Französischer Konzern wird beim Schuldenabbau zu drastischen Schritten greifen müssen
Beste Aussichten für Deutsche Telekom und France Télécom

Bei einem Vergleich der Ex-Monopolisten unter den europäischen Telekomkonzernen kann die Deutsche Telekom mit ihrem Wachstumspotenzial punkten. Doch dem Aktienkurs hilft das derzeit wenig.

DÜSSELDORF. Auch wenn es sich die Aktionäre der Deutschen Telekom AG derzeit kaum vorstellen können: Der Bonner Telefonkonzen steht im Vergleich zu seinen europäischen Konkurrenten gar nicht so schlecht da. "Eine gute Wahl in einer unterbewerteten Branche" nennt die Kölner Privatbank Sal. Oppenheim die T-Aktie in einer jüngst erschienenen Branchenanalyse.

Beispiel Schulden: Eine der größten Sorgen der Branchenexperten sind die Schuldenberge der Telekomkonzerne und die Frage, ob und wie die Unternehmen diese senken können. In diesem Punkt liegt die Deutsche Telekom im Mittelfeld.

Vergleicht man das Verhältnis der Nettoschulden zur operativen Ertragskraft der Konzerne, ist France Télécom das Schlusslicht unter den europäischen Ex-Monopolisten. Die Nettoverbindlichkeiten am Ende des abgelaufenen Geschäftsjahres sind mit 63 Mrd. Euro mehr als fünf Mal so hoch wie das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda).

Hinzu kommen weitere Verpflichtungen, die der Pariser Konzern eingegangen ist und die in den nächsten Monaten mit hohen Ausgaben verbunden sein könnten. Dazu gehört beispielsweise die Option auf den Kauf eines Aktienpakets an dem polnischen Telekombetreiber TPSA. Insgesamt summieren sich solche Verpflichtungen auf 18 Mrd. Euro.

"France Télécom fällt wegen dieser hohen außerbilanziellen Risiken völlig aus dem Rahmen", sagt Frank Rothauge, Analyst bei Sal. Oppenheim. Der Konzern werde wohl nicht ohne drastische Maßnahmen wie eine Kapitalerhöhung auskommen, um die Schulden deutlich zu senken.

Bei der niederländischen KPN, die ihre Verbindlichkeiten im vergangenen Jahr bereits drastisch abgebaut hat, sieht es - ähnlich wie bei der Deutschen Telekom - nur wenig besser aus. Die Schulden der beiden Konzerne fallen mehr als vier Mal so hoch aus wie ihr Ebitda. Die Deutsche Telekom will ihre Verbindlichkeiten bis Ende 2003 von zurzeit etwa 67 auf 50 Mrd. Euro zu senken. Dieses Ziel bezeichnen Analysten von Merrill Lynch als eine "große Herausforderung". Eindeutig besser ist die Situation bei Telecom Italia, der spanischen Telefónica und der britischen BT Group.

Beispiel Wachstumspotenzial: Bei einem solchen Vergleich führt France Télécom das Analysten-Ranking an, gefolgt von der Deutschen Telekom. Erst weiter hinten kommen die Konzerne, die kaum Schulden haben. Als künftige Wachstumstreiber gelten in erster Linie der Mobilfunk sowie die Systemlösungssparten der Konzerne. Vor allem der Mobilfunk erfordert zurzeit aber hohe Investitionen, was wiederum die Schulden der Unternehmen erhöht.

Die positive Seite des Mobilfunks: Er steigert die operativen Erträge. Übersetzt heißt das: Das laufende Geschäft wirft höhere Profite ab. So erwarten Analysten beispielsweise, dass die Mobilfunktochter der Telekom in diesem Jahr eine zusätzliche Milliarde Euro Ebitda einfahren wird - mit steigender Tendenz.

Selbst der überteuerten Übernahme des US-Mobilfunkers Voicestream können manche Analysten einiges abgewinnen. "Der Voicestream-Verkauf würde zwar ein Großteil der Probleme der Deutschen Telekom lösen, aber auch ihre Wachstumsaussichten halbieren", sagen Analysten von JP Morgan.

British Telecom hat dagegen nach Abspaltung der Mobilfunksparte MMO2 kaum Wachstumsmöglichkeiten. Das Ebitda wird künftig daher langsamer steigen als der Umsatz, erwarten Analysten. Die unsicheren Aussichten des für die spanische Telefónica sehr wichtigen Mobilfunkgeschäfts in Lateinamerika sind ein Negativfaktor bei dem Madrider Konzern.

Beispiel Cash-Position: Das klassische Festnetzgeschäft, bisher die Cash-Cow der Konzerne, schwächelt seit einigen Monaten. Die Umsätze sinken oder stagnieren. Die Deutsche Telekom hat nach Ansicht von Analysten aber sehr gute Aussichten, diesen Trend zu stoppen. Der Bonner Konzern hat mehr als 2,2 Millionen Kunden für den schnellen Internet-Zugang über DSL und ist damit in Europa mit Abstand Spitzenreiter in dem einzigen Bereich, der im Festnetz noch Wachstum verspricht.

Hinzu kommt: Branchenexperten sehen bei der Telekom noch große Möglichkeiten, die Kosten zu senken. Die Deutsche Telekom habe in dem Punkt großes Nachholpotenzial: Einsparungen in Milliardenhöhe in den nächsten drei Jahren halten etwa Analysten von JP Morgan für möglich - beispielsweise indem der Konzern Mitarbeiter entlasse. Investitionen noch weiter kürzen und die Dividende streichen, damit ließe sich die Cash-Situation weiter verbessern, schlagen Analysten von Credit Suisse First Boston vor.

Unternehmen wie KPN sind diesen Weg bereits gegangen. Telefónica gilt als besonders effizient. Bei der in dem Bereich wichtigen Kennziffer Festnetzleitungen pro Mitarbeiter sind sie führend. Auf einen Telefonica-Mitarbeiter kommen 505 Leitungen, bei der Deutschen Telekom sind es 100 Leitungen weniger.

Trotz der durchaus positiven Sicht auf die Deutsche Telekom - für den Aktienkurs sehen die Analysten in den nächsten Monaten noch keine große Erholung: Es gebe zurzeit keinen zwingenden Grund, warum sich die T-Aktie besser als die Titel der Konkurrenten entwickeln sollte, heißt es in einer Studie der Banc of America Securities.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%