Französischer Konzern sieht sich weiteren Risiken gegenüber
France Télécom ist noch nicht über den Berg

Kräftige Gewitter sind in den vergangenen Wochen über die halbstaatliche France Télécom S.A. hereingebrochen, doch ihre reinigende Wirkung lässt auf sich warten. In der Bilanz für 2001 hatte France Télécom-Chef Michel Bon spektakuläre Sonderabschreibungen in Höhe von 10,2 Mrd. Euro vorgenommen und damit zugegeben: Die Beteiligungen an dem deutschen Mobilfunk-Serviceprovider Mobilcom AG (28,5 %) und am britischen Kabelnetzbetreiber NTL (18,3 %) sind praktisch nichts wert. Die bevorstehende Insolvenz nach dem US-Recht Chapter 11 muss Bon also nicht allzu sehr fürchten. Sodann hatte Bon es geschafft, Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid zum Verkauf seiner Anteile an ein Bankenkonsortium zu bewegen.

PARIS. Doch all das hat die Sorgen über verdeckte Risiken bei dem Telefonkonzern nicht zerstreuen können. Pariser Finanzkreise warnen bereits, France Télécom dürfe nicht zu einem französischen Fall Enron werden. Kritisiert wird vor allem das Ineinandergreifen von Schulden und außerbilanziellen Risiken.

Die Entschuldung werde ein "mühseliger Prozess", glauben die Analysten der Société Générale. Sie schreiben allerdings auch, dass "selbst das schwärzeste Szenario für France Télécom erträglich bleibt". Die Schulden auf Konzernebene würden in diesem Jahr auf fast 69 Mrd. Euro steigen und im nächsten kaum sinken. Erst ab 2004 sei mit einer Reduktion um 7 Mrd. Euro jährlich zu rechnen. Die SG-Analysten merken an, dass France-Télécom-Chef Bon in der Bilanz 2001 mit Mobilcom, NTL und Telecom Argentina nur ausgewählte Beteiligungen wertberichtigt hat.

Bei Orange, Equant und vor allem bei der Bewertung der selbst gehaltenen eigenen Aktien klaffen die Wertansätze in der Bilanz einerseits und der Börsen- oder Substanzwert andererseits weit auseinander. Bon habe zwar 10,2 Mrd. Euro für überhöhte Wertansätze abgeschrieben, doch fänden sich in der Bilanz noch 32 Mrd. Euro Überbewertungen.

Zudem lassen sich auch die wertberichtigten Engagements nicht einfach beenden: Für Telecom Argentina ist kein Käufer in Sicht. Bei den NTL-Wandelanleihen bleibt France Télécom als größter Aktionär des britischen Kabelanbieters nach Recherchen der Anlegerzeitung "Journal de Finance" mit 1,8 Mrd. Euro in der Pflicht. Außerdem könne der Telefonkonzern 538 Mill. Euro in den Wind schreiben, die ihm NTL aus der Übernahme des Aktienpakets am Kabelkonzern Noos noch schuldet.

Bei Mobilcom schien mit Schmids Rückzugsankündigung eine Wende zum Besseren nah. Doch Informationen, die aus den Verhandlungen mit den Mobilcom - Gläubigerbanken durchsickerten, deuten auf eine Auffanglösung hin, die wiederum die Züge einer Wette trägt: Zwar sind Merrill Lynch, Deutsche Bank, Société Générale und ABN Amro offenbar bereit, jeweils 12 % der Mobilcom-Aktien zu übernehmen. Angeblich bestehen sie aber darauf, France Télécom die Anteile schon in drei Jahren wieder andienen zu dürfen.

Ob die Franzosen dann schon wieder angemessen flüssig sind, ist nach dem Stand der Dinge zumindest fraglich. Das berücksichtigt ein Technologieanalyst des Brokerhauses Fideuram Wargny, indem er das Kursziel von 46 Euro für die France-Télécom-Aktie um eine zweite Zahl ergänzt: Auf 7,6 Euro je Aktie summiert das Brokerhaus allein die Mobilcom-Risiken des Konzerns.

Kurzfristig versuche das France-Télécom-Management, Beteiligungen zu Geld zu machen, glaubt der Analyst. Dabei gilt der Verkauf der Anteile am italienischen Mobilfunker Wind als relativ sicher. Mittelfristig hoffe man wohl auf eine Kurserholung bei Technologiewerten.

Auch bei Lehman Brothers glaubt man nicht, "dass die Maßnahmen ausreichen, um eine Kapitalerhöhung zu vermeiden". Diese ist jedoch nur möglich, wenn der Staat als Hauptaktionär an ihr teilnimmt, damit sein Anteil nicht unter 50 % sinkt. Doch das gibt der französische Haushalt derzeit nicht her.

Bei Dexia Securities ist man demgegenüber geradezu optimistisch. Kaum gab Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid klein bei, bekräftigte das Institut seine bedingte Kaufempfehlung für France Télécom und erhöhte das Kursziel von 42 Euro auf 45 Euro.

Davon ist der Aktienkurs allerdings weit entfernt. Zwar hatte er nach der Bilanzvorlage stark angezogen. Doch inzwischen fiel er wieder unter 33 Euro.

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