Französischer Konzern soll hohe Zinssätze zahlen
Vivendi Universal feilscht mit Banken um Kredite

Die in Schwierigkeiten geratene Vivendi Universal S.A. verhandelt mit ihren Geldgebern fieberhaft über neue Kredite.

abo PARIS. Der neue Vorstandschef Jean-René Fourtou ließ am Vormittag durchblicken, dass er die Dinge auf gutem Wege sieht. "Wir glauben, dass wir schnell eine Lösung finden."

In Bankenkreisen ist man sich dessen allerdings nicht so sicher. Denn angesichts der hohen Risiken müssen die Banken von dem Medien- und Versorgungskonzern überdurchschnittlich hohe Zinsen verlangen. Doch sei stark gestiegener Schuldendienst sei das letzte, was der Konzern angesichts seiner äußerst knappen Kassenlage jetzt brauchen könne. Als Beleg für diese Sicht der Dinge wird auf Äußerungen des Société-Générale-Chefs Daniel Bouton verwiesen. Er hatte Beteiligungsverkäufe bei Vivendi Universal unausweichlich genannt.

Schon am kommenden Donnerstag wird eine Forderung der französischen Staatsbahn SNCF in Höhe von 460 Mill. Euro fällig. Für diesen Preis hatte die Vivendi-Telefontochter Cegetel ein ursprünglich gemeinsam mit der SNCF aufgebautes Leitungsnetz übernommen.

Ende des Monats werden Steuerzahlungen Höhe von 260 Mill. Euro fällig, über deren Stundung bisher nichts zu erfahren war. Außerdem laufen die Verhandlungen mit einem Bankenkonsortium über die noch im laufenden Monat anstehende Verlängerung (Roll-over) einer erst 2007 endfälligen Kreditlinie von 3,8 Mrd. Euro. Nach Informationen von Merrill Lynch war das Einverständnis der meisten Konsortialmitglieder noch vor wenigen Tagen nicht gesichert.

Im Herbst werden dann weitere 1,8 Mrd. Euro fällig, wie aus einer Studie von Morgan Stanley Dean Witter hervor geht. . Es handelt sich um eine Zwischenfinanzierung für Vivendi Universal Entertainment.

In dieses Szenario platzte am Montag ein neuer Warnschuss der Ratingagentur Moody's. "Wenn es nicht in sehr kurzer Zeit zu einer Aufstockung der verfügbaren Mittel bei Vivendi Universal kommt, riskiert das Unternehmen eine weitere Verschärfung ihrer Liquiditätslage", teile Moody's mit. "Das könnte sich in einer neuen Revision der Schuldeneinstufung mit starker Abwärtstendenz niederschlagen."

Die Agentur hatte die Schuldtitel des Vivendi-Universal-Konzerns im Vorfeld der Absetzung des früheren Vivendi-Chefs Jean-Marie Messier von der Note Baa3 auf die Note Ba1 herabgestuft. Die Titel der Gruppe haben seither den Status von "Müllanleihen" (junk bonds). Viele Großanleger sind nach ihrer Satzung gezwungen, sich von solchen Papieren zu trennen.

So gehen Pariser Analysten davon aus, dass Vivendi Universal auch seinen sehr kurzfristigen Geldbedarf nur durch Notverkäufe wird decken können. Sie gehen etwa davon aus, dass der Konzern beim italienischen Bezahlfernsehsender Telepiu wohl oder übel die stark revidierte Offerte von Rupert Murdochs News Corp. akzeptieren müsse. Angeblich bietet Murdoch statt 1,5 Mrd. Euro nur noch etwas mehr als die Hälfte dieser Summe.

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