor-Vorstandschef Jacques Blondeau die Verhandlungen abschließen. Die Zeit drängt, denn nach Möglichkeit soll der Deal in trockenen Tüchern sein, bevor im Herbst Verhandlungen zwischen Erst- und Direktversicherern über die Prämien für das nächste Jahr aufgenommen werden. "Noch ist aber nichts entschieden", sagte Blondeau. Scor verhandele mit Gerling nur über den Kauf "derjenigen Aktivitäten, die uns wirklich interessieren". Eine Übernahme der gesamten Rückversicherungsaktivitäten von Gerling, über die seit längerem spekuliert wurde, schloss Blondeau aus.

Nach Angaben aus Versicherungs- und Bankenkreisen muss Scor wahrscheinlich zwischen 0,5 und 1,0 Mrd. für die Rückversicherung auf den Tisch legen - je nachdem auf welches Paket sich beide Seite am Ende einigen. Sicher ist, dass Scor das Lebensversicherungs-Rückgeschäft mit einem Prämienvolumen von etwa 1,4 Mrd. voll und Teile des Sachversicherungs-Rückgeschäftes (Prämienvolumen insgesamt rund 3,5 Mrd. Euro) kaufen will. Beim Sach-Rückgeschäft in den USA mit einem Prämienvolumen von rund 1,5 Mrd. haben die Franzosen offenbar bereits abgewunken.

Wenig Interesse besteht auch für den Bereich in Asien. Hart verhandelt wird nach Informationen von Insidern beim internen Rückversicherungsgeschäft Gerlings, das sehr profitabel ist und auf dem eigenen Geschäft in der Erstversicherung von Gerling basiert. Zur Disposition steht immerhin ein Prämienvolumen von gut 15% des gesamten Rückversicherungsvolumens, das im vergangenen Jahr 5,9 Mrd. betrug.

Die Kölner würden es am liebsten behalten. Doch nach hohen Verlusten hat der Konzern nur begrenzten Verhandlungsspielraum. In den USA hat das Gerling-Management hat das Neugeschäft im Rückversicherungsbereich bereits gestoppt, da ein Wachstum dort nicht mehr zu finanzieren war.

Der Verkauf der Rückversicherungssparte ist Insidern zufolge Voraussetzung dafür, dass der Rest des Gerling-Konzern entweder in Teilen oder als restliches Ganzes verkauft werden kann, wie es die Deutsche Bank, die 34,5 % an dem Unternehmen besitzt, plant

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Scor-Chef Blondeau wiederum hat mehrfach betont, dass der sechstgrößte Rückversicherer der Welt an Zukäufen interessiert ist, um zu großen Wettbewerbern wie Hannover Rück und Swiss Re aufzuschließen. Das Gerling-Management hat allerdings bereits durchblicken lassen, dass es auch andere Interessenten in der Hinterhand hat, sollten die Verhandlungen platzen.

Unterdessen hat Gerling-gestern von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) grünes Licht für den Start seiner Pensionskasse bekommen. Damit haben die Kölner nun die gesamte Palette der betrieblichen Altersversorgung im Angebot. "Das kann neben uns nur noch die Allianz bieten"", freut sich Leben-Chef Jochen Aymanns. Die Pensionskasse ist ein eigenständiges Unternehmen, das für Firmenkunden die betriebliche Altersversorgung ihrer Mitarbeiter organisiert. Chef der Gerling-Pensionskasse wird Norbert Heinen, Aymanns' Stellvertreter.

Gerling rangiert in der betrieblichen Altersversorgung in Deutschland mit einem Marktanteil von 8 % an zweiter Stelle hinter Marktführer Allianz. Derzeit boomt das Geschäft trotz der Schwierigkeiten auf den Kapitalmärkten bei allen großen Gesellschaften.

Die Schieflage der Rückversicherungstochter soll dabei das Geschäft mit der Altersvorsorge nach Angaben der Gerling-Manager nicht beeinträchtigt haben. Genau davon geht aber die Ratingagentur Standard & Poor's aus. Sie hat am Dienstag die langfristige, so genannte Counterparty-Credit-Bewertung und das Rating für die Finanzkraft von Gerling Rück von "A" auf "BBB" gesenkt. Die Bewertung kommt außerdem auf die Prüfliste mit der Implikation "developing".

Quelle: Handelsblatt

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