Französischer Computerkonzern steckt bis zum Hals in Schwierigkeiten
Bull will mit Konzernumbau Wende erzwingen

Frankreichs Computerlegende Bull hält sich mit dem Verkauf des Tafelsilbers über Wasser. Nun soll eine Restrukturierung den Konzern retten. Scheitert sie, ist der IBM-Herausforderer am Ende des Weges angelangt.

PARIS. "Die Ergebnisse für 2000 sind schlecht." Mit diesem Satz hat Vorstandschef Guy de Panafieu den von existenzbedrohlichen Verlusten gekennzeichneten Jahresabschluss der Bull S.A., Louveciennes, vorgestellt. Doch bemühte er sich, keinerlei Sorgen um den Fortbestand der Gesellschaft aufkommen zu lassen. Vielmehr gab er sich überzeugt, dass die Neugliederung der Aktivitäten in die Servicegesellschaft Integris und den Internet-Netzausrüster Bull Infrastructure et Systèmes die Gruppe wieder voranbringen werde.



In diesem Zusammenhang bekräftigte de Panafieu seine Ankündigung von Januar, dass Bull, wie schon im vergangenen Jahr, 1 800 Arbeitsplätze abbauen werde - ein Zehntel der Belegschaft. Andererseits soll die Servicesparte schon in diesem Jahr bis zu 1 500 neue Mitarbeiter einstellen.

Serversparte soll sich gesundschrumpfen

Unfreiwillig illustrierte de Panafieu so den Wandel, der Bull bevorsteht. Die traditionsreiche aber ertragsarme Serversparte soll sich gesundschrumpfen. Derweil muss die Gruppe anderswo schnell Geld verdienen. So stürzt sich Integris in den umkämpften Markt für Dienstleistungen vom Callcenterbetrieb bis zur Systemintegration, an dem sie selbst nach eigener Darstellung nur einer unter vielen Spielern ist.



"Mit rund 10 000 Beschäftigten findet sich Integris unter Europas Informationsdienstleistern etwa auf Rang zehn", bemerkte das Brokerhaus Aurel Leven schon im Januar und riet zum Verkauf von Bull. Seinerzeit stand die Aktie bei 4,27 Euro. Nach der Bilanzvorlage schmierte sie am Freitag um 3,4 % bis auf Kurse unter 2,60 Euro ab.



Der Börse missfiel auch, dass Bull-Boss de Panafieu bei der Ergebnispräsentation tief in die buchhalterische Trickkiste griff. Die Gruppe weist zum 31.12.2000 bei einem um 2,3 % auf 3,2 (Vorjahr: 3,3) Mrd. Euro gesunkenen Konzernumsatz einen mehr als verdreifachten operativen Verlust von 103 Mill. Euro auf.



Er lässt sich wesentlich auf die Erosion der Bruttomarge um 15 % auf 787 Mill. Euro zurückführen. Der Jahresfehlbetrag beläuft sich auf 243 (288) Mill. Euro.



Verlustausweis um Nachtragsrechnung ergänzt



De Panafieu ergänzte den offiziellen Verlustausweis um eine Nachtragsrechnung: Er schlug dem Zahlenwerk 306 Mill. Euro Veräußerungsgewinne aus der Abgabe der Smart-Card-Sparte CP8 an Schlumberger Ltd. zu, auch wenn der Erlös erst im Februar auf Bulls Konten fließen sollte.



Dazu bildete er 155 Mill. Euro Rückstellungen für den im Januar verkündeten Jobabbau. So weist die Nachtragsrechnung nur 92 Mill. Euro Fehlbetrag auf. Dabei zeigte de Panafieu in seiner Bilanzpräsentation für 2000 nur 86 Mill. Euro Eigenmittel vor. Ihnen stehen 301 Mill. Euro Verbindlichkeiten gegenüber. Die Schuldenquote liegt damit bei 3,5 (0,5). Auf Grund dieser ungünstigen Bilanz-Relationen wäre die Lage ohne den CP8-Verkauf jetzt schon zumindest bedrohlich.



Angesichts dessen scheint die Pariser Finanzgemeinde bereit zu sein, über Bull den Stab zu brechen. Das üblicherweise eher konziliante Analystenbüro ETC bewertete die Lage jedenfalls unmissverständlich: "Die Bewertung von Bull hängt nicht mehr an den Aussichten der Gesellschaft, sondern eher an den Ankündigungen, die sie in Bezug auf Allianzen oder Verkäufe machen könnte."



Die Einschätzung bestätigt sich auch durch einen Blick auf den Börsenwert der Gruppe. Mit 425 Mill. Euro waren die ausstehenden Bull-Aktien am Freitag bewertet. Allein die Verkaufserlöse von CP8 und Cara summieren sich auf 412 Mill. Euro. Die Differenz, raunte ein Beobachter am Rande der Bilanzpressekonferenz, sei der Wert von Bulls laufendem Geschäft.

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