Französischem Elektronikkonzern droht Führungskrise
Abgang von Breton belastet Thomson

Der französische Hersteller von Unterhaltungselektronik, der unter Thierrys Führung seit 1997 eine in der Branche beispiellose Wende geschafft, hatte, hat seine Prognose von 20 % Gewinnsteigerung im Vergleich zu 2001 zwar bekräftigt. Aber Analysten vermuten dahinter "mysteriöse Alchemie" des neuen Thomson-Präsidenten Franck Dangeard und des Vorstandschefs Charles Dehelly.

PARIS. Denn in seinem Hauptmarkt USA brechen dem Konzern die Umsätze weg, und das geben Dangeard und Dehelly auch zu. Dangeard versichert jedoch: "Wenn man sich unsere Ertragsquellen und Verlustbringer anschaut, wird klar, dass dies keine Auswirkungen auf unsere Marge haben wird."

Die Investoren haben sich noch keine klare Meinung zu den Chancen des derzeit mit 4,5 Mrd. Euro bewerteten Konzerns gebildet. Am Dienstag stieg der Aktienkurs um mehr als 10 % auf knapp 16 Euro. Nachdem Dangeard und Dehelly vergangene Woche allerdings einen Umsatzeinbruch im dritten Quartal gemeldet, den Rückgang aber nur auf Wechselkurseffekte zurückgeführt hatten, war der Kurs binnen weniger Stunden um fast ein Fünftel gefallen.

Auch im Management des Konzerns zieht keine Ruhe ein: In Börsenkreisen erwartet man, dass Ex-Chef Breton in absehbarer Zeit noch mindestens einen Top-Manager von Thomson zu France Télécom abwerben werde. Analysten tippen auf den langjährigen Finanzchef Julian Waldron oder gar auf Präsident Dangeard. Dies werde das Management weiter destabilisieren.

So haben zahlreiche Investmentbanken trotz Dangeards Gewinnversprechen ihre Empfehlungen zwar bekräftigt, aber nicht heraufgesetzt. Analysten von Morgan Stanley bezweifeln, dass Thomson bei der schwächelnden privaten Nachfrage in den USA das Wachstum bei Unterhaltungselektronik halten kann. Die Bank reduzierte das Kursziel von 38 auf 28 Euro.

Außerdem werden Thomsons Erträge immer noch von dem 1997 erworbenen Patentportfolio von RCA dominiert. Im ersten Halbjahr steuerte dies 168 Mill. Euro zum operativen Halbjahresgewinn von rund 300 Mill. Euro bei. Dabei trägt das Patentgeschäft nur 4 % zum Konzernumsatz bei, der 2002 die im Vorjahr erreichten 10,5 Mrd. Euro knapp verfehlen dürfte. Die mit 54,5 % vom Umsatz immer noch größte Sparte Unterhaltungselektronik schrieb indes rote Zahlen. Bei Bretons Amtsantritt machte dieses Geschäft 85 % des Konzernumsatzes aus. Bis 2004 soll es auf ein Drittel geschmolzen sein - ein Ziel, das Analysten für unrealistisch halten. Denn bisher baute Thomson dieses Geschäft nicht ab, sondern kräftig aus.

Dass der Umsatzanteil trotzdem langsam sinkt, kommt durch den Zukauf neuer Sparten. So sind die Produkte und Dienstleistungen für die Filmwirtschaft, durch den Zukauf von Technicolor gestärkt, mit 128 Mill. Euro Ertragsbeitrag im ersten Halbjahr - bei knapp einem Viertel Anteil am Konzernumsatz - das zweite Standbein von Thomson geworden. Doch auch hier droht laut Morgan Stanley ein Einbruch, wenn die mit dem Technicolor-Verfahren produzierten Filme floppen.

Quelle: Handelsblatt

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