Französische Staatsbahn SNCF verhandelt über Teilnahme an Miles & More der Star Alliance
Auch Bahnpassagiere sammeln Meilen

FRANKFURT/M. Die europäischen Mitglieder des globalen Luftfahrtbündnisses Star Alliance planen, ein gemeinsames Vielfliegerprogramm einzurichten, das die bisherigen Meilenprogramme ablösen soll. "Das ist ein wichtiges Ziel, an dem wir arbeiten", bestätigte Lufthansa-Vorstand Ralf Teckentrup gegenüber dem Handelsblatt.

Und es gibt offensichtlich auch schon einen genauen Zeitplan. "Ende des Jahres werden wir in dieser Frage ein gehöriges Stück weiter sein", verriet Teckentrup. Zur Star Alliance gehören in Europa neben Lufthansa, British Midland, SAS und Austrian Airlines.

Ein erster praktischer Schritt dazu ist bereits getan. Bei ihrem Beitritt zur Star Alliance im vergangenen Jahr ist Austrian Airlines bereits dem Lufthansa-Vielfliegerprogramm Miles & More beigetreten. Ausschließlich freiwillig war der Umstieg damals nicht: Austrian war damals Mitglied des konkurrierenden Meilenprogramms Qualiflyer von Swissair.

Klagen über stark abweichende Konditionen

Bewegung in die Sache gebracht haben jetzt auch die Verhandlungen mit der französischen Bahngesellschaft SNCF über eine Meilenkooperation. Denn diese Gespräche führt Lufthansa - anders als bei der Deutschen Bahn, die ab 1. März mit Miles & More zusammenarbeitet - nicht separat, sondern auf Allianzebene. "Damit haben wir eine bessere Verhandlungsposition, als wenn wir allein antreten würden", begründet Teckentrup diese Strategie. Dazu müssen die Star-Partner der staatlichen französischen Eisenbahn aber einheitliche Konditionen anbieten - was der weiteren Harmonisierung der Programme sicherlich förderlich ist.

Die Star-Alliance-Partner hätten zunehmend erkannt, so Teckentrup, dass mit fortschreitender Konzentration innerhalb des Bündnisses auch die Vielfliegerprogramme angeglichen werden müssten. Heute können die Kunden bereits Meilen von einer Airline bei einer Partner-Airline abfliegen. Es kommen jedoch regelmäßig Klagen über die zum Teil sehr stark abweichenden Konditionen.

Einem weltweit einheitlichen Meilenprogramm aller Star-Alliance-Mitglieder, das eine Zeitlang unter dem Arbeitstitel "Star Miles" innerhalb des Bündnisses diskutiert wurde, erteilt Teckentrup jedoch eine klare Absage: "Das wird es in absehbarer Zeit nicht geben." Die Untersuchungen hätten ergeben, dass die drei Märkte Amerika, Asien und Europa zu unterschiedlich seien und deshalb eine Vereinheitlichung mehr Nach- als Vorteile bringe.

Pilotphase mit der Bahn AG

Neuland betritt die Lufthansa auch mit ihrer Meilenkooperation mit der Deutsche Bahn AG, die in dieser Woche startet. In einer Pilotphase, die mindestens ein halbes Jahr und maximal ein Jahr dauern soll, können Kunden der Bahn auf bestimmten Strecken pro einfache Fahrt in der ersten Klasse 500 Lufthansa-Meilen sammeln.

Einbezogen in die Testphase ist der ICE-Sprinter zwischen Frankfurt und München und zwischen Frankfurt und Berlin und der Geschäftsreisezug Metropolitan. Das Grundproblem dabei ist, dass die Bahn kein der Lufthansa vergleichbares Reservierungssystem hat, bei dem die Meilen bereits bei der Buchung erfasst werden können.

Deswegen müssen die Zugbegleiter die Meilen während der Fahrt manuell erfassen, und zwar mit den tragbaren Kleincomputern, mit denen heute schon im Zug die Tickets ausgestellt werden. Nach der Ankunft werden die Daten in den Zentralrechner überspielt. An der Frage der Datenerfassung stocken zurzeit auch die Gespräche mit der SNCF. Die französische Eisenbahn möchte, dass die Passagiere nach der Fahrt ihren Fahrschein einschicken, um die Meilen gutgeschrieben zu bekommen, was aus Sicht der Lufthansa weder kundenfreundlich noch sehr kosteneffizient ist. Wenn eine Lösung gefunden würde, die wirtschaftlich vertretbar ist, würde Lufthansa aber diesem Verfahren zustimmen, zugleich aber darauf drängen, dass mittelfristig eine Erfassung während der Fahrt eingeführt wird.

Strategisches Interesse

Dabei können die Erfahrungen in Deutschland hilfreich sein. "Ob die Pilotphase ein Erfolg ist, müssen wir mit der Bahn gemeinsam entscheiden", sagt Teckentrup. Doch eins stellt der Bahn-Manager klar: "Wir haben ein strategisches Interesse daran, dass die Bahn die Zahl der Strecken ausbaut, auf denen die Kunden Meilen erwerben können." Denn schließlich ist es das erklärte Ziel der Lufthansa, Kurzstreckenverkehr auf die Schiene zu verlagern. Meilen, so Teckentrup, schafften dafür einen zusätzlichen Anreiz.

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum
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