Französischer Energiekonzern teilt Verantwortung in Regionen auf: Neue Struktur soll EDF schlagkräftiger machen

Französischer Energiekonzern teilt Verantwortung in Regionen auf
Neue Struktur soll EDF schlagkräftiger machen

Die teilweise Privatisierung der EDF, dem größten europäischen Energieerzeuger, rückt näher. Durch den angestrebten Börsengang will der Konzern vor allem eines schaffen: die Möglichkeit, Zukäufe im Ausland mit eignenen Aktien zu bezahlen. EDF will expandieren.

HB PARIS. Der französische Energiekonzern Eléctricité de France (EDF) bereitet sich mit einer neuen Organisationsstruktur auf eine Teilprivatisierung und auf den Wettbewerb in Frankreich vor. Das geht aus einem konzerninternen Dokument hervor, dass der Nachrichtenagentur AFP vorliegt.

Frankreichs Finanzminister Laurent Fabius hatte diese Woche eine Teilprivatisierung von EDF in Aussicht gestellt. Zuvor hatte die Europäische Kommission die EU-Mitglieder ultimativ aufgefordert, ihre Energiemärkte zu öffnen. Die Kommission hat Frankreich schon mehrfach kritisiert, das Monopol von EDF zu schützen.

Die neue Struktur soll dem größten Energieerzeuger Europas helfen, seine "Wachstumschancen zu verbessern und sich internationaler auszurichten", heißt es in dem Dokument. Der Plan von EDF-Vorstandschef Francois Roussely sieht vor, die Geschäftstätigkeit in vier Regionen aufzuteilen: Zentraleuropa (Deutschland, Österreich, Ungarn, Schweiz und künftige EU-Mitgliedsstaaten), Westeuropa (Großbritannien, Skandinavien, Italien, Spanien), Amerika (USA, Mexiko, Argentinien, Brasilien), Asien und Pazifik sowie Frankreich. Das EDF-Heimatland wird weiter unterteilt in die Sektoren "Energie" und "Vertrieb". Weitere Details der neuen Struktur will EDF am heutigen Freitag bekannt geben.

Roussely reagiert damit auf den wachsenden Druck: Zum einen drängt die EU-Kommission Frankreich zur Öffnung des Strommarktes, zum anderen fehlt dem EDF - Chef Kapital für seinen aggressiven Expansionskurs.

Bis zum Ende der spanischen Ratspräsidentschaft Mitte 2002 müsse die Liberalisierung der Gas- und Strommärkte vollzogen sein, fordert die EU-Kommission. Anderfalls könne sie "die Staaten zwingen, ihre Märkte zu öffnen".

Noch hat Roussely in dieser Frage die Rückendeckung der französischen Politik. Die Linksregierung in Paris nahm den Vorstoß der EU sehr zurückhaltend auf. Das Finanzministerium wies lediglich darauf hin, das Thema Energiemärkte werde unter der EU-Präsidentschaft der konservativen spanischen Regierung "mit Sicherheit eine wichtige Rolle spielen". Im Umfeld von Europaminister Pierre Moscovici hieß es, der französische Strommarkt sei bereits "offener als der vieler europäischer Partnerländer".

Beim geplanten Expansionskurs setzt Roussely auf Zukäufe durch Aktientausch. "Wir können kein internationaler Industriekonzern werden, wenn wir Beteiligungen immer mit Cash bezahlen müssen", sagte er. Durch eine Teilprivatisierung mit Börsengang erhielte EDF Aktien, die der Konzern als Akquisitionswährung einsetzen könnte.

Laut Finanzminister Fabius müsse der Staat bei einer Teilprivatisierung Mehrheitsaktionär bleiben. Vor den Wahlen im Mai und Juni ist ein solcher Schritt aber nicht zu erwarten, da die Gewerkschaften gegen die Privatisierung sind. Eine neue Streikwelle im öffentlichen Dienst will Regierungschef Lionel Jospin vermeiden.

Französische Politiker weisen den Vorwurf, sie schützten ihren Heimatmarkt, zurück. Seit 1999 ist der französische Strommarkt offiziell für andere Anbieter zugänglich. In EDF-Kreisen heißt es, der Konzern habe bereits 15 % des Marktes an Konkurrenten verloren. "Das Problem für die Konkurrenz in Frankreich ist nicht der Marktzugang, sondern dass der Strom von EDF so billig ist", sagt eine Analystin, die nicht genannt werden möchte. Knapp 80 % des EDF-Stroms kommt aus Kernkraftwerken.

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