Französische Sozialisten küren Spitzenkandidatin
„Ein echtes revolutionäres Zeichen“

Ein Jahr lang haben viele der französischen Sozialisten erbittert gegen Ségolène Royal gekämpft - vergebens. Am gestrigen Sonntag hat die Partei Royal offiziell zur Spitzenkandidatin für die Präsidentschaftswahl 2007 gekürt. Parteiinterne Kritik ist weitgehend verstummt, und das obwohl Royal durchaus weiter Anlass dazu gibt.

PARIS. Die Verlierer sitzen in der ersten Reihe, und es gibt viele davon: Nicht nur der frühere Finanzminister Dominique Strauss-Kahn und der einstige Premierminister Laurent Fabius, sondern auch der frühere Parteichef Henri Emmanuelli, der ehemalige Kultusminister Jack Lang und der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoe.

Sie alle haben ein Jahr lang erbittert gegen jene Frau gekämpft, die sie nun bejubeln (müssen). Immer wieder bricht die Parteibasis im Saal in neue Begeisterungsstürme aus - und zwingt damit die Herren in der ersten Reihe, sich von ihren Plätzen zu erheben zu minutenlangen stehenden Ovationen.

Sie gelten der zierlichen schwarzhaarigen Frau im eleganten weißen Kostüm, die vor einer rosaroten Kulisse oben auf der Bühne steht. Ségolène Royal hat auf dem beschwerlichen Weg in den Elysée-Palast die erste Hürde genommen: Sie ist die unumstrittene Spitzenkandidatin der Sozialisten für die Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2007.

Das besiegelt die Partei am Sonntag mit einem Nominierungsparteitag offiziell - und lässt es dabei nicht an politischer Pathetik mangeln. "In der Linken ist eine neue Hoffnung erwacht, und sie wird weiter wachsen bis zum Sieg 2007", ruft die neue sozialistische Lichtgestalt Frankreichs den rund 1 300 Genossen im total überfüllten Saal zu.

Die Herren in der ersten Reihe denken insgeheim wohl eher an zerstörte politische Hoffnungen. Royal gewährt ihren Konkurrenten Dominique Strauss-Kahn und Laurent Fabius, auf deren telefonische Glückwünsche sie zuvor tagelang nicht reagiert hatte, jetzt gnädig je zwei Wangenküsschen. Sie brauche "alle Sozialisten" für ihren Sieg, ruft Royal den Verlierern zu.

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